Rio de Janeiro - In Deutschland wird geschunkelt, in Brasilien getanzt: Mit dem traditionellen Defilee der besten Sambaschulen hat in Rio de Janeiro der Höhepunkt des diesjährigen Karnevals begonnen. Als erster von zwölf Vereinen zog "São Clemente" am Sonntagabend vor Zehntausenden Zuschauern über die 800 Meter lange Paradestrecke in Rios Sambadrom.
Mit gigantischen Motivwagen, rund 3200 Trommlern und Tänzern in fantasievollen Kostümen und mit viel nackter Haut präsentierte der Club eine Hommage an Rio, die "Cidade Maravilhosa" (Wunderbare Stadt). Das Motto: "Dein, mein, unser Rio - von Gott gesegnet und schön durch die Natur."
Millionen TV-Zuschauer in Brasilien, aber auch im Ausland verfolgten den Einzug der zahlreichen Tanzgruppen in das Sambadrom. Einige Prominente ließen es sich nicht nehmen, das Spektakel vor Ort zu verfolgen: Zur Parade waren Ex-Baywatch-Star Pamela Anderson und der britische Schauspieler Jude Law angereist.
Der Wettstreit um Rios Karnevalskrone 2011 geht in der Nacht zum Dienstag mit der zweiten Runde und weiteren sechs Sambaschulen weiter. Die Entscheidung, wer den Titel "Champion des Karnevals" gewinnt, fällt am Aschermittwoch.
Drei der großen Sambaschulen wurden allerdings von der Wertung des Tanzwettbewerbs ausgenommen. Sie hatten bei einem Feuer in einem Lagerhaus Anfang Februar mehr als 8000 ihrer Kostüme verloren. Unterkriegen wollten sich die Teilnehmer davon aber nicht. "Wir sind bereit und wir sind stark. Niemand sitzt hier traurig herum und denkt darüber nach, was wir verloren haben", sagte Maria Alice Alves von der renommierten Gruppe Portela. Diese hatte den Samba-Wettbewerb zuvor bereits 21 Mal gewonnen, öfter als jede andere Gruppe.
Haitianer feiern ersten Umzug nach Erdbeben
Auch Haiti feierte am Sonntagabend Karneval - erstmals gab es nach dem verheerenden Erdbeben im vergangenen Jahr wieder einen Umzug. Die Beteiligung fiel in der noch immer von Zerstörung gezeichneten Hauptstadt Port-au-Prince deutlich geringer aus als in den vorangegangenen Jahren.
Im Vergleich zu früheren Jahren habe man diesmal nur über etwa 20 Prozent der Mittel für die Feierlichkeiten verfügt, sagte Herve Saint-Preux, Karnevalskoordinator der Stadt . Trotz der Probleme, denen das Land gegenüber stehe, hätten die Behörden den Eindruck gehabt, dass es wichtig gewesen sei, das jährliche Fest fortzuführen, sagte er. "Die Menschen wollen Karneval und wenn wir es nicht unterstützen, machen sie es eben selbst", sagte Saint-Preux.
ulz/dpa/dapd
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