Rosenmontagszüge "Jeck erst recht"

Spott und Häme: In Köln, Düsseldorf und Mainz bekommen die Mächtigen bei den Rosenmontagszügen ihr Fett weg. Beliebte Themen der Persiflage-Wagen sind die GroKo-Verhandlungen und Donald Trump.

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Sie gelten als Höhepunkt des Straßenkarnevals in Köln, Düsseldorf und Mainz: die Rosenmontagszüge. Hunderttausende Jecken sind in den närrischen Hochburgen unterwegs. Viele waren schon am frühen Morgen unterwegs, um sich die besten Plätze an den Strecken zu sichern.

In Köln setzte sich der Zug um kurz nach 10 Uhr in Bewegung - unter dem Motto "Mer Kölsche danze us der Rieh" ("Wir Kölner tanzen aus der Reihe"). Er umfasst rund 11.000 Teilnehmer, etwa 390 Pferde, 25 Persiflage-Wagen und 60 Festwagen. Auf dem Weg durch die Kölner Innenstadt werden 300 Tonnen Süßigkeiten unter das Jecken-Volk gebracht - darunter 700.000 Schokoladentafeln, 220.000 Schachteln Pralinen und 300.000 "Strüßjer", kleine Blumensträuße.

Die Figuren auf den Wagen zeigen unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel, Donald Trump - eine Pappmaché-Ausgabe des US-Präsidenten fuhr als Dampfwalze mit - und die britische Premierministerin Theresa May.

Während des Umzugs gingen die Pferde vor einer Kutsche durch. Mehrere Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, sie saßen offenbar in der Kutsche. Der dahinter folgende Teil des Zuges wurde gestoppt. Krankenwagen steuerten die Unfallstelle an. Ein Tierarzt kümmerte sich um die Pferde. Nach einer etwa halbstündigen Unterbrechung konnte der Zug fortgesetzt werden.

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Karneval: Rosenmontag in Köln, Düsseldorf und Mainz

In Mainz fiel der Startschuss um 11.11 Uhr. Fast 9000 Teilnehmer laufen, fahren oder reiten mit. Und gut eine halbe Million Besucher wurden zu dem Spektakel erwartet. In Mainz lautet das diesjährige Fastnachtsmotto "So wie der Mond die Nacht erhellt, strahlt Mainzer Fastnacht in die Welt".

Überlebensgroße Karikaturen auf 13 Motivwagen spießen aktuelle Themen der lokalen bis internationalen Politik auf. Gleich zweimal sind Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Donald Trump in Styropor geschnitzt. SPD-Chef Martin Schulz darf als "Rohrkrepierer" mitfahren. Der erste Motivwagen aber erweist dem Nachbarn Frankreich seine Ehre: Unter dem Motto "En Marche!" zeigt Staatspräsident Emmanuel Macron in Napoleon-Manier nach vorn.

Düsseldorfs Rosenmontagszug nimmt in diesem Jahr vor allem die Misere der Sozialdemokraten aufs Korn. "Selber Schulz!" prangt auf einem riesigen Fleischwolf, durch den sich Noch-SPD-Chef Martin Schulz selbst dreht. Auch seine designierte Nachfolgerin Andrea Nahles ziert einen ganzen Wagen: Übermächtig und breit grinsend verkündet die SPD-Politikerin: "Genossen, das Ende ist Nahles!".

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist als riesige schwarze Spinne dargestellt, umgeben von den Knochen ihrer erledigten Gegner. Andere Motive zeigen die vor der Macht davonrennenden "Feigen Demokraten", den von der Russlandaffäre niedergemachten US-Präsidenten Donald Trump oder das Elend der Flüchtlinge in Libyen.

Im Gegenzug zum Kölner Rosenmontagszug bleiben in der Nachbarstadt Düsseldorf die Motive bis zuletzt stets geheim. Die Mottowagen standen am Morgen noch in der Wagenbauhalle der Karnevalisten. Die Entwürfe des Wagenbauers Jacques Tilly haben den Ruf, deutschlandweit die frechsten zu sein. Gefeiert wird unter dem Motto "Jeck erst recht".

Auf einem eigenen Wagen nahmen die Toten Hosen teil. Sie sorgten unter anderem mit dem "Altbier-Lied" und dem Chart-Hit "Tage wie dieser" für Stimmung am Straßenrand. Die Punkrock-Band stammt aus Düsseldorf und fährt immer wieder mal im Zug mit. Zum ersten Mal war sie 1996 mit einem eigenen Wagen dabei.

wit/dpa/AFP

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