Karussell-Unfall in Berlin 14 Menschen steckten kopfüber in fünf Metern Höhe fest

Wer in Vergnügungsparks oder auf dem Rummel in eines der rasanten Karussells steigt, sucht den Nervenkitzel - nur nicht so: In Berlin bangten 14 Menschen im Fahrgerät "Stargate" um ihr Leben, als die Gondel plötzlich in fünf Metern Höhe steckenblieb.


Berlin - Erst die Sekunden des Schocks, dann Hilfeschreie und Verzweiflung: Beim Deutsch-Amerikanischen Volksfest in Berlin blieb am Samstagabend die Gondel eines Fahrgeräts plötzlich stecken - gerade in dem Moment, als die Insassen kopfüber in der Luft hingen, fünf bis sechs Meter über dem Boden.

Sanitäter und Ärzte kümmerten sich um die 14 Fahrgäste. Augenzeugen berichteten, dass viele Kinder verzweifelt nach ihren in der Höhe gefangenen Eltern gerufen hatten. 25 Minuten lang mussten sie so ausharren, bis man sie rettete.

Gegen 20 Uhr gelang es dem Betreiber, das Gefährt manuell zu Boden zu ziehen. Zwei Gäste erlitten einen Schock und mussten ambulant behandelt werden, mehrere Menschen klagten über heftige Übelkeit und Schwindelgefühle.

Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung ein.

Erst vor einer Woche war auf demselben Volksfest ein 11-jähriger Junge bei einer Achterbahnfahrt gestorben. Die Ursache konnte noch nicht ermittelt werden.

Verbrennungen zog sich den Betreibern des "Stargate" zufolge ein Mitarbeiter bei der Notreparatur des Karussells zu.

Am Sonntagvormittag untersuchten TÜV-Gutachter das stillgelegte Fahrgerät.

"Die Leute hingen kopfüber wie in einem Käfig. So etwas darf nicht passieren", sagte der Fest-Veranstalter Richard Simmons am Sonntag in Berlin. Er geht von einem technischen Defekt aus. Normalerweise sorge ein Notmechanismus dafür, dass die Gondel wieder in ihren Normalzustand versetzt werde. Dieser Mechanismus habe versagt.

Simmons erklärte, warum er die Feuerwehr nicht sofort gerufen hat: "Zunächst haben wir versucht, die Gondel wieder in ihren Urzustand zu versetzen." Die Feuerwehr hätte sonst auch nichts tun können. Ein Bügel in der Gondel drückt die Gäste in die Sitze. Köpfe und Beine hängen frei in der Luft. Hätte man den Bügel in dieser Position gelöst, wäre Schlimmeres passiert, so Simmons.

Er habe mit fast allen Fahrgästen gesprochen, berichtete Simmons. Eine Frau habe demnach gar nicht verstanden, dass ein Unglück passiert sei. "Sie hielt das für die normale Fahrt." Andere Gäste hingegen waren alles andere als ruhig geblieben.

Das Karussell ist stillgelegt und formal beschlagnahmt worden, sagte ein Polizeisprecher.

pad/AFP/dpa



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