Katastrophe bei der Love Parade: Opfer sollen entschädigt werden

Fast ein Jahr mussten sie warten - nun sollen die Betroffenen der Katastrophe bei der Love Parade finanziell entschädigt werden. Duisburg und eine Versicherung haben eine entsprechende Vereinbarung getroffen. Doch bis Geld an die Betroffenen fließt, kann es noch lange dauern.

Ort der Katastrophe (Arichvfoto): Opfer sollen Entschädigungszahlungen erhalten Zur Großansicht
REUTERS

Ort der Katastrophe (Arichvfoto): Opfer sollen Entschädigungszahlungen erhalten

Duisburg - Die Katastrophe bei der Love Parade liegt schon fast ein Jahr zurück - nun endlich dürfen Opfer der Tragödie auf eine Entschädigung hoffen. Der Versicherungskonzern Axa und die Stadt Duisburg haben am Freitag eine entsprechende Vereinbarung geschlossen. Beide Seiten betonten, dies erfolge ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. Vielmehr gehe es darum, Geschädigte und Angehörige der Opfer nicht länger warten zu lassen. Bei dem Unglück vom 24. Juli 2010 waren 21 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden.

Nach Angaben eines Stadtsprechers stellt die Vereinbarung eine Fortsetzung der Soforthilfe dar, die unmittelbar nach der Tragödie eingerichtet worden war. Die Versicherung, der Veranstalter Lopavent und die Stadtverwaltung hatten 1,5 Millionen Euro in einen Fonds eingezahlt, aus dem Betroffene Geld erhalten sollten, die aufgrund des Unglücks unmittelbar finanziell belastet wurden. Nun gehe es darum, die Entschädigung aller Betroffenen zu regeln, sagte der Sprecher.

Ein Axa-Sprecher sagte, es seien nach dem Unglück vom 24. Juli 2010 von 290 Menschen mögliche Schadensersatzansprüche genannt worden. Zur Höhe der individuellen Leistungen wollte sich der Sprecher nicht äußern, der Konzern habe aber zehn Millionen Euro als Gesamtsumme zurückgestellt.

Den Angaben zufolge kann die Aufklärung der Geschehnisse und der Verantwortlichkeiten noch "einige Zeit in Anspruch" nehmen. Beide Seiten behalten sich vor, nach Klärung der Schuld- und Haftungsfragen gegebenenfalls andere Verantwortliche in Regress zu nehmen.

Proteste gegen Bau auf Veranstaltungsgelände

Hinterbliebene und Geschädigte der Katastrophe wehren sich unterdessen gegen den geplanten Bau eines Parkplatzes auf dem Gelände der Love Parade. Deshalb überreichten sie am Freitag einen Appell mit dem Titel "Den Ort des Leidens nicht zerstören..." an die Stadt. Die Opfer-Initiativen reagierten damit auf Bebauungspläne der Stadtverwaltung, die wegen der Errichtung eines Möbelhauses den Katastrophenort mit einem Parkplatz versehen will.

"Der Ort soll so bleiben wie er ist, damit wir dort unserer Toten gedenken können", sagt Klaus-Peter Mogendorf, dessen Sohn an dieser Stelle ums Leben kam. Mit einer Unterschriftensammlung wollen die Angehörigen die Duisburger Bürgerschaft für ihr Anliegen mobilisieren. In einer ersten Reaktion erklärte Duisburgs Stadtdirektor Peter Greulich (Grüne), man bemühe sich im Kontakt mit dem Investor um eine Lösung.

ulz/dapd

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1. ohne titel
mrempf 27.05.2011
Dies geschiet ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. also niemand ist Schuld aber wir zahlen eien kleinen Betrag. Heißt für mich jemand ist Schuld aber man will sich mit billig Auskünften davon stehlen.
2. Ich gebe keinen Titel mehr an
GyrosPita 27.05.2011
Zitat von mrempfDies geschiet ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. also niemand ist Schuld aber wir zahlen eien kleinen Betrag. Heißt für mich jemand ist Schuld aber man will sich mit billig Auskünften davon stehlen.
Ich glaube Sie haben den Artikel entweder nicht gelesen oder nicht verstanden. Die Opfer bekommen Geld ausgezahlt, von "davon stehlen" kann keine Rede sein. Das wäre der Fall wenn die Versicherung den normalen Weg gehen und auf ein rechtsstaatliches Urteil warten würde. Angesichts des derzeitigen Ermittlungsstandes kann das noch Jahre dauern. Die jetzigen Auszahlungen werden zwar mit später gerichtlich festgestellten Ansprüchen verrechnet, das wird den Opfern aber recht egal sein, denn die brauchen jetzt Geld und nicht in ein paar Jahren. Aber sicher findet sich auch hier wieder ein Forist für den das ganz menschenverachtende Praktiken sind...
3. rückstellungen
autocrator 27.05.2011
soweit ich mich erinnere betrug die versicherte summe des veranstalters bei AXA ca. 7 mio €. Jetzt wurden 10 mio, also grad mal knapp die hälfte mehr als rückstellungen gebildet ; was heisst, AXA rechnet nicht mit einem höheren schaden. 290 schadensersatzforderungen sind bekannt, d.s. rd. 34.000,- € p.P.. Unser solidares gesundheitssystem (für behandlungs- und therapiekosten) federt da vieles ab, ob die krankenkassen regress nehmen, ist unklar. Wie sich die 34.000,- € tatsächlich verteilen, geht aus dem artikel nicht hervor. Ein beinbruch "bringt" wahrscheinlich weniger als ein 20-jähriger toter. Wird dessen voraussichtliche durchschnittliche lebenswirtschaftsleistung berechnet? rechnen wir doch mal: Durchschnittseinkommen 2010: rd. 32.000,- € p.P./p.a. . x 40 wirtschaftsjahre (zw. 25 und 65 lebensalter) = 1.280.000,- €. x 21 Tote = 26,8 mio €. zzgl. 269 schadensersatzforderungen sonstiger überlebender, zzgl. schäden bei hinterbliebenen (trauerbewältigung) und schäden bei rettern / helfern (traumata o.ä.) ... da sind wir ganz fix jenseits der 30 mio €. die AXA rechnet mit 10 mio? - wow, runtergehandelt auf ein drittel! bombengeschäft! da wissen wir doch gleich, wer sich aus den eingesparten 20 mio wieder nen netten bonus finanzieren lässt! zumal damit eigentlich nur zinsausfälle zu verschmerzen sind: Der veranstalter ist noch nicht mal angeklagt, ansonsten ermittelt die staatsanwaltschaft gegen staatsdiener, womit letztlich der staat, und damit ganz zuletzt der steuerzahler haftet, auf die AXA dann regress nimmt. da knallen doch in der chefetage bei AXA gleich wieder die sektkorken! Wenn's nicht so traurig wäre, wie eiskaltschnäutzig hier mit toten und verletzten umgegangen wird ...
4. Ich gebe keinen Titel mehr an
GyrosPita 28.05.2011
Zitat von autocratorsoweit ich mich erinnere betrug die versicherte summe des veranstalters bei AXA ca. 7 mio €. Jetzt wurden 10 mio, also grad mal knapp die hälfte mehr als rückstellungen gebildet ; was heisst, AXA rechnet nicht mit einem höheren schaden. die AXA rechnet mit 10 mio? - wow, runtergehandelt auf ein drittel! bombengeschäft! da wissen wir doch gleich, wer sich aus den eingesparten 20 mio wieder nen netten bonus finanzieren lässt! zumal damit eigentlich nur zinsausfälle zu verschmerzen sind: Der veranstalter ist noch nicht mal angeklagt, ansonsten ermittelt die staatsanwaltschaft gegen staatsdiener, womit letztlich der staat, und damit ganz zuletzt der steuerzahler haftet, auf die AXA dann regress nimmt. da knallen doch in der chefetage bei AXA gleich wieder die sektkorken! Wenn's nicht so traurig wäre, wie eiskaltschnäutzig hier mit toten und verletzten umgegangen wird ...
Na, hat Ihnen Ihre Versicherung den letzten Schaden nicht zu 100 % ersetzt, oder ist Ihre Frau mit Ihrem Versicherungsvertreter durchgebrannt? Wenn ich mich recht erinnere dann erinnern Sie sich falsch. Ich meine gelesen zu haben das der Versicherer exakt die Summe von 10 Mio € versichert hat. Kann aber auch anders sein, denn von Land und Unfallkasse kam auch noch mal Geld. Ist aber völlig wumpe, wenn der Veranstalter 10 Mio € versichert hat dann muß die Versicherung auch maximal diesen Betrag latzen. Wenn Sie eine Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von einer Mio. abschließen und verursachen einen Schaden von zwei Mio, dann bleibt der Rest an Ihnen hängen. Natürlich wird die Gesellschaft, wie Sie schon völlig richtig erkannt haben, mehr auszahlen, Sie aber für den Rest in Regreß nehmen. Wer in Sachen Loveparade in Regreß genommen wird steht allerdings völlig in den Sternen, Sie betreiben hier also lediglich Kaffeesatzleserei mit der Sie sich alles so zurechtbiegen wie es Ihnen paßt ("böse Versicherung"). Das die Deckungssumme ein schlechter Witz ist steht natürlich außer Frage, dafür kann man allerdings kaum die Versicherung verantwortlich machen. Im Gegenteil, der jeweilige Kundenbetreuer wird bestimmt versucht haben die Summe noch zu erhöhen, so wie man jeden Kunden gerne etwas besser versichern möchte als er es eigentlich nötig hat. Das ganze Gefasel von wegen Bonus und so können Sie sich im übrigen an den Hut stecken.
5. Na ja...
graf.koks 28.05.2011
Zitat von autocratorsoweit ich mich erinnere betrug die versicherte summe des veranstalters bei AXA ca. 7 mio €. Jetzt wurden 10 mio, also grad mal knapp die hälfte mehr als rückstellungen gebildet ; was heisst, AXA rechnet nicht mit einem höheren schaden. 290 schadensersatzforderungen sind bekannt, d.s. rd. 34.000,- € p.P.. Unser solidares gesundheitssystem (für behandlungs- und therapiekosten) federt da vieles ab, ob die krankenkassen regress nehmen, ist unklar. Wie sich die 34.000,- € tatsächlich verteilen, geht aus dem artikel nicht hervor. Ein beinbruch "bringt" wahrscheinlich weniger als ein 20-jähriger toter. Wird dessen voraussichtliche durchschnittliche lebenswirtschaftsleistung berechnet? rechnen wir doch mal: Durchschnittseinkommen 2010: rd. 32.000,- € p.P./p.a. . x 40 wirtschaftsjahre (zw. 25 und 65 lebensalter) = 1.280.000,- €. x 21 Tote = 26,8 mio €. zzgl. 269 schadensersatzforderungen sonstiger überlebender, zzgl. schäden bei hinterbliebenen (trauerbewältigung) und schäden bei rettern / helfern (traumata o.ä.) ... da sind wir ganz fix jenseits der 30 mio €. die AXA rechnet mit 10 mio? - wow, runtergehandelt auf ein drittel! bombengeschäft! da wissen wir doch gleich, wer sich aus den eingesparten 20 mio wieder nen netten bonus finanzieren lässt! zumal damit eigentlich nur zinsausfälle zu verschmerzen sind: Der veranstalter ist noch nicht mal angeklagt, ansonsten ermittelt die staatsanwaltschaft gegen staatsdiener, womit letztlich der staat, und damit ganz zuletzt der steuerzahler haftet, auf die AXA dann regress nimmt. da knallen doch in der chefetage bei AXA gleich wieder die sektkorken! Wenn's nicht so traurig wäre, wie eiskaltschnäutzig hier mit toten und verletzten umgegangen wird ...
Bester Neoliberalismus eben...
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