Katastrophen in den 2000ern Als die Natur zuschlug

Erdbeben, Wirbelstürme, und dann der Tsunami: Hunderttausende Menschen sind im vergangenen Jahrzehnt Opfer von Naturkatastrophen geworden. Viele hätten überleben können - wenn Vorschriften eingehalten worden wären.

Von Simone Utler


Hamburg - Es war eine Flut biblischen Ausmaßes. Eben noch existierte das Paradies auf Erden: weiße Strände, türkisblaues Wasser, wolkenloser Himmel, Palmen, Kinder am Strand. Dann kam die Welle, riss Menschen mit sich, komplette Familien, Bäume, Tische, Liegestühle. Wassermassen schoben sich in Hotels und durch Straßen, trugen Autos, Busse und Häuser davon, als wären sie Spielzeug.

Etwa 220.000 Menschen starben bei dem Tsunami, der am 26. Dezember 2004 ganze Küstenstriche des Indischen Ozeans rasierte. Hunderte Urlauber aus Deutschland waren damals unter den Opfern.

Gemessen an der Zahl der Toten war das die schlimmste Naturkatastrophe des auslaufenden Jahrzehnts, sie hat sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Auch weil viele Touristen das Ereignis mit ihren Videokameras festhielten - selbst heute haben die Aufnahmen ihren Schrecken nicht verloren.

Eine der schlimmsten Naturkatastrophen war Zyklon "Nargis" im Jahr 2008. Laut Weltkatastrophenbericht waren damals rund 130.000 Tote und Vermisste zu beklagen, vor allem in Burma forderte der Wirbelsturm unzählige Opfer - und das Regime verweigerte internationalen Hilfsorganisationen und Journalisten die Einreise.

Eine zweite Katastrophe aus dem Jahr 2008 war das Beben im chinesischen Sichuan. Dort starben mehr als 87.000 Menschen. Unter den Opfern waren viele Kinder - viele Schulen waren bei den Erdstößen komplett in sich zusammengefallen. Die Kleinen hatten keine Chance.

Schwere Erdbeben haben in den vergangenen Jahren auch Kaschmir und Iran erschüttert. Zyklon "Sidr" riss in Bangladesch Tausende in den Tod, viele Menschen starben bei Überschwemmungen in Äthiopien und Mosambik.

Der Süden der USA erlebte mit Hurrikan " Katrina" die Apokalypse: Im August 2005 entwickelte sich im Golf von Mexiko einer der gewaltigsten Wirbelstürme, die je in der Region beobachtet wurden. Ende des Monats erreichte das Monster aus Wolken die Südküste der Vereinigten Staaten, die schützenden Deiche New Orleans brachen, weite Teile der Metropole, die zu 80 Prozent unterhalb des Meeresspiegels liegt, wurden überflutet.

Rund 100.000 Menschen wurden damals von den Wassermassen eingeschlossen, viele saßen tagelang auf den Dächern ihrer Häuser fest. Die Evakuierungspläne erwiesen sich als lückenhaft. Im Superdom harrten 20.000 Menschen tagelang unter entsetzlichen Umständen aus. Ohne Wasser, Lebensmittel, Strom. Retter und Helfer kamen viel zu spät - und mussten teilweise zu bizarren Maßnahmen greifen: Weil die Polizei damals nicht alle Toten sofort bergen konnte, wurden Leichname etwa mit Peilsendern versehen.

Diese Katastrophe kam übrigens nicht überraschend: Ein Hurrikan über New Orleans, so hatte im Frühjahr 2001 die nationale Zivilschutzbehörde FEMA gewarnt, gehöre zu den drei größten Bedrohungen des Landes. Die beiden anderen waren ein Terroranschlag in New York und ein Erdbeben in Kalifornien.

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siu



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