Katastrophenalarm Tornado und Regensturm legen Teile Deutschlands lahm

Gesperrte Autobahnen, überschwemmte Bahnlinien, zerstörte Häuser: Tief "Cathleen" hat in der Nacht mit extremen Regenfällen und Sturm für Chaos in Teilen Deutschlands gesorgt. Besonders betroffen sind Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die höchste Warnstufe gilt stellenweise noch bis zum Mittag.


Steinfurt/Bad Salzuflen - In Bad Salzuflen (Kreis Lippe) richtete ein Tornado erheblichen Schaden an und deckte zwei Häuser teilweise ab. Zudem wurden meterdicke Bäume entwurzelt. Auch an vielen anderen Orten liefen Keller voll, Straßen wurden überschwemmt. Menschen wurden nach ersten Erkenntnissen nicht verletzt.

Für das Stadtgebiet von Osnabrück wurde um 4 Uhr früh Katastrophenalarm ausgelöst. Die Autobahn 30 musste stellenweise gesperrt werden. Auf der Bundesstraße 51 bei Georgsmarienhütte fuhr bereits seit 23 Uhr niemand mehr, weil auch hier die Straßen durch die starken Regenfälle überschwemmt wurden. Die A2 war bei Bielefeld stundenlang nach einem Unfall gesperrt. Hier hatte ein Autofahrer bei Starkregen die Kontrolle über seinen Wagen verloren. Bei Quakenbrück krachte ein Triebwagen der NordWestBahn in eine Baumkrone, die sich durch Regen und Wind zur Schiene geneigt hatte, Menschen wurden nicht verletzt.

Besonders im südlichen Landkreis Osnabrück war die Feuerwehr im Dauereinsatz. Immer wieder mussten die Einsatzkräfte ausrücken, um Keller und überschwemmte Straßen freizupumpen. Einige Regenrückhaltebecken konnten die Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Bis circa 6 Uhr wurden die etwa 3000 Rettungskräfte zu mehr als tausend Einsätze gerufen.

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Tief "Cathleen": Dauerregen, Sturm, Chaos
Im Münsterland ist der Bahnverkehr teilweise unterbrochen. Drei Bahnstrecken wurden in der Nacht zum Freitag wegen Überschwemmungen gesperrt. Nach Angaben eines Bahnsprechers war ein Rückhaltebecken am Donnerstagabend gebrochen und hatte die Strecke Münster-Osnabrück überflutet. Auch die Strecken Münster-Gronau und Gronau-Coesfeld wurden in der Nacht wegen Überschwemmungen gesperrt. Am frühen Morgen war noch nicht absehbar, wann wieder Züge rollen. Der Fernverkehr zwischen Münster und Osnabrück wird nach Bahnangaben umgeleitet, es kommt zu Verspätungen.

Ein Regenrückhaltebecken in Rheine drohte zunächst zu bersten und damit ein Industriegebiet zu überfluten. Das Becken wurde mit Sandsäcken gesichert. In Steinfurt fiel eine Kläranlage aus.

Im Kreis Herford überschwemmte der Starkregen Unterführungen und Straßen, auch im Kreis Minden-Lübbecke liefen Keller voll. "Ich kann mich nicht erinnern, wann es das letzte Mal so geregnet hat", sagte ein Polizeisprecher.

"Cathleen" zog am Donnerstag über den Norden Deutschlands. Für einen Streifen vom Münsterland zum südlichen Niedersachsen warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach vor ergiebigem Dauerregen. Bis 22.30 Uhr fielen bis zu 110 Liter Regen pro Quadratmeter.

Deshalb war in einigen Gebieten im Norden Westfalens am späten Donnerstagabend die höchste Warnstufe ausgerufen, die auch am Freitagmorgen noch regional aufrechterhalten wurde. Bis zum Mittag werden örtlich weitere Regenmengen von bis zu 80 Liter pro Quadratmeter erwartet. "An vielen Orten hatten wir heute so viel Regen wie sonst in einem Monat fällt", sagte ein DWD-Sprecher in Essen.

Auch im Süden Deutschlands wütete Regensturm

Auch im Süden Deutschlands haben starke Regenfälle Polizei und Feuerwehr in der Nacht zu Freitag in Atem gehalten. Besonders in Bamberg wurden zahlreiche Straßen überflutet. Außergewöhnlich viele Einsätze meldeten Polizei und Feuerwehr auch aus Ludwigshafen und Bad Dürkheim. Hier waren zahlreiche Keller vollgelaufen.

In Heidelberg, im Rhein-Neckar-Kreis und im Neckar-Odenwald-Kreis wurden ebenfalls zahlreiche Keller und Straßen überflutet. Gegen 1 Uhr fielen in Heidelberg innerhalb einer Stunde bis zu 60 Liter pro Quadratmeter, wie die Polizei mitteilte. Zahlreiche Bäume stürzten um, Gullys wurden aus der Straße gehoben und Baustellenabsperrungen fielen um. Menschen wurden nach ersten Erkenntnissen nicht verletzt. In Heidelberg krachte ein Baum auf ein Haus, richtete allerdings nur geringen Sachschaden an. Im Morretal bei Buchen musste eine Jugendgruppe mit etwa 40 Kindern und ihren Betreuern aus einem Zeltlager in Sicherheit gebracht werden. Sie kamen in einer Sporthalle der Bundeswehr unter.

Am Freitagmorgen schwächten sich die Regengebiete über Westdeutschland nach Angaben der Unwetterzentrale langsam ab und verlagerten sich nach Osten und Südosten. Derzeit gilt jedoch die höchste Warnstufe noch für Teile Nordrhein-Westfalens und Niedersachsens. Neue, lokal auch starke Schauer sollten am Samstag über Nordrhein-Westfalen hinweg ziehen, allerdings keine unwetterartigen Regenmengen bringen.

ler/dpa



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