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Katholische Kirche in USA: Jahrzehnte der Sünde

Von , Washington

Zwei Millionen Amerikaner sind aus der katholischen Kirche ausgetreten, weil immer neue Fälle sexuellen Missbrauchs bekannt werden. In Geheimarchiven fanden Online-Aktivisten nun Beweise, dass auch Bischöfe die Vorfälle systematisch vertuschten - und die Täter so schützten.

Terence McKiernan trägt Schnauzbart und einen Schlabberpulli, er sieht wie ein Gemütsmensch aus. Der 57 Jahre alte Philologe hat in seiner katholischen Gemeinde jahrelang ehrenamtlich Hostien gebacken, im Bibelkreis studierte er die Heilige Schrift. Doch das ist lange vorbei, denn McKiernan ist von seiner Kirche bitter enttäuscht. "Ich habe meine eigenen heiligen Texte gefunden", sagt er und deutet auf den Laptop vor sich. "Aber sie zeigen leider nur eins: das Böse."

McKiernan ruft ein Dokument auf: "Sehen Sie, ein Brief an Papst Johannes Paul II. Der Absender beschreibt, wie er im Alter von zehn Jahren, beim Schwimmen, von einem katholischen Priester vergewaltigt wurde. Der Mann erhielt keine Antwort vom Vatikan." Er klickt weiter: "Hier finden Sie Dokumente darüber, wie sich gleich drei Priester an einem jungen Messdiener vergingen." Noch ein Klick: Auf dem Bildschirm tauchen Notizen verschiedener Bischöfe über einen Geistlichen auf, der des Kindesmissbrauchs verdächtig war - und trotzdem weiterhin mit Kindern arbeiten durfte.

"Wir haben schon 130.000 solcher Akten online gestellt", sagt McKiernan, "in ihnen sind über 3000 katholische Priester als Täter erfasst." Eine seiner jüngsten Quellen ist ein Geheimarchiv der Erzdiözese Philadelphia, in dem interne Erkenntnisse zu Missbrauchsfällen zusammengetragen wurden. Es war aber auch der Ort, an dem dieses Wissen begraben werden sollte. Denn die Papiere belegen, dass Kirchenobere an der Vertuschung der skandalösen Vorgänge beteiligt waren. Nun müssen weitere US-Diözesen bangen.

McKiernan hackt zornig auf den Laptop. Es ist die Stimmung, in die er jedes Mal gerät, wenn er Dinge wie diese liest. Seit einem Jahrzehnt halten immer neue Enthüllungen über Missbrauchsfälle die US-Katholiken in Atem, zwei Millionen Amerikaner haben deswegen in den letzten Jahren die Kirche verlassen. McKiernan aber hat sich nicht einfach abgewandt, er handelt.

Bischöfe zur Rechenschaft ziehen

Gemeinsam mit Anne Doyle, PR-Expertin und enttäuschte Katholikin wie er, steuert McKiernan von einem kahlen Büroraum nahe Boston aus eine Art Kirchen-WikiLeaks. BishopAccountability.Org heißt seine Organisation: Bischöfe zur Rechenschaft ziehen.

McKiernan und Doyle, 52, vertrauen auf die Kraft der Klicks, sie haben einen Online-Pranger geschaffen, Jahresbudget 300.000 Dollar, finanziert werden sie überwiegend von Missbrauchsopfern. Mehr als eine Million Nutzer haben sich die Web-Seite www.bishopaccountability.org voriges Jahr angeschaut. Unermüdlich sammeln beide Unterlagen über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche: öffentlich zugängliche Akten von Gerichtsverfahren und Ermittlungen, aber auch private Aufzeichnungen von Betroffenen. Und eben Auszüge aus Geheimarchiven der Kirche.

Jahrzehnte der Sünde sind nun im World Wide Web abrufbar. McKiernan zeigt einen Brief aus dem Jahr 1948, in dem ein US-Priester einem Freund beschreibt, wie himmlisch der Sex mit einem Knaben gewesen sei. Bestraft wurde er nie. "Es ist, als schaue man dem Bischof über die Schulter, der von solchen Fällen liest - und dann nichts unternimmt." McKiernan klingt ein bisschen wie Julian Assange, der Gründer der Enthüllungsplattform WikiLeaks und Verfechter totaler Transparenz.

Das Geheimarchiv von Philadelphia war bei Ermittlungen entdeckt worden: In der Stadt stehen derzeit drei Priester und ein katholischer Lehrer wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht, daneben auch der engste Vertraute des dortigen Bischofs. Der Mann ist angeklagt, die angeblichen Sexgräuel seiner Kollegen systematisch vertuscht zu haben. Und in Kansas City in Missouri erhoben Staatsanwälte soeben Anklage gegen einen leibhaftigen Bischof - eine Premiere. Der Geistliche soll Beweise für den Missbrauch von Mädchen durch einen Pfarrer monatelang unterschlagen haben.

Dabei hatte die US-Kirche gerade stolz verkündet, nach Jahren voller Skandale und Entschädigungszahlungen an die Opfer ihre Lektion gelernt und Schutzvorkehrungen getroffen zu haben, damit sich Ähnliches nicht wiederholt. "Die Missbrauchskrise ist vorbei", frohlockte eine Kirchenstudie im Mai. Von wegen, wie die neue Diskussion um Geheimarchive über Priestervergehen in Philadelphia zeigt. Hochpeinliche Notizen über Priester, die alles Mögliche tun - nur selten Gutes.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Beihilfe
rhodensteiner 16.12.2011
Zitat von sysopZwei Millionen Amerikaner sind aus der katholischen Kirche ausgetreten, weil immer neue Fälle sexuellen Missbrauchs*bekannt werden. In Geheimarchiven fanden Online-Aktivisten nun Beweise, dass auch Bischöfe die Vorfälle systematisch vertuschten - und die Täter so schützten. Katholische Kirche*in USA: Jahrzehnte der Sünde - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,803687,00.html)
Diese Methoden der systematischen Verschleierung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit nutzt die katholische Kirche schon seit über 1000 Jahren und sie funktionieren gut. Daher wird die Kirche kaum damit aufhören. Solange Eltern so verantwortungslos sind und ihre Kinder solchen Leuten ausliefern, werden diese natürlich weitermachen. Ich finde, es sollten die Eltern der missbrauchten Kinder zur Verantwortung gezogen werden, wegen Beihilfe zum Missbrauch, dann bestände Hoffnung das das irgendwann mal aufhört.
2. Überlegungen
strangequark 16.12.2011
Zitat von sysopZwei Millionen Amerikaner sind aus der katholischen Kirche ausgetreten, weil immer neue Fälle sexuellen Missbrauchs*bekannt werden. In Geheimarchiven fanden Online-Aktivisten nun Beweise, dass auch Bischöfe die Vorfälle systematisch vertuschten - und die Täter so schützten. Katholische Kirche*in USA: Jahrzehnte der Sünde - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,803687,00.html)
Was mich mal interessieren würde: Treten diese Leute aus der Kirche aus, weil sie den Missbrauch als solchen schlecht finden, oder deswegen, weil dadurch das Image der Kirche und somit ihr eigenes in den Keller gerutscht ist. Ersteres wäre akzeptabel. Letzteres wäre scheinheilig. Und warum hat eine andere Gottesthese keinen Anhänger-Schwund, wenn kleine angekettete Jungs in einer Koranschule aufgefunden werden, Outgroup-Mitglieder gesprengt werden oder per Flugzeug aus deren Hochhäusern gebrannt werden ?????
3. Ja, aber ....
strangequark 16.12.2011
Zitat von rhodensteinerDiese Methoden der systematischen Verschleierung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit nutzt die katholische Kirche schon seit über 1000 Jahren und sie funktionieren gut. Daher wird die Kirche kaum damit aufhören. Solange Eltern so verantwortungslos sind und ihre Kinder solchen Leuten ausliefern, werden diese natürlich weitermachen. Ich finde, es sollten die Eltern der missbrauchten Kinder zur Verantwortung gezogen werden, wegen Beihilfe zum Missbrauch, dann bestände Hoffnung das das irgendwann mal aufhört.
Es gibt Gottestheorien, die nicht verschleiern - Sondern im Gegenteil - sich damit brüsten !!
4. Ja
südd. 16.12.2011
Zitat von rhodensteinerDiese Methoden der systematischen Verschleierung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit nutzt die katholische Kirche schon seit über 1000 Jahren und sie funktionieren gut. Daher wird die Kirche kaum damit aufhören. Solange Eltern so verantwortungslos sind und ihre Kinder solchen Leuten ausliefern, werden diese natürlich weitermachen. Ich finde, es sollten die Eltern der missbrauchten Kinder zur Verantwortung gezogen werden, wegen Beihilfe zum Missbrauch, dann bestände Hoffnung das das irgendwann mal aufhört.
Mit der gleichen Argumentation müssten dann sämtliche Sportvereine geschlossen werden. Und die Eltern, die ihre Kinder dahinschicken vor Gericht gestellt. Das Problem ist ein bestimmter Corpsgeist innerhalb der katholischen Kirche in der USA. Traditionell wird sie schon immer angefeindet. Durch dies ist ein Mentalität der Reihen geschlossen entstanden. Zum Schaden der Kirche. Natürlich sollten die verantwortlichen Bischöfe vor Gericht gestellt und bei erwiesener Schuld verurteilt werden.
5. Reingewaschen
marcshit 16.12.2011
Zitat von sysopZwei Millionen Amerikaner sind aus der katholischen Kirche ausgetreten, weil immer neue Fälle sexuellen Missbrauchs*bekannt werden. In Geheimarchiven fanden Online-Aktivisten nun Beweise, dass auch Bischöfe die Vorfälle systematisch vertuschten - und die Täter so schützten. Katholische Kirche*in USA: Jahrzehnte der Sünde - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,803687,00.html)
Man kann die Amerikaner durchaus als glaubensfest bezeichnen. Es daher umso erstaunlicher (aus deutscher Sicht), dass hier eine viel stärkere Auseindersetzung der Gesellschaft und der Justiz mit dem Thema stattfindet. Hier in Germany wird das Thema immer noch runtergespielt, selbst Politiker und studierte Kriminalisten sind sich nicht zu fein einen rethorischen Vorhang über die Vorfälle zu legen. Schlimmer noch, man klatscht hier in die Hände wenn der Papst indirekt den thermalen Holocaust aller Nichtchristen verkündet Zitat: "Vor diese Entscheidung ist jeder von uns gestellt. Wie ernst sie ist, sagt uns der Herr wiederum in seinem Gleichnis: „Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen“ (Joh 15,6) Dazu meint der heilige Augustinus: „Eines von beiden kommt der Rebe zu, entweder der Weinstock oder das Feuer; wenn sie nicht im Weinstock ist, wird sie im Feuer sein; damit sie also nicht im Feuer sei, möge sie im Weinstock sein“ (In Ioan. Ev. tract. 81,3 [PL 35, 1842])." und vergangene Ereignisse herunterspielt. Zitat: "Wenn dann auch noch die leidvolle Erfahrung dazukommt, dass es in der Kirche gute und schlechte Fische, Weizen und Unkraut gibt, und der Blick auf das Negative fixiert bleibt, dann erschließt sich das große und tiefe Mysterium der Kirche nicht mehr." Wirklich, armer Papst - arme RKK!
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