Prominente Theologen Katholiken fordern Neuanfang von der Kirche

"Schlagen Sie eine neue Seite auf, schreiben Sie '2019' darüber, und fangen Sie an": In einem Brief an die Bischofskonferenz fordern bekannte Katholiken grundlegende Änderungen - etwa in Bezug auf Frauen im Amt oder Homosexualität.

Kardinal Reinhard Marx (Archivbild)
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Kardinal Reinhard Marx (Archivbild)


Neun prominente Katholiken haben die Deutsche Bischofskonferenz zu einem Neuanfang in der Kirche aufgerufen. Die katholische Kirche solle ihre geistlichen Ämter für Frauen öffnen, Priestern die Wahl ihrer Lebensform freistellen und der Homosexualität mit Verständnis begegnen, heißt es in einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, den Münchener Kardinal Reinhard Marx, der am Sonntag in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" veröffentlicht wurde.

"Wenn Sie sich an die Spitze der Reformbewegung setzen, haben Sie uns entschlossen hinter sich", steht in dem Appell, der sich auch an alle anderen Bischöfe richtet. "Schlagen Sie eine neue Seite auf, schreiben Sie '2019' darüber, und fangen Sie an."

Sechs der neun Unterzeichner kommen aus Hessen, unter ihnen Ansgar Wucherpfennig. Dem Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt hatte der Vatikan im November vergangenen Jahres erst nach öffentlichen Appellen von Theologen die Zustimmung zu einer dritten Amtszeit gewährt.

"Die Sonne der Gerechtigkeit kommt nicht mehr durch"

Auch der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz und die Frankfurter Caritas-Direktorin Gaby Hagmans schlossen sich dem Appell an, ebenso wie der Jesuitenpater Klaus Mertes, der 2010 Missbrauchsfälle in der Kirche öffentlich gemacht hatte und nun das Kolleg Sankt Blasien im Südschwarzwald leitet.

Die Verfasser beziehen sich auf eine bevorstehende Reise von Kardinal Marx zu einer Konferenz im Vatikan über die Missbrauchsskandale der vergangenen Jahre. Sie sprechen auch von einer bedrückten Stimmung in den Pfarrgemeinden: "Die Sonne der Gerechtigkeit kommt nicht mehr durch. Unter einem bleiernen Himmel verkümmert die Freude am Glauben."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war fälschlicherweise von acht Unterzeichnern die Rede, es sind aber neun. Wir haben den Fehler korrigiert.

juh/dpa



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