Vergewaltigungen: Katholischer Krankenhausverband überdenkt Position zur "Pille danach"

Zwei katholische Kliniken stehen in der Kritik, weil sie ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer abwiesen. Nun will der Katholische Krankenhausverband Deutschlands seine Position zur "Pille danach" überdenken. Es gehe um die Frage, ob man auch die Rechte der Frau ernst nehme, heißt es von dem Verband.

Düsseldorf - Der Katholische Krankenhausverband Deutschlands will nach der Abweisung einer mutmaßlich vergewaltigten Frau durch katholische Kliniken in Köln neu über die "Pille danach" nachdenken. Es gehe um die Frage, ob man das Opfer alleinlasse und einer vergewaltigten Frau sage, sie müsse das Kind austragen - oder ob man auch die Rechte der Frau ernst nehme, sagte der Geschäftsführer des Verbands, Thomas Vortkamp, in der WDR-Sendung "Westpol". "Und das sind Punkte, die wir mit den Bischöfen jetzt auch besprechen müssen", sagte Vortkamp.

Nach dem Vorfall hatte der Verband in einem Argumentationspapier beteuert, Frauen, die vergewaltigt wurden, bekämen "jede Unterstützung", medizinisch wie psychologisch. Gleichzeitig machte er jedoch klar, dass kein katholisches Krankenhaus die "Pille danach" verabreichen dürfe.

Zwei katholische Krankenhäuser in Köln hatten sich geweigert, eine junge Frau, die wahrscheinlich vergewaltigt worden war, zu untersuchen und Spuren des Verbrechens zu sichern. Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hatte sich für die Abweisung entschuldigt, zugleich aber betont, dass die Kirche die klare Position des absoluten Lebensschutzes vertrete. Er sei sich bewusst, dass das wie in dem Fall der jungen Frau zu "unerträglichen Entscheidungssituationen" führen könne.

Am Montag präzisierte Vortkamp seine Position. Er halte es für legitim, Frauen die "Pille danach" im Einzelfall zu geben. Das heiße aber nicht, dass nun für die katholischen Krankenhäuser eine neue generelle Richtlinie eingeführt werde. Die Häuser sollten aus der Situation heraus entscheiden dürfen, stets vor dem Hintergrund, ob das Opfer zum Beispiel nach einer Vergewaltigung psychische oder physische Schäden erleiden könne.

ulz/dpa

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insgesamt 34 Beiträge
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1. .....
scipio2012 28.01.2013
Zitat von sysopZwei katholische Kliniken stehen in der Kritik, weil sie ein mutmaßliches Vergewaltigungsopfer abwiesen. Nun will der Katholische Krankenhausverband Deutschlands seine Position zur "Pille danach" überdenken. Es gehe um die Frage, ob man auch die Rechte der Frau ernst nehme, heißt es von dem Verband. Katholischer Krankenhausverband überdenkt Position zu "Pille danach" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/panorama/katholischer-krankenhausverband-ueberdenkt-position-zu-pille-danach-a-880016.html)
Oh, man "überdenkt" ..... mindestens so lange .... bis Gras über die Sache gewachsen ist. ;)
2. optional
SenseSeek 28.01.2013
Vielleicht sollte die Kirche einfach abgeschafft werden. Wenn sie es einfach nicht hinbekommt, ihren Weg ins 21. Jahundert zu finden. Der ganze Verein ist ein einziger selbstverherrlichender und selbstgerechter Haufen. Und befindet sich obendrein in einem Parallel-Universum.
3. krankes Krankenhaus
leser008 28.01.2013
Der Krankenhausverband sieht überhaupt nichts ein. Sondern hat Angst, dass man ihm die Trägerschaft für Krankenhäuser entzieht, so wie es schon bei ehemals kath. Kindergärten passiert. Bald sind die Katholiken nur noch ein kranke Sekte mit Vermögensverwaltung dabei und müssen froh sein, wenn sie ihren Vereinsstatus noch hinkriegen. Insgesamt aber ein Argument, die Pille dannach verschreibungsfrei abzugeben, wie im Ausland.
4. optional
klatoe 28.01.2013
Es wird höchste Zeit das die kath. Kirche über ihre Einstellung mal nachdenkt. Wer gibt der kath. Kirche das Recht von einer Frau ein durch Gewalt gezeugtes Kind zu gebähren und groß zu ziehen.
5. Nicht diskutieren lassen, sondern was tun:
Knüllfaktor 28.01.2013
Petition an Daniel Bahr, Gesundheitsminister "Notfallverhütung für vergewaltigte Frauen in ALLEN deutschen Krankenhäusern" bis zum 14. Februar unterschreiben. https://www.change.org/de/Petitionen/notfallverhütung-für-vergewaltigte-frauen-in-allen-deutschen-krankenhäusern
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