"Katrina"-Folgen: Kurzmeldungen vom Donnerstag

3. Teil: Nachrichten vor 12 Uhr

+++ Reiseveranstalter ermöglichen Umbuchungen +++

[11.53] Angesichts der Zerstörungen haben mehrere Reiseveranstalter ihre Storno- und Umbuchungsfristen für den Süden der USA verlängert. Dertour, TUI, FTI, Canusa und die Marken des Thomas-Cook-Konzerns ermöglichen es ihren Gästen jetzt zum Teil bis zum Jahresende, Reisen in die weitgehend unter Wasser stehende Stadt New Orleans im US-Bundesstaat Louisiana und ihre Umgebung zu verlegen oder abzusagen.

+++ Schröder bietet Unterstützung an +++

[11.43] Kanzler Gerhard Schröder bietet den Vereinigten Staaten nach dem verheerenden Hurrikan "Katrina" die Hilfe Deutschlands an. Der SPD-Politiker sagte in Berlin, er habe alle Ministerien gebeten, zu prüfen, "was man an Hilfsangeboten für unsere amerikanischen Freunde machen kann". Deutschland stehe angesichts dieser Naturkatastrophe fest an der Seite der USA und werde alles tun, um zu helfen. Als konkrete Maßnahmen nannte der Kanzler die Bereitstellung von Wasseraufbereitungsanlagen und mobilen Unterkünften. "Uns ist eine Menge in dem Sektor möglich", betonte der Kanzler.

+++ Kritik der Demokraten an Bush +++

[11.07] Angesichts der Verheerungen hat George W. Bush wirksame Hilfen angekündigt. Jetzt wird sich zeigen, ob der Präsident seinem Ruf gerecht wird, den er nach den Anschlägen erwarb, oder ob er die Erwartungen enttäuscht und einen politischen Preis zahlen muss wie schon sein Vater nach dem Hurrikan "Andrew" im Jahr 1992. Das Meinungsforschungsinstitut Southern Media and Opinion Research vermutet, der Präsident könnte für die Umstände der Überschwemmungen in New Orleans verantwortlich gemacht werden. "Wenn die Menschen nicht mehr von der Zerstörung geschockt sind, werden sie anfangen, Fragen zu stellen: War geschah mit den Wasserpumpen? Warum hielten die Dämme nicht?" Die Demokraten verbreiten bereits einen Artikel des Medienmagazins "Editor & Publisher", in dem es hieß, der Deichschutz von New Orleans sei den Kosten für den Krieg im Irak, den Heimatschutz und den Steuersenkungen zum Opfer gefallen. Der demokratische Senator Frank Lautenberg kritisiert, der Präsident hätte schon am Montag Soldaten und Hilfe nach New Orleans schicken müssen.

+++ DRK: "Wir stehen bereit" +++

[11.05] Das Deutsche Rote Kreuz bietet den USA im Kampf gegen die Folgen des Hurrikans "Katrina" seine Hilfe an. "Wir stehen bereit", sagte Sprecher Fredrik Barkenhammar. Bislang hätten die amerikanischen Behörden jedoch noch keine deutsche Unterstützung angefordert. Falls benötigt, könnte das Rote Kreuz mobile Trinkwasseraufbereitungsanlagen und Gesundheitsstationen sowie ein mobiles Krankenhaus zur Verfügung stellen. Derzeit kläre das DRK mit den amerikanischen Kollegen, ob und wie die Deutschen helfen könnten. Auch das Technische Hilfswerk (THW) könnte "relativ zügig" vor Ort helfen, falls eine Anfrage käme, wie ein Sprecher sagte. Denkbar wären der Einsatz von Anlagen zur Versorgung mit Trinkwasser und Strom sowie die Bereitstellung von Pumpen. Daneben könnte sich das THW auch an Räumungsarbeiten oder Brückenbaumaßnahmen beteiligen.

+++ US-Sportler spenden Millionen +++

[10.52] Der US-Sport zeigt große Hilfsbereitschaft für die Opfer von "Katrina". So spendeten die National Football League (NFL) und der US-Baseball-Gigant New York Yankees je eine Million Dollar. Der dreimalige Wimbledonsieger John McEnroe kündigte eine Spende von 25.000 Dollar an und rief am Rande der US Open in Flushing Meadows zu weiteren Hilfsleistungen auf. Die zweimalige US-Open-Siegerin Venus Williams (USA) will auf ihren Turnieren bis zum Jahresende für jedes Aufschlag-Ass 100 Dollar spenden.

+++ Fischer bietet USA Hilfe an +++

[10.50] Deutschland hat den USA nach dem verheerenden Hurrikan seine volle Unterstützung angeboten. Die Bundesregierung sei zu jedweder Hilfeleistung bereit, um der "entsetzlichen Naturkatastrophe" Herr zu werden und deren Folgen zu beseitigen, erklärte Außenminister Joschka Fischer in Berlin. Die Solidarität gelte den betroffenen Menschen. Die verheerenden Zerstörungen des Hurrikans habe er mit "Trauer und Entsetzen" verfolgt. Die deutsche Botschaft Washington steht den Angaben zufolge in ständigem Kontakt zum US-Außenministerium und den Krisenzentren. Die deutschen Generalkonsulate in Houston und Atlanta halten zudem enge Verbindung zu den Behörden in Louisiana, Mississippi und Alabama, um Deutschen in Not zu helfen und Vermisste aufzufinden.

+++ Hollywood-Studios verlegen Dreharbeiten +++

[10.49] Die verheerenden Wirbelsturm-Verwüstungen haben auch die Dreharbeiten zu mehreren Hollywood-Filmen gestoppt. Mindestens 65 Mitarbeiter zweier Disney-Produktionen seien schon vor dem Eintreffen von "Katrina" aus New Orleans per Flugzeug evakuiert worden, teilte das Filmstudio mit. Betroffen sind demnach die Produktionen "Deja Vu" mit Denzel Washington und "The Guardian" mit Kevin Costner und Ashton Kutcher. Die Warner-Studios wiederum müssen nach eigenen Angaben den Dreh des Horrorfilms "The Reaping" mit Hilary Swank neu konzipieren, der bis zu dem Sturm in Baton Rouge produziert wurde.

+++ DGB: Benzinpreise Thema der Lohnrunden +++

[10.46] Die hohen Benzinpreise werden Thema der bevorstehenden Lohntarifrunden der Gewerkschaften. "Die Inflationsrate insgesamt wird eine Rolle spielen, und der DGB-Benzinpreis ist ein Teil davon", sagte DGB-Tarifexperte Reinhard Dombre. Er schränkte aber zugleich ein, dass die Gewerkschaften ihre Lohnforderungen nicht alleine am Benzinpreis ausrichteten: "Wir werden nicht sagen, jetzt machen wir eine Tarifrundenerhöhung begründet auf den höheren Benzinpreisen." Die jüngste Preisrunde an den Tankstellen hatten die Mineralölgesellschaften mit Produktionsausfällen durch den Wirbelsturm "Katrina" begründet. Als Folge decken sich die USA mit Treibstoff auf dem europäischen Markt ein, wodurch auch hier die Preise steigen.

+++ Militär soll Plünderer stoppen +++

[10.37] Um die Plünderungen nach den Verwüstungen in Louisiana zu stoppen, hat die Regierung des US-Bundesstaates zusätzliche Militär- und Polizeieinheiten angefordert. Viertausend Soldaten der Nationalgarde, 200 Angehörige der Militärpolizei und zusätzlich einhundert Polizisten seien mobilisiert, kündigte ein Sprecher der Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, an. Etwa 50 Militärpolizisten seien bereits eingetroffen, mit der Ankunft der übrigen Einheiten werde baldmöglichst gerechnet. Auch aus anderen Bundesstaaten wie Arkansas und Kentucky oder dem weiter entfernten Michigan hoffe man auf Hilfe, um die Ordnung in New Orleans wieder herzustellen.

+++ Schwerste Naturkatastrophe seit 1906 +++

[9.50] US-Behörden fürchten, dass "Katrina" mehr als tausend Menschen das Leben gekostet hat. Damit wäre dies die schwerste Naturkatastrophe in den USA seit dem Erdbeben von San Francisco im Jahr 1906. "Wir wissen, dass es noch viele Tote im Wasser gibt, und weitere auf den Dachböden der Häuser", sagte der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin. Es gebe mehrere hundert, wahrscheinlicher aber mehr als tausend Tote. Die Stadt werde für mindestens zwei Monate nicht bewohnbar sein. So lange dürften die Bewohner auch nicht zurückkommen. Bislang halten sich noch rund 100.000 der 480.000 Einwohner in New Orleans auf.

+++ Vom Superdome in den Astrodome +++

[9.23] Der Superdome in New Orleans wird evakuiert. Er gewährte den 25.000 Bewohnern der Stadt Schutz vor "Katrina", aber jetzt wollen die Menschen nur noch weg. Ohne Klimaanlage und zeitweise ohne Strom können die Menschen die Hitze und die schlechte Luft kaum ertragen. Der zuständige Arzt Kevin Stephens beschreibt die Zustände im Superdome als den Albtraum jeder Gesundheitsbehörde. "Diese Bedingungen sind grauenhaft", sagt er. Die Gestrandeten werden ins Astrodome nach Houston im benachbarten Texas gebracht. Wie lange die Flüchtlinge da bleiben sollen, ist bisher nicht klar. "Wir verschaffen uns Zeit, bis wir uns etwas ausgedacht haben", sagt der Koordinator des Katastrophenschutzes, William Lokey.

+++ Milliarden-Schäden für Versicherer +++

[9.03] Auf die Rückversicherungsbranche kommen nach der Naturkatastrophe Milliardenschäden zu. Zudem bedrohen sie die selbst gesteckten Gewinnziele der Unternehmen. Nach dem Branchenprimus Münchener Rück hat nun der weltweit zweitgrößte Rückversicherer Swiss Re vorläufige Schätzungen vorgelegt. Die Schweizer rechnen mit einer Belastung von 500 Millionen US-Dollar vor Steuern. Aufgrund der Komplexität der Schäden seien die Schätzungen aber mit einer hohen Unsicherheit behaftet.

+++ US-Ölpreis unter 69 Dollar +++

[7.38] Die Lage am internationalen Rohölmarkt hat sich mit dem Antasten der strategischen Ölreserve in den USA etwas entspannt. Der US-Ölpreis pendelte heute im asiatischen Handel deutlich unter 69 US-Dollar. Ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte WTI wurde um 7.20 Uhr mit 68,79 Dollar gehandelt. Das waren 24 Cent mehr als zum Handelsschluss am Vorabend in New York. Der Hurrikan "Katrina" hatte den Ölpreis am Dienstag mit 70,90 Dollar auf einen neuen Rekordstand getrieben.

+++ Schwere Plünderungen +++

[07.10] Schwere Plünderungen und Ausschreitungen haben in der Nacht zum Donnerstag die Krise in den vom Hurrikan "Katrina" betroffenen US-Südstaaten weiter verschärft. Die Gouverneurin von Louisiana, Kathleen Blanco, kündigte an, "alles zu tun, um Recht und Ordnung wiederherzustellen". Sie forderte Verstärkung durch die Bundes- und Militärpolizei und Beamte aus den Nachbarstaaten an.

+++ Erste Wasserlieferungen +++

[06.52] Die Hurrikan-Opfer im US-Bundesstaat Mississippi haben gestern die ersten Hilfslieferungen mit Trinkwasser und Eis erhalten. Hilfstrupps waren mit 85 Lastwagen im Einsatz, um an 23 Stellen die dringend benötigten Lieferungen zu verteilen, sagte ein Sprecher des Hilfseinsatzes.

+++ Häftlinge in Louisiana evakuiert +++

[04.39] Streng bewacht sind im US-Bundesstaat Louisiana auch rund 7600 Häftlinge aus ihren von den Fluten eingeschlossenen Gefängnissen evakuiert worden. Die Häftlinge würden "per Boot und per Bus" in andere Haftanstalten verlegt, sagte eine Sprecherin der Gefängnisverwaltung des Südstaates am Golf von Mexiko. Die Gefangenen würden bei der Verlegung strengstens bewacht.

Chronik: Hier lesen Sie die gestrigen Meldungen zu den Ereignissen im Katastrophengebiet

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