Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Klage vor Gericht: Keine Torte für schwules Paar - US-Konditor droht Haft

Weil er sich weigerte, die Hochzeitstorte für ein schwules Paar zu backen, steht der Besitzer einer Konditorei aus Denver vor Gericht. Sollte der Mann verurteilt werden, droht ihm eine einjährige Haftstrafe. Er beruft sich auf religiöse Motive.

Ehepartner Craig und Mullins: "Sein Glauben gibt ihm nicht das Recht, andere Menschen zu diskriminieren" Zur Großansicht
AP

Ehepartner Craig und Mullins: "Sein Glauben gibt ihm nicht das Recht, andere Menschen zu diskriminieren"

Denver - Muss ein Konditor, der die Homo-Ehe aus religiösen Gründen ablehnt, auch für schwule Paare Hochzeitstorten backen? Mit dieser Frage beschäftigt sich zurzeit ein Gericht im US-Bundesstaat Colorado. Dort hatte sich der Besitzer einer Bäckerei geweigert, Kuchen für die Hochzeitsparty zweier Männer zu liefern - und sich dabei auf seine christlichen Überzeugungen berufen.

Gegen Jack Phillips, den Chef des Masterpiece Cakeshop in Denver, hatten David Mullins und Charlie Craig eine Beschwerde wegen Diskriminierung eingereicht. Geklagt hatte schließlich die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union.

Sollte das Gericht gegen den Konditor entscheiden, droht ihm eine Haftstrafe von bis zu einem Jahr - jedenfalls dann, wenn er sich weiter weigert, Torten für Hochzeitsfeiern schwuler Paare zu fertigen. Am Mittwoch gab es eine erste Anhörung vor Gericht.

Christliche Überzeugungen verletzt

Mullins und Craig hatten den Masterpiece Cakeshop im Sommer 2012 aufgesucht und sich in einem Katalog Bilder verschiedener Torten angesehen. Nach Angaben des Paars habe ihnen Phillips nach wenigen Minuten gesagt, er werde sie nicht beliefern: Eine Hochzeitstorte für ein schwules Paar verletze seine christlichen Überzeugungen.

"Sein Glauben gibt ihm nicht das Recht, andere Menschen zu diskriminieren - ganz egal, was dieser über gleichgeschlechtliche Paare oder über die Bedeutung von Hochzeitstorten zu sagen hat", argumentierte Anwältin Amanda Goad laut "Washington Post" vor Gericht.

Phillips' Rechtsanwältin Nicolle Martin entgegnete dem Blatt zufolge, ihr Mandant könne in seinem Handeln als Unternehmer nicht gezwungen werden, seinen Glauben zu ignorieren. Er halte seine Arbeit für eine Berufung, die Gott für ihn ausgesucht habe. "Und als Mann Gottes lebt Jack Phillips nach gewissen biblischen Prinzipien."

Eheschließungen unter gleichgeschlechtlichen Paaren sind in Colorado selbst nicht zugelassen. Mullins und Craig hatten zuvor in Massachussetts geheiratet; die Feier mit Torte sollte dann in Colorado stattfinden.

Einen ähnlichen Fall gibt es zurzeit im Bundesstaat Washington. Dort muss sich ein Florist vor Gericht verantworten, der für die Hochzeit eines gleichgeschlechtlichen Paars keine Blumen liefern wollte.

rls/AP

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: