Für drei Millionen Euro Wasserschloss der Kelly Family zwangsversteigert

Es diente einst als Gästehaus der Bundesregierung, die Queen und US-Präsident Nixon übernachteten dort: Nun hat Schloss Gymnich einen neuen Besitzer. Ein Rentner ersteigerte die Immobilie der Kelly Family für drei Millionen Euro - und hat bereits Pläne für die weitere Nutzung.

Schloss Gymnich bei Bonn (Archivbild): Verkauft für drei Millionen Euro
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Schloss Gymnich bei Bonn (Archivbild): Verkauft für drei Millionen Euro


Brühl - Schloss Gymnich in Nordrhein-Westfalen hat ein 200.000 Quadratmeter großes Grundstück, ist denkmalgeschützt - und nicht länger Sitz der Kelly Family: Das historische Wasserschloss wurde im Amtsgericht Brühl für mehr als drei Millionen Euro zwangsversteigert. Der Privatier Gerd Overlack, ein ehemaliger Kölner Industrieversicherungsmakler, ersteigerte das frühere Gästehaus der Bundesregierung.

Zuvor hatte sich der 67-Jährige in einem Bieterstreit gegen eine Schweizer Aktiengesellschaft durchgesetzt. Er zahlt 3,05 Millionen Euro. Overlack will nun selbst in das Schloss einziehen sowie ein Hotel und ein Restaurant dort unterbringen. "Es muss eine Nutzung sein, die es uns erlaubt, die laufenden Unterhaltskosten zu bezahlen", sagte der Investor aus Bad Münstereifel. Zunächst müsse das Gebäude jedoch restauriert werden.

"Ich bin erleichtert und begeistert", sagte Joey Kelly, der die Zwangsversteigerung forciert hatte und mit einem eigenen Gebot von 1,5 Millionen Euro unterlag. "Es ist ein ganz großer Tag für mich. Die Immobilie war ein Traum von meinem Vater, der nicht aufgegangen ist." Das Schloss war 1998 von der Kelly Family gekauft worden.

Nach dem Tod des Vaters Dan Kelly zogen die verbliebenen zwölf Familienmitglieder nacheinander aus - und konnten sich zuletzt nicht auf einen Verkauf oder eine weitere Nutzung einigen. Ihre Gläubigerbank ließ das Gebäude deshalb zwangsversteigern. Im ersten Anlauf war der Verkauf geplatzt, weil niemand wie verlangt die Hälfte des Verkehrswertes von 5,3 Millionen Euro geboten hatte. Allein Joey Kelly hatte Anfang des Jahres mit 1,7 Millionen Euro ein Angebot abgegeben.

Zwei Jahrzehnte lang Gästehaus der Bundesregierung

Die Geschichte von Schloss Gymnich - etwa 50 Kilometer entfernt von Bonn - reicht zurück bis ins 14. Jahrhundert. Es war der Stammsitz des rheinischen Adelsgeschlechts von Gymnich. Von 1971 bis 1990 diente das Wasserschloss mit dem umgebenden Park als Gästehaus der Bundesregierung.

Dort residierten Kaiser, Könige und Minister, zum Beispiel Queen Elizabeth II., US-Präsident Richard Nixon und der sowjetische Staatschef Leonid Breschnew. Bei einem Geheimtreffen auf Schloss Gymnich im August 1989 erfuhren der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans-Dietrich Genscher, dass die ungarische Regierung die Grenze für DDR-Bürger öffnen werde.

Als die Bundesregierung das Schloss aufgab, wurde es nacheinander an zwei Investoren verkauft, die mit ihren Plänen für exklusive Golfanlagen scheiterten. 1998 ersteigerte die Kelly Family das Schloss und zog dort ein. Seit einigen Jahren steht die Immobilie leer.

wit/dpa/dapd



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