Treffen mit Kennedy-Schwester Jean Mein Bruder JFK

Jean Kennedy-Smith arbeitete als Diplomatin, engagiert sich für eine Wohltätigkeitsorganisation, aber vor allem ist sie eines: die Schwester von John F. Kennedy. SPIEGEL TV traf die 85-Jährige in New York.

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Von Karin Assmann


So viel darf ich verraten: Das Interview fand in ihrer New Yorker Wohnung an der Upper East Side statt. Im holzgetäfelten Foyer nickt uns der Doorman knapp zu und flüstert: "Smith?" Ich nicke und folge ihm zum Aufzug. Der öffnet sich, und wir drücken wie befohlen den goldenen Knopf mit der Ziffer 6.

So beginnt unser Ausflug in die Welt einer Frau, die viel erreicht hat in ihrem Leben. Sie war US-Botschafterin in Irland, ist Gründerin einer bedeutenden Stiftung und erhielt vor zwei Jahren den höchsten Orden, den ein amerikanischer Präsident einem Zivilisten verleihen kann, die Presidential Medal of Freedom.

Doch Ambassador Jean Kennedy-Smith ist vor allem eines: Sie ist die Schwester von John F. Kennedy.

Eigentlich hatte sie nur über ihre Wohltätigkeitsorganisation sprechen wollen, doch kaum sitzt das Mikrofon, schaut sie uns mit großen Augen an und fragt: "Es geht um das 50-jährige Jubiläum, oder?"

Stört sie das? Stört es sie, ein Symbol zu sein für eine Ära, eine Familie, einen Mythos? Ich erwische mich dabei, wie ich Ähnlichkeiten suche in ihrem Aussehen, ihrer Sprache.

Ein typisches Kennedy-Grinsen

Sie ist zierlich, und wenn sie lächelt, dann so breit, wie es nur ein Kennedy-Gesicht schafft, von den Zähnen bis in ihre blauen Augen, die das Gegenüber abtasten, als ob sie dort einen Anker suchen.

"Kennen Sie das Buch?", fragt sie, steht noch einmal auf und kommt zurück mit "Rose Kennedy's Family Album", dem gerade veröffentlichten Fotoband, herausgegeben von ihrer Nichte Caroline Kennedy und der John F. Kennedy Presidential Library. "Das ist das schwerste Buch, das ich jemals in den Händen hatte. Mehr als zwei Exemplare werden sowieso nicht verkauft. Alles nur Fotos, ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jemand diese ganzen Bilder ansehen will." Und dann blättert sie lächelnd durch das sehr private Album ihrer sehr öffentlichen Familiengeschichte und erzählt.

"Unsere Mutter war streng. Wenn wir ungehörig waren, sperrte sie uns in ihren Kleiderschrank. Einmal saß ich schon eine ganze Weile drinnen, ich hatte ihre Schuhe und ihre Kleider längst durchgezählt, als die Tür aufging und Teddy dazu kam. Sie hatte mich einfach vergessen. Also saßen wir zusammen im Dunkeln und unterhielten uns darüber, was für eine gemeine Mutter wir haben."

Ein echter Kennedy-Deal

Das Gewöhnliche in der ungewöhnlichen Familienbiografie zieht sich durch unser Gespräch. Das gemeinsame Footballspiel am Tag nach dem großen politischen Sieg ihres Bruders: Der frisch gewählte Präsident wird zum Mittagessen ins Haus gepfiffen von dem Vater, der nichts mehr hasste als Unpünktlichkeit. "Weiß er eigentlich, dass er mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten spricht?", habe Jack seiner Schwester Jean damals verärgert zugeraunt.

Ihr Leben in der mächtigsten politischen Familie Amerikas muss eine Gratwanderung gewesen sein. Das ahnt man, wenn man ihr folgt, vom Kaminsims zum Tisch und weiter, jede Fläche ein Ausstellungsort für Fotos und Erinnerungen, für 85 Jahre Erinnerungen. "Hier", sagt sie und zeigt auf ein signiertes Portrait ihres Bruders Jack. "Für Jean, leugne nicht, dass Du mitgemacht hast." Es sei ein Dankeschön gewesen für ihre harte Arbeit im Wahlkampf. "Ich dachte, das wäre nur für mich, aber dann stellte sich heraus, dass er meinen Schwestern Pat und Eunice genau dasselbe geschenkt hat."

Bis zum Schluss beharrt sie darauf, dass weder sie noch ihre Familie etwas Besonderes seien. Deshalb würde sich der Fotoband nicht gut verkaufen. "Wollen wir wetten?", fragt sie. Wir einigen uns: Ich wette, dass mindestens 10.000 Exemplare verkauft werden. "Die nehme ich an", lacht sie, und wir besiegeln das Geschäft mit einem Handschlag. Der Einsatz: Wenn ich recht behalte, darf ich sie in Berlin zu einem Mittagessen einladen. Ein echter Kennedy-Deal.

TV-Tipp für Samstagabend: 50 Jahre Kennedy-Attentat - Geheimnisse einer amerikanischen Dynastie; 16. November 2013, 20.15 - 0.20 Uhr; VOX

insgesamt 2 Beiträge
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schnelldenker 15.11.2013
1. geschichte
Eigentlich ist alles schon Geschichte. belasst es doch dabei,
osmanian 16.11.2013
2.
Kennedy hätte vorhersehen müssen das der Zeitgeist nicht für Gerechtigkeit und Gutwilligkeit weht, sondern für Gotteslosigkeit und Ungerechtigkeit..Er hat den Gegenwind des negativen Zeitgeistes in Kauf genommen. Da war der letzte Sultan des Osmanischen Reiches weiser und hat ohne Gewalt auszulösen wie Assad, sein Amt aufgegeben weil er den Zeitgeist des Bösen und Ungerechten erkannt hat.
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