Tod von "Kneipenterrorist" Bernd Knauer "Jeder wollte was von mir"

1991 zeigte eine Doku das brutale Leben von Kieler Straßengangs. Der Film wurde Kult und "Kneipenterrorist" Bernd Knauer berühmt - nun ist er gestorben. Vor seinem Tod traf ihn SPIEGEL TV zu einem letzten Interview.

Bernd Knauer von den Kieler "Kneipenterroristen"
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Bernd Knauer von den Kieler "Kneipenterroristen"

Von Steffen Vogel und


Schon die Anmoderation der Sendung ist komisch und brutal zugleich. In Kiel werde "schon seit Langem geknüppelt, was der Baseballschläger hergibt und was der gegnerische Schädel einstecken kann", sagt SPIEGEL-TV-Sprecherin Maria Gresz. Dann dauert es nicht lange, und man lernt Bernd Knauer kennen.

Mit Schnauzer und Vokuhila sitzt er betrunken in seinem Wohnzimmer. Um ihn herum: viel Bier und seine Jungs, alles Mitglieder der "Kneipenterroristen", einer Kieler Gang. Als Haustier hält er sich eine Vogelspinne, Herr Fugbaum. Knauer sagt: "Wir sind wie die Vogelspinne: Wenn wir viel zu fressen kriegen, werden wir langsam. Aber jetzt sind wir alle heiß. Jetzt sind wir alle da. Jetzt sind wir schnell. Und heiß. Ja, so is das."

"Kneipenterroristen" - so heißt eine von vielen Straßengangs, die Karl Siebig in seinem Film "Youth Wars - Beobachtungen in der deutschen Provinz" von 1991 porträtiert. Die Dokumentation zeigt ihren Alltag aus großer Nähe: Sie trinken, leben von Sozialleistungen, verabreden sich zu blutigen Prügeleien. Man sieht Jugendliche, die in einem Waffenladen einen größeren Revolver kaufen wollen, aber das Geld dafür nicht haben, und Nazis, die "Sieg Heil" rufen.

Dass man dazwischen auch schmunzeln muss, liegt vor allem an Bernd Knauer. Seine Sprüche wurden legendär. Durch die Dokumentation, millionenfach angesehen im Netz, wurde er berühmt. Nun ist er gestorben, im Alter von 52 Jahren in Kiel.

SPIEGEL TV ist es gelungen, den ehemaligen "Kneipenterroristen" ein letztes Mal zu interviewen. 26 Jahre war er nicht auffindbar: "Jeder wollte was von mir. Entweder wollten sie mich umhauen, weil sie besser sind wie ich, oder sie wollten ein Autogramm. Deswegen bin ich in den Untergrund gegangen. Ganz friedlich und locker." (Die ganze Geschichte sehen Sie am Sonntag um 23.30 Uhr bei SPIEGEL TV auf RTL.)

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Im Film von 1991 sagt Knauer zu Kippe und Dosenbier Sätze wie diese: "Also auf Frauen - geben wir nicht so viel. Wir geben lieber auf die Freundschaft mehr. [...] 'ne Frau kann sich nicht mit hauen", sagt er. Zu den "Kneipenterroristen" kam Knauer durch die Trennung von seiner damaligen Freundin: "Sie hat mich betrogen, Hasskappe auf und das passte. Ich konnte mich dann auch austoben!"

Der Film sorgte damals für Aufsehen in der Hauptstadt Schleswig-Holsteins, laut "Kieler Nachrichten" wurde daraufhin die Kriminalprävention umgekrempelt. In Kiel kann man Jutebeutel mit dem Antlitz von Bernd Knauer kaufen;bei einer Online-Abstimmung entschieden Nutzer, dass er die "Kieler Woche" eröffnen sollte, ein weltbekanntes Segel-Event.

Dass der Film Jahrzehnte nach der Ausstrahlung Kultstatus erreicht, hätte Siebig nicht gedacht: "Anfang 2000 sagte mir eine Assistentin, dass man Partys mit dem Film feiere und alle Leute die Texte auswendig können und Freude daran haben. So war der Film ja eigentlich gar nicht gedacht."

An seinem Lebensende hatte Knauer nur noch zu wenigen Kneipenterroristen Kontakt, erzählte er SPIEGEL TV. "Wir waren eine Familie", sagt Knauer über die damalige Zeit. Laut einer Nachbarin wurde er Anfang November mit Wassereinlagerungen im Körper in ein Krankenhaus eingeliefert. Zwei Wochen später starb er.

Sehen Sie hier die Reportage "Youth Wars" von 1991 in voller Länge:

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