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Elterncouch

Elterncouch Immer wieder Nimmersatt

Mehr! Manche Kinder verschlingen Geschichten wie Wale Plankton Zur Großansicht
Michael Meißner

Mehr! Manche Kinder verschlingen Geschichten wie Wale Plankton

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Kinder sind manchmal wahnsinnig süß - und manchmal machen sie uns wahnsinnig. Für SPIEGEL ONLINE legen sich eine Mutter und zwei Väter regelmäßig auf die Elterncouch.

Jonas Ratz schreibt auf der Elterncouch im Wechsel mit Theodor Ziemßen und Juno Vai.
Nur noch eins, Papa! Kinder lieben Bilderbücher. Eltern lieben es, wenn die Kleinen endlich schlafen. Dafür ertragen Sie die stumpfesten Lektüren - immer und immer wieder.

Lesen Sie Ihren Kindern auch ständig "Die Raupe Nimmersatt" vor? Oder sind Sie schon beim Drachen Kokosnuss, Prinzessin Lillifee oder gar bei "Die Tribute von Panem"? Welche Bücher Kinder mögen, kann ganze Lebensphasen bestimmen - auch die der Erwachsenen. Oft sind dürftig getextete Bilderbücher über Kita, Baustellenfahrzeuge und Tierwelt das einzig Literarische, was gestresste Eltern in den ersten Lebensjahren ihrer Kinder zu lesen bekommen.

Immerhin: Der Literaturkonsum meiner Söhne (Frederik, fast vier, und Oliver, anderthalb) ähnelt dem Hans Magnus Enzensbergers. Der sagte einmal in einem SPIEGEL-Interview, er lese Bücher nach dem Walfisch-Prinzip: Wie der Riesensäuger mit offenem Maul durchs Meer schwimmt und den Ozean nach Plankton durchsiebt, liest Enzensberger viel, sehr viel - in der Hoffnung auf Nahrung für den Geist.

Ob das auch das primäre Interesse von Frederik und Oliver ist, bezweifle ich. Aber die schiere Menge vorgelesener Bücher an einem verregneten Sonntagvormittag ist beeindruckend. Würde man einen Turm daraus bauen, man käme vielleicht nicht bis zum Mond, aber bis zur Zimmerdecke bestimmt. Leider ist der Anspruch der beiden nicht gerade hoch: Oft schlägt das Pixibuch den aufwändig illustrierten Märchenband. Und wer einmal die Reflexionstiefe von "Bobo Siebenschläfer"-Geschichten ergründen durfte, fühlt sich beim "Grüffelo" geradezu intellektuell herausgefordert.

Backe, backe, Bären

Olivers Lieblingsbuch ist momentan das über die "Fünf fröhlichen Bären". Die leben als Bären-WG in einem alten Haus und backen für ihre Freunde einen Kuchen. Diese überschaubare Rahmenhandlung ist in dem Buch auf zehn Seiten gestreckt, alles gereimt, am Ende kommt es zur großen Kuchenorgie. Oliver liebt es und ich kann es inzwischen auswendig.

Ob das bei der nächsten Stehparty als Kitchen-Talk taugt, bezweifle ich. Aber wenigstens ist bei Oliver noch nicht die Phase der blinden Feuerwehr-Begeisterung angebrochen. Wir besitzen etwa ein Dutzend Bücher, die sich in leichter Variation mit den Herausforderungen des modernen Brandbekämpfungswesens beschäftigen. "Bei der Feuerwehr", "Alarm bei der Feuerwehr" oder schlicht "Feuerwehr" heißen sie und der Plot ist schnell erzählt. Es brennt, Alarm, ssssst (das Geräusch, das Feuerwehrleute machen, wenn sie die Stange runterrutschen), Tatütata, wahlweise: "Wassermarsch!" oder "Katze gerettet!"

Geht immer.

Frederik konnte davon zwischenzeitlich nicht genug bekommen, buchstäblich. Inzwischen ist er immerhin bei Elliots und Isabellas Rattenbande oder "Pettersson und Findus" angelangt. Selbst lesen ist allerdings keine Option. Und so gleichen die abendlichen Verhandlungen darüber, wie viele Geschichten ich ihm vorlesen soll, in punkto Härte und Unerbittlichkeit Haushaltsdebatten im Bundestag: emotional aufgeladen und immer ungerecht. Und genau wie in der Politik finden wir am Ende einen Kompromiss: Ich lese zu viele - wie ich finde - und gleichzeitig zu wenige - wie Frederik findet. Sind Walfische eigentlich jemals satt?

Und Sie, liebe Leser? Kennen Sie ein gutes Feuerwehrbuch? Oder haben Sie ein Beispiel kindgerechter Hochliteratur? Schreiben Sie mir!

Zum Autor
  • Illustration: Michael Meißner
    Jonas Ratz,
    Vater von Frederik (4) und Oliver (1 1/2)

    Liebstes Kinderbuch: "Wo die wilden Kerle wohnen" von Maurice Sendak (Oft habe ich das Gefühl: bei uns zu Hause...).

    Nervigstes Kinderspielzeug: mein Smartphone

    Erziehungsstil: Erziehung ist das, was passiert, während man daran scheitert, ein Vorbild zu sein.

    Sammelt: Kinderworte. Hafersocken statt Haferflocken, Sambalamba statt Salamander. Kennen Sie auch solche kreativen Abwandlungen? Schreiben Sie an kinderworte@spiegel.de.

    Jonas Ratz eine E-Mail schreiben.

27 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
bronstin 18.02.2016
mikrophon 18.02.2016
magicveloce 18.02.2016
andreasclevert 18.02.2016
nine1011 18.02.2016
Newspeak 18.02.2016
RRadar 18.02.2016
maddinwilli 18.02.2016
immerlocker 18.02.2016
Supra Renin 18.02.2016
Engywuck 18.02.2016
sissy69 18.02.2016
schneemann3 18.02.2016
newline 18.02.2016
Klaus Beimer 18.02.2016
Engywuck 18.02.2016
wetzer123 18.02.2016
spmc-12355639674612 18.02.2016
solitube 18.02.2016
ktschen 18.02.2016
palef 19.02.2016
anna cotty 19.02.2016
Sugafoot 19.02.2016
pille! 19.02.2016
mariakar 19.02.2016
sumse123 19.02.2016
platzanweiser 20.02.2016

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