Kindermord in Bayern Der Täter kam als Gevatter Tod

Ein mit einem Totenkopf-Kostüm verkleideter Mann hat in der vergangenen Woche die zwölfjährige Vanessa erstochen. Nach Angaben der Polizei legte der 19-Jährige ein Geständnis ab. Eine andere Frau war in der Mordnacht möglicherweise nur knapp dem Tode entgangen. Sie war von dem Vermummten verfolgt worden.


Mit dem zufällig aufgenommenen Bild hatte die Polizei nach dem "Maskenmann" gesucht
DDP

Mit dem zufällig aufgenommenen Bild hatte die Polizei nach dem "Maskenmann" gesucht

Hamburg/Augsburg - Am Nachmittag gab die Polizei auf einer überraschend einberufenen Pressekonferenz bekannt, dass die zwölfjährige Vanessa aus Gersthofen von einem 19-Jährigen erstochen worden sei. Der Mann habe bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt. Bei der Vernehmung habe sich der Teenager immer weiter in Widersprüche verwickelt. Schließlich habe er dann die Tat gestanden. Der Mann habe gegenüber den Ermittlern wesentliche Details genannt, die nur der Täter wissen konnte.

Haftbefehl wegen Mordes sei bereits beantragt worden. Die Beamten erklärten, bei dem Mann sei nicht auszuschließen, dass er erneut eine ähnliche Tat hätte ausführen können. Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz sagte, von dem jungen Mann gehe ein außergewöhnlich hohes Gefährdungspotenzial aus. Zu möglichen Motiven und zur psychischen Befindlichkeit des Täters wollten sich die Beamten nicht äußern. Der 19-Jährige kannte das Mädchen vermutlich nicht, obwohl er wie Vanessa aus Gersthofen stammt. Das Faschingskostüm wurde in seiner Wohnung gefunden.

Der Mann in dem Gruselkostüm hatte in der Mordnacht bereits eine junge Frau verfolgt, die von einer Faschingsparty in einer Gersthofener Kneipe nach Hause ging. Sie konnte ihm offenbar in letzter Minute entkommen. Nachdem sie ihn angeschrieen hatte, floh sie in ihren Hauseingang und konnte in letzter Minute die Türe schließen.

Die Polizei hatte seit Donnerstag nach dem Verkleideten gefahndet, von dem in der Nacht zufällig eine Bild in einer Gaststätte des Ortes aufgenommen worden war. Auf die Spur kamen die Ermittler dem Mann, nachdem Zeugen erklärt hatten, sie hätten den auffällig kostümierten Mann mit der Totenmaske und dem langen schwarzen Umhang in der Mordnacht in der Nähe des Tatorts gesehen.

Das Kind war in der Nacht zum Faschingsdienstag in seinem Kinderzimmer mit mehreren Messerstichen in die Brust getötet worden. Die Eltern, die auf einem Rosenmontagsball gewesen waren, fanden ihre Tochter in einer Blutlache neben dem Bett liegend. Der alarmierte Notarzt konnte nur noch den Tod des Kindes feststellen.

Mit einem Küchenmesser war die zwölfjährige Vanessa in ihrem Elternhaus ermordet worden
DPA

Mit einem Küchenmesser war die zwölfjährige Vanessa in ihrem Elternhaus ermordet worden

Einen Tag nach dem Mord war in der Nähe des Elternhauses ein blutverschmiertes Küchenmesser gefunden worden. Das Messer mit einer 16 Zentimeter langen Klinge ist nach Auskunft der Polizei mit Sicherheit die Tatwaffe.

Der zehnjährige Bruder hatte während der Tat in einem Nebenzimmer geschlafen. 15 Personen aus dem direkten Umfeld des Kindes hatten freiwillig Speichelproben abgegeben, um so eine Täterschaft ausschließen zu können.

Lange war nicht klar, wie der Täter überhaupt in das Haus kommen konnte. Einbruchspuren hatten die Ermittler nicht feststellen können. Die Behörden waren daher davon ausgegangen, dass Vanessa ihrem Mörder selbst die Tür geöffnet hatte.



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