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Kinderpornos: Strafantrag gegen Priesteranwärter gestellt

Die österreichische Staatsanwaltschaft hat Strafantrag gegen einen 27-jährigen angehenden Priester gestellt. Auf der Festplatte seines Rechners im katholischen Seminar in St. Pölten fanden die Ermittler zahlreiche Kinderpornos. Dem Mann drohen nun zwei Jahre Haft.

Durchsuchung der Seminarcomputer in St. Pölten: Gelöschte Daten rekonstruiert
AP

Durchsuchung der Seminarcomputer in St. Pölten: Gelöschte Daten rekonstruiert

Wien - Der Seminarist hat die Bilder nach Angaben der Staatsanwaltschaft wahrscheinlich von polnischen Internetseiten heruntergeladen oder von anderen Datenträgern kopiert. Die Aufnahmen wurden kurz vor Sicherstellung der Festplatte Ende Juni gelöscht, sagte Staatsanwalt Walter Nemec. Spezialisten konnten die Daten jedoch rekonstruieren.

Der Mann wird aus dem Priesterseminar ausgeschlossen, teilte der Sprecher von Diözesanbischof Kurt Krenn, Michael Dinhobl, heute mit. Intern müsse man außerdem klären, "wie weit auch andere Seminaristen involviert waren". Das soll eine Untersuchungskommission übernehmen, die Krenn eingesetzt hat. Eine Reaktion des Vatikans gibt es laut Dinhobl noch nicht: "Aus Rom ist dem Bischof bisher nichts mitgeteilt worden."

Die Polizei ermittelt schon seit längerem im Priesterseminar St. Pölten. Fahnder beschlagnahmten dort bereits im Dezember einen Rechner. Den Ermittlungen zufolge wurden von dem Computer aus "Internetseiten mit eindeutig kinderpornografischem Material" besucht. Das sichergestellte Material enthalte auch Gewaltpornografie. Allerdings war der PC allen Seminaristen zugänglich, erklärte Nemec. Es wurden keine Benutzerkennungen vergeben, und deswegen sei es kaum möglich, die Täter auszumachen. Verdächtigt wurden ursprünglich acht Studenten. Das Strafverfahren werde "mangels Aussicht auf weitere Beweise vorläufig abgebrochen", hieß es.

Bischof Kurt Krenn: Bislang keine Reaktion aus Rom
DPA/ ORF

Bischof Kurt Krenn: Bislang keine Reaktion aus Rom

Die Staatsanwaltschaft ermittelt indes nicht wegen homosexueller Beziehungen zwischen den Seminaristen. Diese sind - sofern kein Zwang oder Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses vorliegt - nicht strafbar. In dem Priesterseminar hatte die Polizei rund 40.000 pornografische Bilder und zahlreiche Filme beschlagnahmt. Die Aufnahmen zeigen auch sexuelle Handlungen zwischen Seminaristen und ihren Vorgesetzten.

Die Behörden gehen aber zwei anonymen Anzeigen nach, wonach zwei ehemalige Ministranten von einem Priester verführt worden seien. Nemec sagte, die Angaben hierzu seien "relativ vage" und beschrieben bereits länger zurückliegende Sachverhalte. Die Ermittlungen hätten erst begonnen, nähere Auskünfte seien daher nicht möglich.

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