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Kindesschicksal in Heidenheim Tragische Totenwache eines Fünfjährigen

3. Teil: Wie krank ist Luis' Mutter tatsächlich?

Auch zeigt sie sich einverstanden, ihren Sohn wegen einer medizinischen und psychiatrischen Untersuchung im Universitätsklinikum im 40 Kilometer entfernten Ulm anzumelden. Acht Wochen wird Luis dort stationär aufgenommen. Seine Mutter besucht ihn regelmäßig.

Mitarbeitern des Jugendamtes und der Familienhilfe gewährt sie jedoch weiterhin keinen Zutritt in ihre Wohnung in Giengen. Am 13. Januar 2010 verlässt Luis die Klinik, die SPFH drängt auf Hausbesuche. Die alleinerziehende Mutter stellt auf stur.

Die SPFH wendet sich ans Jugendamt und rät dazu, das Familiengericht einzuschalten und sich notfalls mit Gewalt Zutritt in Luis' Zuhause zu verschaffen. Per Brief vom 28. Januar 2010 erfährt die 40-Jährige, man werde am 2. Februar anrücken. Sie antwortet am Tag darauf per SMS: Sie halte sich mit ihrem Sohn bei ihrem Lebensgefährten auf und sei daher in Giengen nicht anzutreffen. Einem Treffen am 2. Februar stehe ansonsten nichts im Wege.

Mutter und Sohn erscheinen daher am 2. Februar im Jugendamt Heidenheim. Luis ist fröhlich, er wirkt gepflegt. Seine Mutter dagegen macht "körperlich einen schlechten Eindruck", doch aufgrund ihrer chronischen Erkrankung ist das kein seltener Vermerk in der Akte.

Warum hat keiner der Sozialpädagogen registriert, wie schwer krank die Alleinerziehende tatsächlich war?

"Wir haben alles unternommen, was möglich war"

Am 31. Januar meldet die 40-Jährige ihren Sohn im Kindergarten ab. Durch Behördenumwege erfährt das Jugendamt erst Tage später davon. Zuvor, am 9. Februar, wird bekannt, dass Luis' Mutter erneut einen Hausbesuch platzen ließ. Per SMS habe sie einer Mitarbeiterin mitgeteilt, sie sei in der Klinik, werde gleich operiert. Ihr Sohn sei "gut aufgehoben", nach der Narkose werde sie sich melden.

Sie tut es nicht. Am 16. Februar entschließen sich die SPFH und das Jugendamt, das Familiengericht einzuschalten, um eine Wohnungsöffnung zu erlangen. Einen Tag später stirbt Luis' Mutter in seinem Beisein. Am 20. Februar informiert die Polizei den Notdienst des Jugendamtes.

Erst jetzt erfährt die Behörde, dass die Alleinerziehende mit ihrem Sohn seit längerem wieder in der Erbisbergstraße in Heidenheim, der Ferienwohnung ihrer Eltern, untergekommen sein muss. Ein Nachbar sagte der "Heidenheimer Zeitung", er habe die Frau seit Januar häufiger in der Nähe der Wohnung gesehen und auch mit ihr gesprochen.

Seit ihrem Tod ist das Jugendamt Vormund für Luis. Wenn er nicht bei seinen Großeltern unterzubringen ist, wird er als Pflegekind in eine Familie kommen.

Warum der Fünfjährige nicht die völlig verwahrloste Wohnung verließ oder auf sich aufmerksam machte, werden Kinderpsychiater klären. Laut Sozialdezernent Dauser könne es sein, dass er von seiner Mutter eingeschärft bekommen habe, niemandem die Tür zu öffnen, um nicht aufzufallen.

Dauser spricht von "tragischen Umständen". Alles sei dafür vorbereitet gewesen, dass sich die Frau gemeinsam mit ihrem Sohn in psychiatrische Untersuchung begebe. "Wir haben alles unternommen, was möglich war."

Ein Nachbar der kleinen Familie sieht das anders. Er wirft nach Angaben der Polizei dem Jugendamt vor, der Frau zu wenig Unterstützung geboten zu haben - und hat die Behörde angezeigt.

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insgesamt 57 Beiträge
zalog 02.03.2010
Da ist der Spiegel ja immer ganz deutsch: Einer muss SCHULD sein. Es hat sich eine Tragödie ereignet, aber schon in der Überschrift wird den Behörden ein ungeheuerlicher Vorwurf gemacht. Im dreiseitigen Text findet man dafür [...]
Zitat von sysopHätte das Drama durch mehr Wachsamkeit der Behörden verhindert werden können? http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,681092,00.html
Da ist der Spiegel ja immer ganz deutsch: Einer muss SCHULD sein. Es hat sich eine Tragödie ereignet, aber schon in der Überschrift wird den Behörden ein ungeheuerlicher Vorwurf gemacht. Im dreiseitigen Text findet man dafür allerdings keine Grundlage. Bis auf den Nachbarn, der offensichtlich erst jetzt aufgewacht ist. Billigster Boulevardjournalismus!
Osis 02.03.2010
Die Nahcbarn haben wenigstens auf die Geräusche reagiert. Anscheinend war der Geruch noch nicht so schlimm. 48 Stunden ind eine kleine Ewigkeit, aber angesichts der "Ausstattung" der öffentlichen Hand auch keine [...]
Die Nahcbarn haben wenigstens auf die Geräusche reagiert. Anscheinend war der Geruch noch nicht so schlimm. 48 Stunden ind eine kleine Ewigkeit, aber angesichts der "Ausstattung" der öffentlichen Hand auch keine Ewigkeit. Die Frage ist halt, warum hat keiner gemerkt, wie schwer die Mutter krank war. Das ist wohl der einzige Fehler. Aber ich denke man kann dem Jugendamt wegen der 48 Stunden keinen Vorwurf machen.
Vex 02.03.2010
Wir müssen endlich von diesem übertriebenen Familien bzw. Eltern Selbstbstimmungsrecht abkommen. Familien in denen es gut läuft macht ein bisschen weniger Selbstbestimmung nichts aus und allen anderen könnte man viel besser [...]
Zitat von sysopEr sah seine Mutter sterben, blieb bei der Leiche, stundenlang, tagelang, am Ende hörte ein Nachbar sein Schluchzen: Das tragische Schicksal eines Fünfjährigen erschüttert das baden-württembergische Heidenheim. Hätte das Drama durch mehr Wachsamkeit der Behörden verhindert werden können? http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,681092,00.html
Wir müssen endlich von diesem übertriebenen Familien bzw. Eltern Selbstbstimmungsrecht abkommen. Familien in denen es gut läuft macht ein bisschen weniger Selbstbestimmung nichts aus und allen anderen könnte man viel besser helfen. Grundsätzlich Kontrollen bei Verdacht schaden niemandem und auch Sachleistungen für Kinder statt Geld für die Eltern wären deutlich sinnvoller. Was ich gar nicht gut finde ist das anscheinend in diesem Fall ein privates Unternehmen statt dem Sozialamt die Verantwortung trug. In diesem Bereich darf man niemanden Gewinnorientiert arbeiten lassen. Hier müsssen Leute ran die gut ausgebildet sind und sich dazu berufen fühlen ohne Rücksicht auf Kosten etc zu nehmen.
duanehanson 02.03.2010
---Zitat--- Ein Nachbar der kleinen Familie sieht das anders. Er wirft nach Angaben der Polizei dem Jugendamt vor, der Frau zu wenig Unterstützung geboten zu haben - und hat die Behörde angezeigt. ---Zitatende--- Soche Typen [...]
---Zitat--- Ein Nachbar der kleinen Familie sieht das anders. Er wirft nach Angaben der Polizei dem Jugendamt vor, der Frau zu wenig Unterstützung geboten zu haben - und hat die Behörde angezeigt. ---Zitatende--- Soche Typen habe ich echt gefressen. Oberschlaumeier vom Dienst mal wieder. Wenn er doch gar so aufmerksam war, hätte er ja auch dem Jugendamt Bescheid sagen können.
john mcclane 02.03.2010
Na der Nachbar ist ja ein Held, selber nix tun und dann, wenn alles zu spät ist, den Bagger aufreißen und mit dem Finger auf andere zeigen. Wenn der andere mit allen Mitteln versucht, die Leute vom Anmt auszutricksen und sich [...]
Na der Nachbar ist ja ein Held, selber nix tun und dann, wenn alles zu spät ist, den Bagger aufreißen und mit dem Finger auf andere zeigen. Wenn der andere mit allen Mitteln versucht, die Leute vom Anmt auszutricksen und sich dabei auch noch höchst geschickt anstellt, kann so was halt passieren. Am fehlenden Engagement des Jugendamtes oder vertrödelten Akten hat es jedenfalls nicht gelegen. Tragische Sache, aber manchmal mit der größten Fürsorge nicht zu vermeiden...
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