Synode der Kirche von England Neuer Anlauf für Frauen im Bischofsamt

Was in der katholischen Kirche undenkbar ist, nimmt bei der Kirche von England Gestalt an: Bei ihrer Synode in London stimmte eine Mehrheit dafür, das Bischofsamt für Frauen zu öffnen. Doch manch einer warnt vor zu viel Euphorie.

Synode in London: "Der Zug fährt voran"
Getty Images

Synode in London: "Der Zug fährt voran"


London - Die Kirche von England hat Frauen einen Schritt näher ans Bischofsamt gebracht: Auf der Synode stimmten in erster Lesung 378 Mitglieder für eine Beschlussvorlage, wonach ein entsprechender Entwurf vorangetrieben werden soll. Es gab nur acht Gegenstimmen. Die endgültige Entscheidung über weibliche Bischöfe kann nun im kommenden Jahr getroffen werden. Die Weihe der ersten Frau wäre dann 2015 möglich.

In dem Entwurf für das Kirchengesetz ist die Einrichtung von Ombudsstellen vorgesehen, wenn Gemeinden keine Bischöfin akzeptieren wollen. Wenn traditionell orientierte Geistliche dabei nicht mit den Vermittlern zusammenarbeiten, können Disziplinarstrafen verhängt werden. Derzeit dürfen Frauen bereits Priesterinnen sein - von rund 12.000 Pastoren sind etwa 4000 weiblich.

Der Bischof von York, John Sentamu, warnte die Befürworter vor zu großer Euphorie. "Wir sollten noch nicht die Champagnerflaschen öffnen", sagte er. Die Kirche von England hatte einen ähnlichen Beschluss bereits 2008 gefasst, war dann aber in den Arbeitsprozessen nicht vorangekommen.

"Der Zug ist auf der Schiene"

2012 hatte bei der Generalsynode ein abstimmungsreifer Entwurf auf dem Tisch gelegen. Er war knapp an den Laien in der Synode gescheitert. Aus Sicht der Gegner enthielt die geplante Regelung zu viele Einschränkungen. Damals wurde die Situation mit einem Zusammenstoß zweier Züge verglichen.

Der Bischof von Rochester, James Langstaff, sagte nun: "Der Zug ist auf der Schiene, er fährt voran und wir müssen nun einige Stationen durchfahren. Aber wir beginnen zu sehen, wohin diese ungewöhnliche Reise geht."

Die Kirche von England ist teil der Anglikanischen Gemeinschaft und zugleich deren Mutterkirche. In der Gemeinschaft herrscht keine Einigkeit über die Frage, ob Frauen das Bischofsamt bekleiden dürfen. In den USA, Australien, Kanada und Neuseeland gibt es Bischöfinnen, in Irland war im September erstmals eine Frau zur Bischöfin ernannt worden. Anglikanische Kirchen in Entwicklungsländern lassen Frauen dagegen nicht einmal zum Priesteramt zu.

John Welby, Erzbischof von Canterbury und oberster Geistlicher der Kirche von England, unterstützt Frauen, die Bischöfinnen werden wollen. Premierminister David Cameron hatte sich ebenfalls dafür ausgesprochen.

bim/dpa/AP/Reuters

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.