Kirchen Vatikan schafft Vorhölle ab

Wenn ungetaufte Kinder sterben, landen sie zwischen Himmel und Hölle - und bleiben dort bis in alle Ewigkeit. Diese Vorstellung gehörte traditionell zum katholischen Glauben. Jetzt hat der Vatikan den sogenannten Limbus abgeschafft - es sei eine "unzulässig eingeschränkte Sicht der Erlösung".


Vatikanstadt - Der Vatikan hat sich nach langer Überlegung dazu durchgerungen, die Vorstellung der Vorhölle, also des Limbus, abzuschaffen. Die Theologen im Vatikan seien zu der Auffassung gelangt, dass kleine Kinder, die nicht getauft sind und sterben, direkt ins Paradies kämen, sagte der Erzbischof von Dijon, Roland Minnerath, heute. Der theologische Ausschuss habe sein Schriftstück schon vor Wochen fertig gestellt, es sei aber noch nicht offiziell veröffentlicht worden. Das Sekretariat teilte mit, Papst Benedikt XVI. stimme den Erläuterungen zug.

In vorab veröffentlichten Auszügen hieß es, die Vorstellung des Limbus sei "zu streng". Der traditionelle Glaube an die Vorhölle - nie Teil der offiziellen Kirchenlehre - stelle eine "unzulässig eingeschränkte Sicht der Erlösung" dar, befindet das beratende Gremium in dem 41 Seiten langen Bericht. Die Theologen seien zu der Schlussfolgerung gelangt, "dass es theologische Grundlagen und ernst zu nehmende Liturgien gibt, die hoffen lassen, dass ungetaufte Säuglinge erlöst werden, wenn sie sterben". Die Theologen hatten sich seit November 2005 mit dieser Frage befasst.

Das Ergebnis war erwartet worden. Kardinal Joseph Ratzinger hatte bereits vor seiner Wahl zum Papst die Vorhölle als "nur eine theologische Hypothese" bezeichnet und empfohlen, den Glauben daran abzulehnen.

In der mittelalterlichen Vorstellung war der Limbus ein Ort, an dem ungetaufte Säuglinge nach dem Tod sowie gute Menschen kämen, die vor Christi Geburt lebten. Der 1992 veröffentlichte Katechismus erwähnt den Begriff dagegen nicht.

In dem neuen Bericht heißt es, dass der Ausschluss von unschuldigen Babys aus dem Himmel nicht mit der besonderen Liebe Christi für Kinder vereinbar sei. Gott sei gnädig und wolle, dass alle Menschen erlöst werden, hieß es.

hen/Reuters/AFP



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