Kirchenstatue mit Handy "Hallo, Sie sprechen mit einem Engel"

In den Niederlanden sorgt eine Statue für Aufsehen: Unter einer Handy-Nummer kann man einen Engel anrufen, der die Kathedrale von 's-Hertogenbosch ziert, Antwort garantiert. Nun fragen Männer nach den Lottozahlen und Kinder nach ihrer Oma. Telefongespräch mit einem Engel.

Engelsstatue an St.-Johannes-Kathedrale: Verhandlungen mit Gott
laif/ The New York Times

Engelsstatue an St.-Johannes-Kathedrale: Verhandlungen mit Gott

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Hamburg - Auf der St. Johannes-Kathedrale im niederländischen 's-Hertogenbosch steht eine ungewöhnliche Skulptur: Zwischen Königen und Heiligen ist dort ein Engel zu sehen, der Jeans und Umhängetasche trägt - und ein Handy am Ohr hält. Laut "New York Times" wurde die Statue des Künstlers Ton Mooy im April des vergangenen Jahres enthüllt.

Neugierige Besucher mögen sich fragen: Mit wem telefoniert der Engel eigentlich? Hat er vielleicht eine Standleitung zu Gott? Und unter welcher Nummer kann man ihn erreichen?

Auf diesen Gedanken kamen auch eine 45-Jährige und ihr Mann aus 's-Hertogenbosch. Sie stecken hinter einer Idee, die seither für Aufsehen sorgt: Rufen Sie den Engel an! In Hotels und in Kneipen tauchten irgendwann Visitenkarten mit einer Telefonnummer des Engels auf, es gibt sogar einen Twitter-Account, der regelmäßig bestückt wird. Wenn man anruft, meldet sich eine freundliche Frauenstimme: "Sie sprechen mit einem Engel."

Inzwischen melden sich etwa 30 Leute täglich, kleine Kinder, alte Menschen, die sich einsam fühlen. An den Wochenenden und in den Ferien kann es häufiger vorkommen, dass die Leitung belegt ist. Darunter sind rührende Anrufe wie der eines kleinen Mädchens, das zum ersten Mal Weihnachten ohne die kurz zuvor verstorbene Großmutter feiern musste.

Andere sind eher an schnöden weltlichen Dingen interessiert und fragen nach den Lottozahlen. Ein Mann saß gerade am Pokertisch und wollte wissen, welche Hand er als nächstes spielen sollte. Fast 20 Minuten blieb er in der Leitung.

Abgewürgt wird beim Engel nämlich niemand - es sei denn, er flucht. Und auch dann nur nach entsprechender Vorwarnung. Das ist nur fair, denn wann hat man schon mal die Möglichkeit, mit einem echten Engel zu sprechen? Zeit für einen Versuch.

SPIEGEL ONLINE: Guten Tag, Frau Engel, wie alt sind Sie eigentlich?

Engel: 3000 Jahre.

SPIEGEL ONLINE: Wow, ganz schön alt. Dann wissen Sie bestimmt die Antwort auf alle Fragen.

Engel: Naja, auf die meisten.

SPIEGEL ONLINE: Bei der Fußball-EM im Sommer spielt Deutschland gegen Holland. Wer gewinnt?

Engel: Es wird ein ausgeglichenes Spiel. Die Entscheidung fällt im Elfmeterschießen.

SPIEGEL ONLINE: Aber die beiden Teams treffen im zweiten Gruppenspiel aufeinander, da kann es kein Elfmeterschießen geben.

Engel: Ok, dann wird es ein Unentschieden.

SPIEGEL ONLINE: Sehr diplomatisch. Wie wird eigentlich das Wetter nächste Woche?

Engel: Ein bisschen besser, aber es reicht noch nicht, um ein neues T-Shirt zu kaufen. Es bleibt kühl, ein wenig Regen. Ich verhandle noch für mehr Wärme und mehr Sonnenschein.

SPIEGEL ONLINE: Sie stehen Tag und Nacht auf der Kathedrale in 's-Hertogenbosch herum. Wird Ihnen da nicht manchmal langweilig?

Engel: Nein, gar nicht. Ich habe mein Handy und meinen Twitter-Account. Und Steve Jobs hilft mir beim Umgang mit dem Handy...

SPIEGEL ONLINE: ...der verstorbene Apple-Gründer? Sie haben also ein iPhone.

Engel: Nein, nein, das Handy hat nur eine Taste, damit komme ich direkt in den Himmel. Ich kann aber niemanden anrufen und auch nicht auf SMS antworten.

SPIEGEL ONLINE: Und wie geht's Steve Jobs?

Engel: Es geht ihm super. Viele gratulieren ihm zum neuen Apple-Store hier in Amsterdam, es ist der erste in den Niederlanden. Ich glaube, er ist glücklich, da wo er jetzt ist. Alle sind glücklich im Himmel.

SPIEGEL ONLINE: Gut zu wissen. Warum gehen Sie nicht einfach dorthin zurück?

Engel: Mein Platz ist hier, zwischen Himmel und Erde, um die Fragen der Menschen zu beantworten. Kommunikation ist im 21. Jahrhundert sehr wichtig, nur darum geht es.

SPIEGEL ONLINE: Sie helfen der Kirche dabei, modern zu werden.

Engel: Ja. Und um ehrlich zu sein: Die katholische Kirche kann einen gewaltigen Anschub gebrauchen.

SPIEGEL ONLINE: Es wenden sich auch Menschen mit durchaus ernsten Anliegen an Sie. Sagen wir mal, der Freund eines Freundes - hüstel - traut sich nicht, einer Frau seine Gefühle zu offenbaren. Können Sie ihm einen Rat geben?

Engel: Natürlich, er hat nur Angst vor der Antwort der Frau. Deshalb traut er sich nicht zu fragen. Er muss es einfach machen.

SPIEGEL ONLINE: Können Sie ihm nicht irgendwie helfen?

Engel: Ok, ich werde etwas Engelmagie in seine Richtung pusten. Das wird ihm Mut machen, die Frage zu stellen.

SPIEGEL ONLINE: Kennen Sie eigentlich den alten Eurythmics-Song? "Must be talking to an angel, must be talking to an angel, la da di da da da da daaa". Das ist jetzt ja wirklich möglich.

Engel (lacht): Ja, das ist es.

SPIEGEL ONLINE: Was machen Sie gerade?

Engel: Ich schaue auf die Menge hinab, es ist Mittagszeit, viele Menschen gehen gerade in die umliegenden Restaurants.

SPIEGEL ONLINE: Und Sie bleiben die ganze Zeit dort?

Engel: Ich bin die ganze Zeit hier, aber um 23 Uhr mache ich mein Handy aus und tue, was die meisten Engel tun: Ich wache über die Menschen, die mich angerufen haben.

Epilog: Die Kirche unternimmt nichts gegen die Engel-Hotline. Aber es scheint, als sei sie nicht wirklich erfreut darüber. Laut "New York Times" hat sie inzwischen eine eigene Telefonnummer eingerichtet. "Rufen Sie den Engel an", preist ein Schild neben der Kathedrale. Unter der Hotline können Anrufer demnach standardisierte Texte über die Geschichte der Kirche oder des Christentums anhören.

Die ursprüngliche Engel-Hotline ist da schon flexibler. Das Ehepaar aus 's-Hertogenbosch versichert übrigens, kein Geld mit der Engelsnummer zu verdienen.



insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Meskiagkasher 08.03.2012
1. Das ist witzig.
Würde die Kirche tatsächlich modern werden wollen, würde sie den Glauben an einen erfundenen Gott aufgeben.
Europas 08.03.2012
2. Christliche Anmaßung
Steve Jobs war Buddhist und wird in irgendwelchen christlichen Himmeln sicherlich nicht auftauchen.
huberwin 08.03.2012
3. Der wird nicht nur von Engeln umschwirrt,
Zitat von EuropasSteve Jobs war Buddhist und wird in irgendwelchen christlichen Himmeln sicherlich nicht auftauchen.
sondern wurde ja bereits zum Gott des Mammons erklärt. Darüberhinaus haben die Mormonen ihn gerade nachträglich zum Mormonen getauft, Nicht nur lebende auch Tote kann man so für sich vereinnahmen. Vielleicht schreibe ich ja noch mal den Bestseller...warum Steve Jobs keiner Kirche angehörte...oder noch weltbewegender....benutzte Steve Jobs Toilettenpapier!
dadanchali, 08.03.2012
4. nee
Zitat von sysoplaif/ The New York TimesIn den Niederlanden sorgt eine Statue für Aufsehen: Unter einer Handy-Nummer kann man einen Engel anrufen, der die Kathedrale von 's-Hertogenbosch ziert, Antwort garantiert. Nun fragen Männer nach den Lottozahlen und Kinder nach ihrer Oma. Telefongespräch mit einem Engel. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,819621,00.html
Wenn es nicht schon wieder um diesen bescheuerten Esoterikverein ginge wäre es echt pfiffig. Aber klar was kommt raus? Die Spießer störts und machen eine eigene ziemlich zweitklassige Variante. Zumindest habe ich über die Großsekte mal wieder geschmunzelt, bis zum Epilog. Da wußte ich wieder wie Recht ich habe.
notbie 08.03.2012
5. es darf gelacht werden
man sollte mal fragen ob die frau merkel wieder Pundeskanzler wird
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