Kirchentag: Dalai Lama Superstar

Katholiken und Protestanten wollen beim Kirchentag in Berlin ihren Glauben an Jesus Christus stärken. Doch der Star des Tages beim Christentreffen war ein Buddhist: der Dalai Lama.

Dalai Lama: "Das wichtigste an unserem Leben ist Fröhlichkeit"
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Dalai Lama: "Das wichtigste an unserem Leben ist Fröhlichkeit"

Berlin - Bei brütender Hitze wurde das Warten auf den Dalai Lama zur harten Geduldsprobe. Erst anderthalb Stunden nach dem im Programmheft angekündigten Termin betrat der Tibeter die Waldbühne in Berlin. Schlechte Laune und Kreislaufprobleme beim Publikum schienen mit seinem Auftritt dann wie weggeblasen. Tausende von Besuchern des Ökumenischen Kirchentages erhoben sich von ihren Sitzen, jubelten dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter frenetisch zu und ließen sich nur mühsam wieder zur Ruhe bewegen.

"His Holiness" ("Seine Heiligkeit") war sich seiner Rolle offenbar bewusst. Bevor es losgehen konnte, drehte er seinem Publikum erst einmal den Rücken zu, wandte sich zur wartenden Fotografen-Menge und ließ sich geduldig ablichten und hin und her schieben. Die als Ordner eingesetzten Pfadfinder mussten derweil das drängelnde Publikum von den reservierten Ehrenplätzen für die Begleitung des Dalai Lama fern halten. "Soll'n wir die hauen, oder was", maulte eine offensichtlich sehr genervte junge Stammesführerin, als auf ihr Flehen wieder niemand reagierte.

Sinn des Lebens ist das Streben nach Glück

Die zu gut vier Fünfteln gefüllte, mit 18.000 Plätzen ausgestattete Waldbühne lauschte dann den Worten des prominenten Gastes, der sich trotz seiner 67 Jahre fit und fröhlich dem Publikum präsentierte. Allerdings gab es in der ersten Stunde nichts Politisches von dem Mann zu hören, dem bereits 1950 im zarten Alter von 15 Jahren die Herrschaft über Tibet übertragen wurde und der 1959 ins Exil nach Indien fliehen musste.

"Alle Menschen sind gleich, ob Westler, Ostler, ob gelb oder schwarz, alle Menschen sind gleich", rief der stimmlich indisponierte Friedensnobelpreisträger von 1989 unter lautem Jubel ins Mikrofon. "Wir alle wollen ein fröhliches, erfolgreiches Leben. Das wichtigste an unserem Leben ist Fröhlichkeit", erklärte er seinem Publikum, das teilweise mit verschränkten Händen und geschlossene Augen da- und zu anderen Teilen nach kalten Getränken anstand.

Den Sinn des Lebens mache "das Streben nach Glück aus", erklärte der Dalai Lama, die Hoffnung sei "der wichtigste Faktor in unserem Leben". Das Politische hatte der Dalai Lama offenbar schon zuvor ausreichend diskutiert, als er unter anderem mit Außenminister Joschka Fischer und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse zusammengetroffen war.

Möglicherweise war die relative Harmlosigkeit des Vortrags der Grund für zahlreiche Abwanderungsbewegungen bereits während der Veranstaltung. Vielleicht war es auch nur die Hitze.

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