Künstler aus Texas Dieser Mann sucht einen Abnehmer für seine große Klodeckel-Sammlung

Seit mehr als 70 Jahren verziert Barney Smith Klodeckel. Klingt absurd, aber der Texaner sieht sich als Künstler. Jetzt sucht er verzweifelt jemanden, der sein Museum weiterführt - unter einer Bedingung.

AP/ San Antonio Express-News

Ein Interview von Stefan Wagner


SPIEGEL ONLINE: Herr Smith, warum gehen Sie erst jetzt, mit 96, in Rente?

Barney Smith: Ich gehe nicht in Rente! Ich habe erst vergangene Woche einen Klodeckel fertiggestellt, es ist Nummer 1324 auf meiner Liste. Leider muss ich aber meine Sammlung verkaufen, denn ich schaffe es körperlich nicht mehr, jeden Tag das Museum zu betreiben. Ich habe einen Rollator und brauche Hilfe beim Öffnen des großen Garagentors. Im Sommer ist es unerträglich heiß, weil ich keine Klimaanlage in der Garage habe. Ich will einfach nicht, dass sich meine Töchter nach dem Tod mit der Sammlung herumschlagen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben eine wichtige Bedingung für den Verkauf.

Smith: Absolut! Ich will, dass alle 1324 Stück zusammenbleiben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Mein Problem ist, dass es viele Leute gibt, die zwei oder drei oder fünf Klodeckel wollen. Aber bisher habe ich noch keinen gefunden, der alle will.

SPIEGEL ONLINE: Sie suchen also nach jemandem, der Klodeckelmuseumsbesitzer werden möchte.

Smith: Genau, das ist natürlich nicht jedermanns Sache. Ich möchte 15.000 bis 20.000 Dollar für das Museum haben, das finde ich nicht zu viel. Wahrscheinlich ist es jetzt nicht besonders klug, wenn ich das sage, aber im Notfall würde ich es auch für weniger verkaufen. Idealerweise soll es hier in Amerika bleiben, aber wenn es Interessenten aus Deutschland gibt...

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Künstler und Sammler: Die Klodeckel des Barney Smith

SPIEGEL ONLINE: Was sind denn die Highlights der Sammlung?

Smith: Tausende Menschen kommen jedes Jahr zu meiner alten Garage und fast jeder mag etwas anderes. Ich habe einen Toilettensitz mit den Tragegriffen von Särgen gestaltet, einen anderen mit Knöpfen aus dem Nähkästchen meiner Mutter. Ein weiterer ist das Ergebnis eines Racheakts: als mich mal eine Wespe am Kopf gestochen hat, habe ich das Nest ausgeräuchert und die toten Wespen auf einem Klodeckel arrangiert. Außerdem gibt es einen Toilettensitz aus dem Privatflugzeug von Aristoteles Onassis, andere mit Teilen der 1986 explodierten Challenger-Raumfähre oder der Berliner Mauer. Vor zehn Jahren hat mir mal ein Soldat einen Klodeckel aus einem Palast von Saddam Hussein zukommen lassen. Der ist schon etwas ganz Besonderes.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie überhaupt damit angefangen?

Smith: Ich brauchte einfach etwas, auf das ich das Geweih eines Rehs, das ich erlegt hatte, montieren konnte. Ich war Klempner, da lag ein Klodeckel nahe. Das sah auch noch gut aus. Dann fing ich an, Hundemarken, die ich von einem Tierarzt bekommen hatte, auf einen anderen Klodeckel zu schrauben. Ich begann, andere zu bemalen, weiter ging es mit halbierten Billardkugeln, einer Tätowiermaschine, ein paar hundert Dichtungsringen oder den Gegenständen, die ich aus verstopften Rohren geholt habe. "Mixed materials" sagen wir Künstler dazu. Sie müssen verstehen, die Dinger sind meine Leinwand und ich habe immer noch jede Menge Ideen. Ich arbeite schon an Nummer 1325!

SPIEGEL ONLINE: Verstehe.

Smith: Vor Jahrzehnten habe ich meiner Frau versprochen, dass ich mit dem Sammeln und Bemalen aufhöre, wenn ich 500 Stück habe. Ich habe mein Versprechen gebrochen. Seither habe ich ihr zu jedem Hochzeitstag einen besonderen Klodeckel gestaltet. Ich weiß nicht, ob das als Wiedergutmachung genug war. Wir waren 74 Jahre verheiratet, vor drei Jahren ist meine Velma Louise gestorben.

SPIEGEL ONLINE: Vor 25 Jahren eröffneten Sie Ihr Museum, in den Medien hatten Sie schon bald den Spitznamen "Klodeckel-König" weg. Ärgert einen das?

Smith: Ich bin ein Kind der Depressionsjahre. Damals haben wir gelernt, alles, aber auch wirklich alles, irgendwie zu benutzen und wieder zu benutzen und nochmals zu benutzen. Heute würde man das wohl Recycling nennen. Ich bin ein bescheidener Mann, war Hafenarbeiter, Prediger, Elektriker, Klempner. Was mich am "Klodeckel-König" stört, ist das "König" und nicht der "Klodeckel".

SPIEGEL ONLINE: Was ist für Sie das schlimmstmögliche Szenario?

Smith: Ich finde keinen Nachfolger und nach meinem Tod wandern alle Kunstwerke in den Müll. Es ist leider nicht das unwahrscheinlichste Szenario.



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