Klonen in den USA Sekte zieht vor den Obersten Gerichtshof

Die Technik stünde bereits zur Verfügung, Leihmütter auch. Die Sekte der Raelianer will nun vor dem Obersten Gerichtshof der USA durchsetzen, dass es in den Vereinigten Staaten gesetzlich erlaubt wird, Menschen zu klonen.


Sektenführer Claude Vorilhon, genannt Rael
AFP

Sektenführer Claude Vorilhon, genannt Rael

Washington - Clonaid heißt nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" eine Firma in Syracuse bei New York, die das Ziel hat, Menschen zu klonen. Das 1997 gegründete Unternehmen wird von den Raeliten geführt. In seinen Labors soll es möglich sein, Menschen zu klonen. Fünf Wissenschafter, zwei Genetiker, zwei Experten für künstliche Befruchtung und ein Techniker seien bereits eingestellt. Die technischen Voraussetzungen seien gegeben.

Das Klonen eines Menschen soll 200.000 bis 500.000 Dollar kosten. Die Raelianer-Bischöfin Brigitte Boisselier hatte laut "FAZ" bereits im März angekündigt, die Befruchtung von Leihmüttern stehe kurz bevor. Offenbar kam es bisher jedoch zu keiner Schwangerschaft.

Dennoch wird die Absicht der Gruppe in Washington ernst genommen. Im März waren sie vor einen Ausschuss des Kongresses geladen worden. Anfang August werden sie sich vor der National Academy of Science präsentieren. Wahrscheinlich sollen sie sich erneut dazu verpflichten, Klonversuche zu unterlassen. Die "Biotech-Sekte" indes geht in die Offensive und zieht vor den Obersten Gerichtshof in Washington.

50 Frauen sollen der Sekte zur Verfügung stehen, die bereit sind, ihren Körper als Leihmutter für das Heranwachsen eines Klons zur Verfügung zu stellen. Sie tun es nicht nur für Geld, sondern angeblich auch, um ihrem Propheten Rael zu dienen.

Rael hieß früher Claude Vorilhon, ein gebürtiger Franzose. Im Dezember 1973 habe er einen Außerirdischen getroffen, schreibt Rael in seinem Buch "Das wirkliche Gesicht Gottes", der einem Ufo entstiegen sei. Das Wesen habe ihm mitgeteilt, dass die Schöpfung nicht von Gott, sondern von Außerirdischen im Labor erschaffen worden sei. Die Sekte, die weltweit 55.000 Mitglieder haben soll, hat sich Anfang der neunziger Jahre in Quebec eine Farm gekauft.

Ethische Bedenken haben die Raelianer mit ihrem angekündigten Klonprojekt nicht. Gegenüber der "FAZ" erklärt Sektengründer Rael: "Wir sind gegen jede Form von Ethik, und alles, was der Papst falsch findet, finden wir gut." Ethik sei etwas für primitive Religionen. Models als lebende Sexpuppen zu klonen? "Wenn wir das können, werden wir das auch machen: eine Sexpuppe, die nicht aus Gummi, sondern aus Haut ist - wie ein Mensch, nur ohne Willen und Schmerzempfinden, ohne Persönlichkeit."



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