Köln La Ola für den Papst

Kreischende Teenies, freundliche Worte: Papst Benedikt XVI. ist in Köln von Bundespräsident Köhler, Kanzler Schröder und Hunderten Fans begrüßt worden. Vier Tage lang wird der Pontifex mit Hunderttausenden Pilgern den Weltjugendtag feiern.


Benedikt bei seiner Begrüßung durch Kanzler Schröder: "Aufrichtig dankbar"
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Benedikt bei seiner Begrüßung durch Kanzler Schröder: "Aufrichtig dankbar"

Rom/Köln - Die Landung bei sonnigem Wetter wurde von Hunderten Schaulustigen mit Jubel, La Ola und rhythmischem Klatschen bedacht. Am Cockpit wehten die deutsche Flagge und das Vatikan-Banner. Wenige Minuten später stieg das Kirchenoberhaupt aus der Alitalia-Airbus A320 und winkte kurz den Menschen zu.

An der Gangway wurde Benedikt XVI. von Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) empfangen. Auch die Ehefrauen von Köhler und Schröder, Eva Köhler und Doris Schröder-Köpf, waren bei der Begrüßung dabei.

Die Maschine war um 11.54 Uhr gelandet. Danach folgte eine Willkommenszeremonie mit militärischen Ehren. Der 78-jährige Joseph Ratzinger betrat um 12.06 Uhr deutschen Boden. Anlass seiner ersten Auslandsreise ist der Weltjugendtag.

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Papstbesuch: Ein Hauch von Woodstock weht durch Köln

Auch wenn von einem "Papstwetter" in Köln die Rede ist, so machte dem Papst bei seiner Ankunft doch ein heftiger Wind zu schaffen. Als Benedikt XVI. auf der Flugzeugtreppe erschien, wehte der Luftzug die Kappe des katholischen Kirchenoberhauptes vom Kopf. Der Papst versuchte vergeblich, seine Kopfbedeckung zu erhaschen, entschied sich dann aber, ohne Kopfbedeckung anzutreten. Der Wind machte dem Papst auch beim Abschreiten des roten Teppichs zu schaffen: Mehrfach musste sich Benedikt XVI. seinen Umhang aus dem Gesicht ziehen.

Nach einer Begrüßungsrede des Bundespräsidenten sagte der erste deutsche Papst seit rund 500 Jahren, er sehe es als eine liebevolle Geste des Schicksals an, dass ihn seine erste Auslandsreise ausgerechnet in seine Heimat führe. "Ich bin aufrichtig dankbar für den lieben Empfang." Benedikt XVI. rühmte die Tradition der Weltoffenheit und Solidarität der Deutschen insbesondere zu Gunsten der Dritten Welt. Der Papst rief dazu auf, zu einer gerechten und solidarischen Welt beizutragen. Die Begegnung so vieler Jugendlicher beim Weltjugendtag sei ein Zeichen für die Vitalität der Kirche. "Ich bin glücklich, mitten unter den Jugendlichen zu sein, ihren Glauben, so Gott will, zu stützen und ihre Hoffnung zu beleben."

Der Papst erinnerte in seiner Ansprache auf dem Flughafen auch an seinen "großen und geliebten Vorgänger", Papst Johannes Paul II., der die Inspiration für den Weltjugendtag gehabt habe.

Köhler würdigte den Besuch des Papstes zuvor als "großen Tag" für das Land. "Heiliger Vater, willkommen in der Heimat, willkommen in Deutschland" und "wir freuen uns, dass Sie Ihre erste Reise hierher nach Deutschland unternehmen", sagte der Protestant. Benedikt XVI. sei weit über die Katholische Kirche hinaus eine moralische Autorität. Dass er als Deutscher 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges zum Nachfolger von Johannes Paul II. auf dem Heiligen Stuhl berufen worden sei, sei weltweit als ein Zeichen der Versöhnung begriffen worden. Den Weltjugendtag bezeichnete der Bundespräsident als ein Zeichen der Hoffnung. "Gerade in diesen Zeiten, in denen viele Menschen Angst haben vor Terror und Gewalt, die aus angeblich religiösen Motiven verübt wird, ist es gut, Glaube und Religion als Wege zu Frieden und Menschlichkeit zu erfahren", so das Staatsoberhaupt.

Er hoffe, dass der Weltjugendtag ein unübersehbares Zeichen für einen menschenfreundlichen Glauben gebe, sagte Köhler, "für einen Glauben, der davon zeugt, dass wir alle Gottes Kinder sind in dieser Einen Welt".

"Die Stadt ist voll"

Zehntausende Pilger waren am Morgen in die Kölner Innenstadt geströmt, um den Papst zu sehen. Die meist jugendlichen Gläubigen zogen in Scharen zu den Rheinwiesen, wo Benedikt am Nachmittag vom Schiff aus eine Ansprache halten will, und zum Dom, wo Benedikt am Abend erwartet wird. Allein auf den Rheinwiesen rechnet die Polizei mit mehreren Hunderttausend Pilgern. Probleme mit den Menschenmassen habe es bisher nicht gegeben, sagte eine Polizeisprecherin. Die jungen Leute seien sehr friedlich.

In Köln herrscht höchste Sicherheitsstufe. Im Stadtgebiet sind 4000 Polizisten im Einsatz. "Die Stadt ist ganz voll, voller als erwartet", sagte ein Polizeisprecher mit Blick auf die große Pilgerschar. Die Lage sei aber ruhig. Am Nachmittag wird der Schiffsverkehr auf dem Rhein für mehrere Stunden gesperrt, wenn der Papst zu einer Rheinfahrt startet.

Nach dem Chaos am Kölner Hauptbahnhof in der Nacht wollen die Verantwortlichen zum Papstbesuch ein neues Maßnahmen-Konzept absprechen. Der nicht abreißende Strom junger Pilger des Weltjugendtags hatte am späten Abend am Hauptbahnhof ein Chaos ausgelöst. 19 erschöpfte italienische Pilger im Alter von 20 bis 30 Jahren hatten Kreislaufzusammenbrüche erlitten, zehn von ihnen mussten vorübergehend in ein Krankenhaus gebracht werden.

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