Widerstand gegen Rechtsextreme Köln trotzt Hogesa

Tausende Gegendemonstranten und ein Großaufgebot der Polizei: Die Rechten von Hogesa bekamen in Köln kaum eine Chance, den Jahrestag ihrer Krawalle zu feiern. Selbst der Hooligan-Anführer war von seinen Leuten enttäuscht.

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Von , Köln


Nach ein paar Stunden fliegen Flaschen, dann Steine, Fäuste. Grölende Männer rütteln so lange an einem Polizeibus, bis er umkippt. Die Horde jagt durch die Straßen, fast 50 Beamten werden verletzt, Geschäfte geplündert. Sachschaden: 40.000 Euro.

Rund 4500 Hooligans sind aus ganz Deutschland gekommen, sie wollen gegen radikale Moslems demonstrieren, wie sie sagen. Sie nennen sich Hogesa - Hooligans gegen Salafisten. Köln erlebt an jenem 26. Oktober 2014 schwarze Stunden brauner Gewalt.

Für die Rechten sind es Feststunden.

Sonntag, fast genau ein Jahr später. Wieder haben sich Hooligans angekündigt, der Name diesmal: Köln 2.0. Die Stadt ist alarmiert. Offiziell lautet das Ziel: Man will die Krawallkundgebung von 2014 noch einmal feiern, "friedlich und gewaltfrei", mit einem "geilen Bühnenprogramm".

"Wir sind wieder da! Wir sind die Macht", brüllt Dominik Roeseler in sein Mikrofon. Roeseler hat die Kundgebung angemeldet. Einen Arm reißt er in die Luft - es soll eine Geste des Triumphes sein. Doch von Triumph kann keine Rede sein.

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Widerstand gegen Rechtsextreme: Köln trotzt Hogesa
Die Polizei wird am Ende von "einigen Hundert" Teilnehmern sprechen. Gemessen am vergangenen Jahr ist es eine müde Truppe.

Nach und nach trudeln die Hogesa-Demonstranten ein, auf dem viel zu großen Barmer Platz hinter dem Bahnhof im rechtsrheinischen Köln-Deutz ein. Der Boden ist vom Regen aufgeweicht, am Himmel hängen dicke, graue Wolken, im Hintergrund: die Bahnbrücke, Firmengebäude.

Der übliche Mix aus Skinheads, Hooligans, Rechtsextremen

Eigentlich wollten die Rechten wieder vom Kölner Hauptbahnhof aus am Dom vorbei durch die Innenstadt ziehen. Am Ende entschieden die Gerichte - für Köln 2.0 gab es nur eine Genehmigung als Standkundgebung, abseits des Zentrums.

Nach der Kundgebung in Deutz sollte in der Innenstadt eine Veranstaltung des Pegida-Ablegers "Kögida" stattfinden. Roeseler und der Kögida-Chef sind beide in der rechtsextremistischen Partei Pro NRW aktiv. Nach der Hogesa-Kundgebung, so der Plan, hätten die Rechten zur anderen Demo gehen sollen - und so doch noch ihren Protestmarsch gehabt. Die Polizei verlegte beide Veranstaltungen kurzerhand auf einen Platz, Kögida sagt seinen Protest kurzfristig ab.

Von den Pegida-Wutbürgern ist an diesem Tag ohnehin nichts zu sehen. Stattdessen: eine Mischung aus gewaltbereiten Hooligans, Rechtsextremen und Skinheads. Breitbeinige Männer mit schwarzen Sonnenbrillen, schwarzen Mützen, T-Shirts mit Hogesa-Schriftzug und Jacken einschlägiger Szene-Marken. Sie zwängen sich durch die scharfen Einlasskontrollen - eine der strengen Auflagen der Polizei.

"Ich finde das schade"

Dann passiert erst einmal nichts. Es fehlen Ordner. 50 muss der Veranstalter stellen. Dominik Roeseler bittet Teilnehmer um Hilfe. "Idealerweise seid ihr nicht vorbestraft und idealerweise seid ihr nicht alkoholisiert." Es dauert 90 Minuten, bis Roeseler die Ordner beisammen hat.

Mit ein bisschen Rechtsrock versuchen die Veranstalter, die Zuhörer wachzubrüllen. Roeseler, die dunklen Haare gescheitelt, hetzt über Ausländer, beschimpft die "Lügenpresse", macht Angst vor Flüchtlingen. Bald bilden sich Menschentrauben am Zaun, viele Rechte wollen nach Hause. Die Polizei geleitet sie in kleinen Gruppen vom Platz. Da platzt Roeseler der Kragen: "Ich finde das schade, ich finde das respektlos!"

Vorwürfe, man sei auf die Gewalt nicht vorbereitet gewesen, wollte sich die Polizei nicht noch einmal anhören müssen. Über 3500 Beamte sind im Einsatz - mehr als doppelt so viel wie 2014. Es gibt einen Hubschrauber, etwa zehn statt drei Wasserwerfer, Hunde. Die Strategie geht auf.

Doch nicht nur die Polizei stellt sich den Rechten in den Weg. Überall in der Stadt gibt es Gegenproteste. Es gibt Bühnen, Musik. Laut Veranstaltern sollen es bis zu 20.000 Menschen sein, die sich auf der anderen Seite des Deutzer Bahnhofs versammeln, sie feiern ein buntes, ein echtes Fest.

An diesem Tag geht die Gewalt vor allem von linksradikalen Gruppen aus, die Zufahrtswege blockieren wollen. Autonome greifen laut Polizei Beamte an - mehrere Sicherheitskräfte werden verletzt. Ein Wasserwerfer und Pfefferspray kommen zum Einsatz.

Hogesa aber hat vor allem mit sich selbst zu tun. Mittlerweile sind die Rechten eine tief zerstrittene, gespaltene Gruppe. Keine Situation, in der man die Massen für eine Kundgebung auf einem kahlen Platz mobilisiert. Auch Dominik Roeseler ist in der Szene hochumstritten.

Am Ende verziehen sich die Rechtsextremen in Richtung Bahnhof. Ein Polizist zwinkert seinem Kollegen zu. "Laaaangweilig", sagt er.

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