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07. Februar 2013, 16:51 Uhr

Kölner Erzbischof

Meisner beklagt "Häme und Aggression" gegen Kirche

Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hadert in einem Brief an Priester und Kirchenmitarbeiter mit der öffentlichen Wahrnehmung der Kirche. Er schreibt von "ungerechtfertigten Vorwürfen" und ruft die Adressaten zu Tapferkeit auf.

Hamburg - Der Erzbischof von Köln Joachim Meisner beklagt in einem Brief an Priester und Kirchenmitarbeiter "die Häme und Aggression", die der Kirche entgegengebracht würden. Die Kirche von Köln habe in den vergangenen Wochen "in der öffentlichen Wahrnehmung einen Sturm erlebt, wie ich ihn in meinen Jahren als Bischof selten erlebt habe".

Der "Kölner Stadt-Anzeiger" veröffentlichte den Brief auf seiner Internetseite (hier als pdf), das Erzbistum bestätigte gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass der Brief authentisch sei.

Meisner hadert in seinem auf Dienstag datierten Schreiben mit der öffentlichen Kritik, die in jüngster Zeit laut geworden war. Die Positionen der Kirche und ihre Repräsentanz "durch Personen wie den Papst und die Bischöfe" würden in der Gesellschaft immer stärker polarisieren. "Französische Wissenschaftler betrachten dieses Phänomen inzwischen als 'Katholikenphobie' und weisen darauf hin, dass keine Religion oder Konfession derart so gezielt öffentlich angegriffen wird wie die katholische Kirche."

Seinen Priestern und Mitarbeitern schreibt er, es sei umso wichtiger, "dass wir für solche Angriffe keine Gründe liefern". Nur dann könne man "tapfer ungerechtfertigte Vorwürfe ertragen". Er zitiert Benedikt XVI.: "Tapferkeit besteht nicht im Dreinschlagen, in der Aggressivität, sondern im Sich-schlagen-Lassen und im Standhalten gegenüber den Maßstäben der herrschenden Meinungen."

Erst vor kurzem hatte der Chef der Glaubenskongregation des Vatikans, Gerhard Ludwig Müller, beklagt, durch "gezielte Diskreditierungskampagnen gegen die katholische Kirche" wachse "eine künstlich erzeugte Wut, die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung" erinnere. Die Aussage stieß bei Politikern und Laien auf deutlichen Widerspruch.

Das Erzbistum Köln war zuletzt in die Kritik geraten, nachdem zwei katholische Kliniken eine Frau abgewiesen hatten, die nach einer möglichen Vergewaltigung untersucht werden sollte. Meisner hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, die Anwendung der "Pille danach" sei aus seiner Sicht vertretbar, wenn sie mit der Absicht eingesetzt werde, die Befruchtung zu verhindern. Eine "Pille danach", die die Einnistung bereits befruchteter Eizellen verhindern solle, sei dagegen nicht hinnehmbar.

In seinem Brief schreibt er nun, seine jüngste Erklärung sei "keine neue Lehrmeinung". Vielmehr habe er die bisherigen moraltheologischen Prinzipien auf "die neue Situation" angewendet: Dass es nun eine "Vielzahl von neuen Medikamenten" gebe, die "keine abtreibende Wirkung haben".

Meisner äußert sich auch zum Scheitern des Forschungsprojekts mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche: Er bedaure "den Vertrauensverlust", der dadurch entstanden sei. Zugleich bekräftigte er, die Bischöfe würden "mit einem anderen unabhängigen Institut die Studie unbedingt fortsetzen".

bim

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