Meisners Nachfolger Kölner Katholiken verlangen Mitbestimmung bei Bischofswahl

Im Erzbistum Köln regt sich Widerstand: Anfang des nächsten Jahres wird ein Nachfolger für Erzbischof Kardinal Joachim Meisner gewählt. Eine Priesterinitiative fordert in einem offenen Brief an Papst Franziskus mehr Mitsprache bei der Entscheidung.

Von

Kölner Dom: Priesterinitiative sendet offenen Brief an Papst Franziskus
DPA

Kölner Dom: Priesterinitiative sendet offenen Brief an Papst Franziskus


Stillhalten war gestern. In einem offenen Brief an Papst Franziskus fordert eine Priesterinitiative im Erzbistum Köln Mitbestimmung bei der Wahl des Nachfolgers von Kardinal Joachim Meisner, der demnächst aus Altersgründen abtritt. "Wovon Papst Franziskus in Rom spricht, wollen wir jetzt umsetzen", sagt ein Sprecher der Gruppe. Der Franziskus-Virus könnte ansteckend sein, denn auch in Bistümern wie Hamburg, Freiburg, Limburg, Passau oder Mainz steht die Vergabe neuer Bischofsposten bevor.

Die Wahl eines neuen Bischofs, heißt es in dem offenen Brief an den Papst und das Kölner Domkapitel, dürfe nicht länger "nur auf den Schultern einiger weniger" lasten, sondern müsse "von allen mitgetragen werden." Praktisch könnte das bei der schon Anfang des nächsten Jahres anstehenden Neuwahl eines Bischofs so aussehen: "Die rund zwei Millionen Katholiken im Erzbistum Köln könnten direkt oder indirekt", etwa "durch Wahlmänner und -frauen wählen".

Alternativ könnten die bestehenden Gremien wie der Diözesan- und Priesterrat diese Aufgabe übernehmen. "Wir sind überzeugt", heißt es in dem Schreiben, "dass es zur Freiheit, zur Würde und zu den Aufgaben eines jeden Getauften gehört, mitzutragen und mitzubestimmen, wer die Kirche leitet." Diese Beteiligung der Katholiken sei ein wesentliches Kriterium für die Glaubwürdigkeit der Kirche und ihrer Botschaft.

Die "Kölner Kircheninitiative", die den Appell verfasst hat, will damit die jüngsten Aussagen des Papstes zu mehr Verantwortung im Kirchenvolk konkret umsetzen. Die Gruppe der rund 30 Erstunterzeichner besteht vorwiegend aus Klerikern, amtierenden Priestern sowie Diakonen im Erzbistum Köln. Das unterscheidet sie von früheren kirchenkritischen Laien-Initiativen aus den Gemeinden.

Zu den Unterstützern gehören neben den Pfarrern aus Köln auch einige prominente Priester wie der Stadtdekan von Frankfurt am Main, Johannes zu Eltz, der Direktor des Jesuitenkollegs in St. Blasien, Pater Klaus Mertes, der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller oder Theologen wie Norbert Mette und Paul Zulehner. Die Kölner Priester nutzen auch das Internet, um Unterstützer für ihre Initiative zu gewinnen.

Pater Klaus Mertes, der wesentlich zur Aufdeckung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche beigetragen hat, begründet seine Unterstützung der Initiative damit, dass "in den letzten Jahren zu viele Kandidaten auf Bischofstühle von oben durchgesetzt wurden, die das Vertrauen der Leute vor Ort und auch des örtlichen Klerus nicht hatten". Die Umstände, unter denen Kardinal Meisner seinerzeit durchgesetzt worden sei, lasteten bis heute schwer auf der Diözese.

"Die Wahl des neuen Bischofs sollte endlich öffentlich sein"

Vor 25 Jahren hatte sich bei der Wahl Meisners ein wahrer Eklat ereignet. Papst Johannes Paul II. hatte seinen erzkonservativen Lieblingskandidaten gegen den Willen des Domkapitels und der meisten Kölner Katholiken durchgedrückt - mit Hilfe eines von vielen als unanständig empfundenen Machtmittels.

Mitten im Wahlprozess änderte er gegen die Proteste der damaligen Ministerpräsidenten aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz im Handstreich die Wahlordnung. Die Politiker waren sozusagen als Nachfolger des Freistaats Preußen Partner im Konkordatsvertrag mit dem Heiligen Stuhl. Meisner konnte am Ende mit nur sechs Ja-Stimmen bei zehn Enthaltungen von Rom aus ins Amt gehievt werden. Katholiken im ganzen Land protestierten gegen das Vorgehen des Papstes.

Sollte der Appell der Kölner Initiative nun Erfolg haben, würde das Wahlrecht des 15-köpfigen Domkapitels nach mehr als 800 Jahren wenigstens etwas reformiert. Es müsste einen Vorschlag nach Rom leiten, der die Mehrheitsmeinung der Kölner Katholiken wiedergibt. "Die Wahl unseres neuen Bischofs sollte dabei endlich öffentlich und nicht länger geheim sein", findet der Diakon Hanno Weinert, einer der Initiatoren. Am Ende muss das Domkapitel aber aus drei Namen, die der Papst ihnen zurückschickt, einen auswählen. "Aber dann hätte der Papst ein wirkliches Votum unseres Bistums zu Gesicht bekommen."

Pater Mertes glaubt an einen Erfolg des Vorhabens, "weil keine einzige dogmatisch relevante Aussage durch den Vorschlag tangiert ist". Zudem gibt es in der langen Kirchengeschichte durchaus Vorbilder. Schon Papst Cölestin I. (422-432) vertrat den Grundsatz, dass niemand gegen den Willen der Gemeinde zum Bischof bestellt werden solle. Und Leo der Große (440-461) schrieb, dass man als Bischof den vorziehen soll, "auf den sich in einträchtigem Verlangen die übereinstimmende Mehrheit von Klerus und Volk gerichtet hat".

Sollten die Forderungen der Kölner Initiative Gehör finden, könne es nicht nur in Köln, sondern auch in den anderen Bistümern, in denen Neuwahlen anstehen "eine Vorfreude auf den neuen Bischof geben und dafür weniger Heuchelei und hofschranziges Klatschen", so Mertes.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 60 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
crocsffm 04.12.2013
1. Na also
das klingt doch ganz gut und wäre ein doppelter Grund zur Freude: Der ideologisch verklebte Meißner weg und die demokratisch legitimierte Ernennung eines Nachfolgers.
Na Sigoreng 04.12.2013
2. "Wovon Papst Franziskus in Rom spricht, wollen wir jetzt umsetzen"
Das klingt zu schön, um wahr zu sein! Gerade dem Kölschen Klüngel, der sich so skrupellos bei seinen katholischen Erbpachtnehmern bedient traue ich das überhaupt nicht zu!
movfaltin 04.12.2013
3. Selber schuld
Wie an anderer Stelle schon gesagt in meiner Rolle als Nichtkirchler: Franziskus macht in seiner naiven, wirklichkeitsfremden und von mangelnder Menschenkenntnis geprägten (wenn auch grundsympathischen) Art die katholische Kirche kaputt. Übrigens wäre ich für eine Versetzung von Tebartz-van Elst nach Köln. Der kann gar nicht alle Mittel des Bistums ausgeben, so reich sind die... Entsprechend kann er nicht so viel Schaden anrichten wie an der Lahn.
tulius-rex 04.12.2013
4. Fehlschluss
Monotheistische Religionen verbieten jede Form der Demokratie. Auch kurzfristiger Eintritt hilft nicht. Da ist die Welt noch in Ordnung und es wird gemacht, was der Chef und seine Stellvertreter auf Erden sagen. Nix da mit Frauenquote im Aufsichtsrat; das ist ja wohl Ketzerei.
scutie 04.12.2013
5. Die Gemeinde wählt den Bischof -
- das war bei den Urchristen so, das ist in Freikirchen so, das ist auch in den evangelischen Landeskirchen so. Allerdings erliegen die kölnischen Katholiken hier eindeutig der Illusion, dass es in ihrer Organisation auch so sein müsste. Mit absoluter Sicherheit hat Bergoglio in Rom mit seinen Worten nicht gemeint, dass eine echte Wahl stattfindet, sondern nur, dass die hierarchischen Entscheidungsträger sich mit ausgewählten Gemeindemitglieder beraten, um den Anschein der Mitbestimmung zu erwecken.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.