Kölner Stadtarchiv-Einsturz Oberbürgermeister geht gegen eigenen Mitarbeiter vor

Ungewöhnlicher Schritt: Knapp drei Wochen nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs hat Oberbürgermeister Schramma ein Disziplinarverfahren gegen seinen Baudezernenten eingeleitet. Der Grund: Der Beamte soll seinem Chef Informationen vorenthalten haben.


Köln - Der Baudezernent Bernd Streitberger (CDU) hatte demnach am vergangenen Freitag in der Sitzung des Koordinierungsstabes "Unglück Waidmarkt" erklärt, seit 12. März von Protokollen aus Baubesprechungen der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) gewusst zu haben.

Oberbürgermeister Schramma (M.): Verfahren gegen einen Parteifreund
DPA

Oberbürgermeister Schramma (M.): Verfahren gegen einen Parteifreund

Darin wurde unter anderem von einem sogenannten hydraulischen Grundbruch bereits im September und von Wasserdurchlässigkeiten bei Schlitzwänden berichtet. Ein hydraulischer Grundbruch gilt auch als wahrscheinliche Ursache für das Unglück vom 3. März, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen waren.

Streitberger habe nach eigenen Angaben zur weiteren Bewertung der Protokolle unverzüglich Kontakt zur KVB aufgenommen, erklärte die Stadt. Die Informationen seien aber bis 20. März weder dem Oberbürgermeister noch dem Krisenstab zur Kenntnis gegeben worden. Dies hätte nach Ansicht des Oberbürgermeisters (CDU) passieren müssen. Das Disziplinarverfahren wird den Angaben zufolge von einem externen Juristen geführt.

Die Kölner SPD fordert deshalb Streitbergers Rücktritt. Außerdem verlangt sie den Rücktritt des Technischen Vorstands der KVB, Walter Reinarz (CDU). Die KVB - Bauherrin bei der U-Bahn-Erweiterung - wollte ursprünglich am Montagmittag in einer Pressekonferenz dazu Stellung nehmen. Der Termin wurde aber kurzfristig abgesagt. Bis zum Abend tagte der KVB-Aufsichtsrat.

Nach Informationen des SPIEGEL geht aus dem Baustellen-Protokoll der KVB vom 3. Februar hervor, dass es bereits im September in unmittelbarer Nähe der Einsturzstelle einen hydraulischen Grundbruch und Wasserdurchlässigkeiten bei Schlitzwänden gab. Damals habe es geheißen, dass dies auch zu einer Bauverzögerung von vier bis sechs Wochen führen werde.

jdl/AP/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.