Königshaus Prinzessin Anne entkam bewaffnetem Entführer

Aus bisher geheimen Unterlagen geht hervor, dass die englische Prinzessin Anne vor 30 Jahren hätte entführt werden sollen. Die couragierte Tochter Königin Elizabeths II. habe sich trotz einer auf sie gerichteten Pistole nicht von dem Kidnapper beeindrucken lassen.


Prinzessin Anne: "Ich habe keine zwei Millionen"
AFP

Prinzessin Anne: "Ich habe keine zwei Millionen"

London - Das britische Nationalarchiv gab die Unterlagen am Neujahrstag frei, nachdem sie 30 Jahre lang unter Verschluss gelegen hatten. Die inzwischen 54 Jahre alte Prinzessin Anne hat sich demnach 1974 erfolgreich einem bewaffneten Entführer widersetzt. Ihr Wagen wurde eines Abends auf der Prachtstraße The Mall vor dem Buckingham-Palast in London von dem 26-jährigen Ian Ball mit seinem Ford Escort zum Stehen gebracht.

Mit vorgehaltener Pistole sagte er zu der Prinzessin in ihrem Auto: "Ich will, dass Sie mich ein bis zwei Tage begleiten, denn ich will zwei Millionen Pfund. Steigen Sie aus?" Anne, bekannt für starke Nerven und klare Worte, erwiderte spöttisch: "Aber sicher! Und ich habe auch keine zwei Millionen."

Nach einem weiteren Wortwechsel sprang sie auf der anderen Seite aus dem Auto. Als der Entführer ihr nachsetzte, kam es zu einem dramatischen Handgemenge. Der Täter gab mehrere Schüsse ab und verletzte zwei Leibwächter, einen Chauffeur und einen Journalisten, der die Prinzessin begleitete. Schließlich konnte ein Polizist ihn überwältigen.

Anne sagte später, sie habe sich dazu zwingen müssen, den Mann nicht zu ohrfeigen. Nur die Befürchtung, dass er sie dann erschießen würde, habe sie davon abgehalten. Ball wurde auf unbegrenzte Zeit in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Der damalige britische Premierminister Harold Wilson schrieb auf die Protokollunterlagen: "Eine tolle Geschichte. Schade, dass der Palast sie nicht freigeben kann."



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