Kohlenmonoxidvergiftung Ursache für Gasunglück in Hamburg weiter unklar

Drei Tote und 13 Verletzte, darunter ein einjähriges Baby - das ist die Bilanz des schweren Gasunfalls in Hamburg-Harburg. Wie das hochgiftige Kohlenmonoxid in die beiden Mehrfamilienhäuser geraten konnte, ist noch immer unklar.

DPA

Hamburg - Nach dem Kohlenmonoxid-Unglück im Süden Hamburgs mit drei Toten ist die Zahl der Verletzten auf 13 gestiegen. Mindestens ein Mensch schwebe noch in Lebensgefahr, sagte Polizeisprecher Mirko Streiber SPIEGEL ONLINE. Alle Verletzten seien in Krankenhäuser gebracht worden, darunter auch ein einjähriges Kind und seine Mutter.

Am Dienstagnachmittag waren in zwei benachbarten Mehrfamilienhäusern im Stadtteil Harburg hohe Kohlenmonoxidwerte gemessen worden. In verschiedenen Wohnungen fanden Einsatzkräfte der Feuerwehr schließlich drei Tote. Die Männer im Alter von 32, 56 und 72 Jahren waren von dem hochgiftigen Gas offenbar im Schlaf überrascht worden. Sie trugen noch Schlafanzüge, wie Polizeisprecher Streiber sagte.

Wie das Gas in die Wohnungen gelangen konnte, ist immer noch unklar, ebenso wie der genaue Zeitpunkt des Unglücks. Laut Polizei überprüften Experten inzwischen die Schornsteine der Gebäude, diese funktionierten allerdings einwandfrei. Als nächstes würden die Heizungsanlagen getestet. Nachdem diese abgeschaltet worden waren, hatten sich die Kohlenmonoxidwerte bis Mittwochmorgen normalisiert.

Grenzwert um das 1666-fache überschritten

Ausgangspunkt war am Dienstagnachmittag ein Notfalleinsatz von Polizei und Feuerwehr in einem der Gebäude. Christoph Quednau, ein Schornsteinfeger, der zufällig in der Nähe war, half den Einsatzkräften nach eigenen Angaben mit seinem Messgerät aus. SPIEGEL ONLINE sagte er, in der ersten Wohnung habe er einen Kohlenmonoxid-Wert von rund 50.000 ppm (Parts per Million) registriert. Der Grenzwert liegt etwa für Arbeitsplätze bei 30 ppm. Nach dieser Messung habe sich die Feuerwehr entschieden, das Gebäude zu räumen und selbst nur noch mit Atemschutz zu betreten.

In einem der Häuser hatte es laut Streiber schon in der Nacht vor dem Unglück mehrere Rettungswageneinsätze gegeben - Anlass seien jeweils ein Sturz, eine nicht näher genannte Erkrankung sowie ein Patient mit Kreislaufproblemen gewesen. Einen Zusammenhang zwischen den Fällen habe niemand hergestellt. Eine mögliche Verbindung zu dem Gasunglück bezeichnete eine Sprecherin der Polizei allerdings als Spekulation.

Kohlenmonoxid ist farblos und besitzt weder Geruch noch Geschmack. Vom Menschen kann es daher nicht wahrgenommen werden. Im Körper blockiert das Gas den Sauerstofftransport über die roten Blutkörperchen und führt damit in höheren Konzentrationen zum Tod durch Ersticken.

Einem Merkblatt des Feuerwehrverbands NRW zufolge können Symptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schläfrigkeit dazu führen, dass die eigentliche Ursache bei leichten Kohlenmonoxid-Vergiftungen übersehen wird. Bei höheren Konzentrationen in der Raumluft führen dagegen bereits wenige Atemzüge zu Bewusstlosigkeit oder Tod.

rls/dpa/AFP



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