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Kokain-Ermittlungsverfahren: Friedman will reden

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Am Dienstagmorgen will der abgetauchte Moderator Michel Friedman erstmals vor die Presse treten. Zuvor hatte er im Drogen-Verfahren gegen ihn einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft Berlin akzeptiert. Damit ist das Verfahren gegen ihn beendet.

TV-Moderator Michel Friedman will sich am Dienstag erstmals erklären
DDP

TV-Moderator Michel Friedman will sich am Dienstag erstmals erklären

Berlin/Frankfurt - Der Jurist Eckart C. Hild hat in den letzten Tagen einiges gelernt. Nun verschickt der Frankfurter Rechtsanwalt der Kanzlei "Jones Day" seine Faxe in der Affäre Friedman mit einem rechtlichen Hinweis. Höflich aber bestimmt schreibt er, dass das Fax "urheberrechtlich geschützt" und "vertraulich" ist. Falls man nicht der Adressat des Schreibens sei, solle man bitte vom Lesen, dem Vervielfältigen oder dem Weitergeben an Dritte "Abstand nehmen".

Vergangene Woche war Hild unvorsichtiger. So gelangte durch den Tipp-Fehler einer Sekretärin das fünfseitige Ermittlungsergebnis in der Drogen-Affäre um den TV-Moderator Michel Friedman zuerst zu einem Frankfurter Pizza-Bäcker und von dort auf die Seite eins der "Bild"-Zeitung. Hild outete sich kurz darauf als Schuldiger der "Pizza-Connection" ("Bild") und gestand ein, er fühle sich nach dem schweren Missgeschick wie ein "Armleuchter".

Verfahren beendet

Was Friedmans Anwalt am Montagabend mitzuteilen hatte, war ebenfalls brisant. "Das oben genannte Strafverfahren gegen unseren Mandanten Herrn Dr. Michel Friedman ist abgeschlossen", schrieb sein Kommunikationsbeauftragter und lud die Presse aus diesem Anlass für den Dienstag zum Gespräch "mit Herrn Dr. Michel Friedman und seinem Rechtsanwalt" ein. Innerhalb von Minuten sorgte das Fax für sich überschlagende Eilmeldungen bei den Nachrichtenagenturen.

Mit Details hielten sich jedoch alle Seiten zurück. Hild selber wollte erst am Dienstag mehr zu dem Ende des Verfahrens sagen, bei der Staatsanwaltschaft ging niemand mehr ans Telefon. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE hatte Friedmans Anwalt zuvor einen Strafbefehl der Staatsanwaltschaft akzeptiert. Indem er schriftlich mitteilte, er werde gegen den vergangene Woche zugestellten Strafbefehl keinen Einspruch einlegen, beendete er so das seit Wochen durch die Schlagzeilen geisternde Verfahren. Damit akzeptierte er aber auch die Anschuldigungen der Ermittler, die wegen Kokainbesitzes gegen den 47-jährigen ermittelten.

Empfindliche Strafe

Über die Details des Strafbefehls war indes am Montagabend wenig zu erfahren. Sicher ist nur, dass die Strafe für den illegalen Kokainbesitz Friedmans weit über den von seinem Anwalt ins Gespräch gebrachten 90 Tagessätzen liegt. In Berlin war zu hören, dass es auf jeden Fall "eine dreistellige Zahl" sei. Die präzise Höhe der Tagessätze berechnet sich nach dem Einkommen des Moderators, das für die Kalkulation durch 30 geteilt wird. Ganz egal, wie hoch die genaue Zahl der Tagessätze auch ist, handelt es sich also um eine empfindliche Strafe. Gleichzeitig muss Friedman mit der Tatsache leben, dass er als vorbestraft gilt. Diese Vorstrafe wird auch ins Zentralregister eingetragen.

Trotzdem scheint für Friedman das Verfahren ein gutes Ende genommen zu haben. Die Taktik seiner Rechtsanwälte zielte von Anfang an darauf, einen öffentlichen Prozess mit ukrainischen Prostituierten als Belastungszeugen zu vermeiden. Von daher scheint die Annahme des Strafbefehls logisch - auch, um das Verfahren möglichst schnell zu beenden.

Kein Deal mit den Ermittlern

Für die Berliner Staatsanwälte ist das Ende ebenfalls ein Erfolg. Sie können mit erhobenem Haupt aus einem Verfahren gehen, in dem sie viel Prügel einstecken mussten. Friedman-Freunde hatten immer wieder versucht, durch diverse Anschuldigungen die Rechtmäßigkeit der Ermittlungen in Frage zu stellen. Die Staatsanwaltschaft wollte um jeden Preis vermeiden, dass man am Ende auf einen Deal einsteigen muss oder die Ermittler Schaden nehmen. Dass Friedman den von der Staatsanwaltschaft ausgestellten Strafbefehl nun akzeptierte, dürfte den Fahndern und auch deren Dienstherren den Rücken stärken.

Am Dienstag wird sich Michel Friedman erstmals seit Beginn der Affäre der Presse stellen. Seit den ersten Berichten war er abgetaucht und nur einmal in Venedig von einem Fotografen "abgeschossen" worden. Nun will er persönlich bei der anberaumten Pressekonferenz in Frankfurt zu dem Verfahren gegen ihn sprechen. Aus Frankfurt war jedoch schon am Montagabend zu hören, dass der Talkmaster keine Fragen beantworten will. Nach seinem Statement will der gefürchtete Fragesteller den Raum sofort verlassen.

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