Kongo Mysteriöses Auftreten der geretteten Affenforscherin

Sichtlich erschöpft trat sie vor die Presse: Die im Urwald im Kongo vermisste Deutsche zeigte sich vier Tage nach ihrer Rettung in der Öffentlichkeit. Über ihr zwölftägiges Verschwinden hüllte sie sich jedoch in Schweigen.


Kinshasa - Man sah der 23-Jährigen bei ihrem Auftritt in der Residenz des deutschen Botschafters in Kinshasa die Strapazen der vergangenen zwei Wochen an: Nach Angaben von Botschafter Axel Weishaupt leidet die junge Affenforscherin an Malaria und der Tropenkrankheit Bilharziose.

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Der Botschafter würdigte ausdrücklich die gute Zusammenarbeit mit den Behörden der Demokratischen Republik Kongo. "Das ist für uns das Ende einer Geschichte, die Gott sei Dank glücklich ausging. " Ein Mitarbeiter des kongolesischen Innenministeriums sagte, dass die Studentin ihre Forschungen eigentlich fortsetzen wollte. "Doch ihr Gesundheitszustand lässt das nicht zu."

Die Studentin selbst gab keinerlei Erklärungen über ihr zwölftägiges Verschwinden ab. Nach Angaben des Leipziger Max-Planck-Instituts für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig hatte sich die Affenforscherin am 22. Mai mit einem Assistenten von ihrem Camp aus in den Wald begeben, um Nester von Zwergschimpansen (Bonobo) zu sichten.

Beide Forscher waren mit Karten, Kompass und Satellitenpeilgerät ausgerüstet. Entgegen der strikten Anweisung, sich nicht voneinander zu trennen, machte sich die Frau aber allein auf den Weg zurück ins Camp, wo sie nicht ankam. Die Studentin wurde nach zwölf Tagen am Montag von Priestern im Salonga-Nationalpark entdeckt.

An der Suche nach der Studentin waren rund ein Dutzend Wissenschaftler des Institutes gemeinsam mit bis zu 50 Einheimischen beteiligt. Die gesamte Mannschaft sei dabei bis an die Grenzen ihrer physischen Belastbarkeit gegangen, hieß es. Zur Unterstützung wurde auch ein Hundesuchtrupp der Johanniter-Auslandshilfe eingesetzt. Die Suche gestaltete sich äußerst schwierig, weil das Max-Planck-Forschercamp an der Grenze zum Salonga Nationalpark von dichtem Regenwald umgeben ist.

Der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft, Peter Gruss, sprach von einer professionellen Koordination einer schwierigen Rettungsaktion. Die Suchmannschaften hatten den Regenwald Tag für Tag vom frühen Morgen bis nach Sonnenuntergang in einem Umkreis von mehr als 50 Kilometern durchkämmt. In dem Gebiet gibt es keine Straßen. Die Kommunikation bei der Suchaktion lief über Funkgeräte und Satellitentelefone.

jjc/AFP



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