Krematoriumskandal Minister bestreitet gemeinsame Verbrennung von Soldaten und Haustieren

In Irak oder Afghanistan getötete US-Soldaten sind offenbar in einem Krematorium eingeäschert worden, das auch zur Verbrennung von Tieren genutzt wurde. Jetzt musste sich US-Verteidigungsminister Gates dafür entschuldigen. Die U.S. Army vergab den Auftrag inzwischen an ein anderes Institut.


Das US-Militär hat offenbar Leichen von im Irak oder in Afghanistan getöteter Soldaten in einem Krematorium verbrannt, in dem auch Haustiere eingeäschert werden. Der Vorgang wurde bekannt, nachdem der republikanische Präsidentschaftsikandidat John McCain, der auch im Armeeausschuss des US-Senats sitzt, vom Verteidigungsministerium eine offizielle Untersuchung einforderte. "Dieser Bericht", sagte McCain, "ist höchst beunruhigend. Unsere Männer und Frauen in Uniform, die das höchste aller Opfer bringen, müssen mit Würde behandelt werden."

US-Verteidigungsminister Gates: Abbitte wegen pietätlosen Umgangs mit gefallenen Soldaten
AP

US-Verteidigungsminister Gates: Abbitte wegen pietätlosen Umgangs mit gefallenen Soldaten

Bei dem Krematorium handelt es sich um ein Privatunternehmen, das von der Luftwaffenbasis in Dover (Delaware) bereits 2001 zur Einäscherung der gefallenen Soldaten aus dem Irak und Afghanistan angesetzt wurde. Nach Angaben des Pentagon-Sprechers Geoff Morrell verfügt das Unternehmen aber über getrennte Anlagen für Tiere und Menschen.

Aufgedeckt hatte die Affäre ein Offizier, der einem gefallenen Kameraden seine letzte Ehre erweisen wollte. Er schickte dem Ministerium noch am Freitag eine E-Mail mit Fotos von der Anlage - mit dem Schriftzug "Friends Forever Pet Cremation Service" ("Freunde für immer Haustier-Krematoriums-Service") als Eingangsschild. Der Krematoriums-Service ist Teil der Dienstleistungen des örtlichen Beerdigungsunternehmens Torbert Funeral, dessen Kerngeschäft die Abwicklung von Einäscherungen sowie Beerdigungen ist.

Der "Fort Mill Times" erklärte Bill Torbert, Chef des Beerdigungsunternehmens, die Affäre als großes Missverständnis: Die Krematoriumsanlage verfüge über drei Gebäude, von denen nur eines für die Einäscherung von Haustieren genutzt werde. Dieses sei durch ein entsprechendes Hinweisschild gekennzeichnet, während die beiden anderen Gebäude keine Schilder oder Bezeichnungen trügen.

Business as usual

Das Krematorium für Haustiere befinde sich in "einem separaten Gebäude", sei von den anderen Anlagen rund sechs Meter getrennt und verfüge über einen eigenen Eingang. Die ganze Anlage unterliege Kontrollen durch die Armee, die sich zuletzt Anfang der Woche dort umgesehen und nichts beanstandet habe.

Dass Krematorien sowohl die Einäscherung menschlicher als auch tierischer Leichen anbieten, ist nicht ungewöhnlich. Die US-Armee vergab den Auftrag an Torbert offenbar auch aus Kapazitätsgründen: Seit 2001 führen zwei Unternehmen in der Region Einäscherungen für die U.S. Army durch. Nach Auskunft der Stützpunktleitung gab und gibt es dort kein Einzelunternehmen, das das Volumen des Armee-Auftrages hätte bewältigen können. Seit die Luftwaffenbasis in Dover zur zentralen Drehscheibe für die Rückführung gefallener US-Soldaten gemacht wurde, hätten 4608 Gefallene die dortigen Prozesse durchlaufen. Wie viele davon vor Ort eingeäschert wurden, ist nicht bekannt.

Eine Fülle von Informationen also, die die Stimmung in den US-Streitkräften nicht unbedingt heben dürften. Entsprechend schnell reagierte das Verteidigungsministerium.

Gates entschuldigt sich

Zwar gebe es keinen Hinweis darauf, dass die toten Soldaten und die Haustiere in derselben Anlage eingeäschert worden seien, doch entschuldige sich Verteidigungsminister Gates für den Missgriff, sagte Pentagon-Sprecher Geoff Morrell noch am Freitag. Der Minister sei der Auffassung, dass die Wahl des Krematoriums "taktlos" sei und "einer würdigen Behandlung unserer Gefallenen" widerspreche, so Morrell. Der Minister habe sofort angeordnet, die Bestattungen in dem Krematorium zu stoppen und die Regeln für die Einäscherung gefallener Soldaten zu überarbeiten. Ab sofort sollten nur noch Krematorien Aufträge der US-Armee bekommen, die direkt mit einem Bestattungsinstitut zusammenarbeiteten.

Seit dem Einmarsch im Ende 2001 starben in Afghanistan fast 500 US-Soldaten, rund 4070 Soldaten kamen seit März 2003 im Irak ums Leben. Es gebe keine Aufgabe, die wichtiger wäre, als "unsere gefallenen Helden in würdiger Weise nach Hause zu bringen", sagte Pentagon-Sprecher Morrell.

pat/AFP/rts

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