14. Oktober 2010, 12:08 Uhr

Kreml-Empfang

Wulff und der Wirbel um die Würmer

Eklat nach einem Festbankett zu Ehren von Bundespräsident Wulff im Kreml: Angeblich fand ein Gouverneur in seinem Salat Regenwürmer. Er fotografierte die außergewöhnliche Fleischbeilage und veröffentlichte das Bild bei Twitter - zum Ärger der Gastgeber.

Moskau - Anfangs nahm Dmitri Selenin das, was ihm am Mittwoch bei einem Essen zu Ehren von Bundespräsident Christian Wulff im Kreml aufgetischt wurde, mit Humor. Im Scherz meinte der 47-jährige Gouverneur von Twer, dies solle wohl zeigen, wie ökologisch frisch die Zutaten bei einem Empfang im prunkvollen Alexander-Saal sind. Selenin knipste ein Foto von seinem Salatteller und veröffentlichte es in seinem Portal beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Der Kremlfunktionär Sergej Prichodko nannte die Vorwürfe am Donnerstag "unverantwortlich und dumm". Man könne sich wegen "Blödheit auch selbst zum Rücktritt bereiterklären", sagte Prichodko. Prompt verschwand das Bild bei Twitter.

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa bestätigten Delegationskreise am Donnerstag nur, dass der Salat im Kreml schlecht gewaschen gewesen sei.

Kreml-Chefkoch Anatoli Galkin meldete sich aus dem Urlaub zu Wort und reagierte empört. "Das ist doch alles Nonsens (Unsinn)!", sagte er russischen Medien zufolge. Er beteuerte, dass alle Mahlzeiten genau geprüft würden. Der prominente russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow sekundierte: "Ganz im Gegenteil, alle Gerichte waren besonders erlesen. Unsere deutschen Kollegen, die mit an meinem Tisch saßen, waren voll des Lobes über die Kremlküche."

Der Bundespräsident hatte am Mittwoch auch Twer besucht, die Partnerstadt seines Geburtsortes Osnabrück. Wulff wollte in Twer die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Region ausloten, hieß es. Selenins Sprecherin Schanna Ljapunowa sagte dort noch einmal, dass der Gouverneur die Geschichte von den Regenwürmern nicht so ernst nehme. "Das kann doch überall passieren: im Wochenendhäuschen, daheim und eben auch im Kreml", sagte sie.

Aus Delegationskreisen verlautete, dass Wulff - auch nach dem Festbankett - wohlauf sei.

jjc/Reuters


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