Tebartz-van Elst Kretschmann wünscht sich Rücktritt des Limburger Bischofs

Der Druck auf Franz-Peter Tebartz-van Elst wächst: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann wünscht sich den Rücktritt des Limburger Bischofs. Die katholische Jugend will mit dem Geistlichen nicht mehr arbeiten. Und ein Amtsbruder sagt, Tebartz-van Elst schade dem Image anderer Bischöfe.

Politiker Kretschmann: "Ich wünsche mir, dass der Bischof zurücktritt"
DPA

Politiker Kretschmann: "Ich wünsche mir, dass der Bischof zurücktritt"


Stuttgart - Winfried Kretschmann ist gläubiger Katholik, Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Sein Wort hat Gewicht. Nun verstärkt der Grünen-Politiker die Gruppe jener, die den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nicht länger im Amt sehen wollen. "Ich wünsche mir, dass der Bischof zurücktritt", sagte Kretschmann.

Zuvor hatte bereits der scheidende Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse den 53-Jährigen aufgefordert, Konsequenzen zu ziehen. "Auch ein katholischer Bischof, obwohl vom Papst ernannt, bedarf des Vertrauens der Gläubigen seines Bistums", sagte der Politiker. Thierse ist ebenfalls Mitglied im ZdK. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hatte gesagt, sein Limburger Amtsbruder könne angesichts der eskalierten Situation nicht mehr in Limburg als Seelsorger arbeiten. Dazu fehle ihm die nötige Akzeptanz.

Die Kosten beim Bau von Tebartz-van Elsts Residenz auf dem Limburger Domberg hatten sich von einer niedrigen einstelligen Millionensumme auf mindestens 31 Millionen Euro erhöht. Kritiker werfen dem Bischof Verschwendung und Prunksucht vor.

Tebartz-van Elst befindet sich derzeit in Rom. Am Dienstag wird er seinen Fall aber nicht mit Papst Franziskus erörtern können. Das Bulletin des Vatikans vermerkte keine Audienz des Papstes, also auch kein Gespräch mit Tebartz-van Elst oder dem Vorsitzenden der deutschen Bischöfe, Robert Zollitsch. Die mittägliche Mitteilung des Heiligen Stuhls führt einen Amtsverzicht und Ernennungen in anderen Ländern auf.

Zollitsch will den Skandal von Limburg in dieser Woche mit dem Papst erörtern. Das Treffen sei für Donnerstag geplant, bestätigte sein Sprecher Matthias Kopp in Rom.

Auch der 53-jährige Tebartz-van Elst möchte mit dem Papst über seine Zukunft reden. Der Bischof verliert zusehends an Rückhalt bei den Gläubigen. Aus Sicht der Mitglieder der katholischen Jugend in Limburg sei eine Katastrophe eingetreten, sagte der Vorsitzende des Bundes der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ), Dirk Tänzler, im rbb-Radio. "Und sie sagen ganz deutlich: Wir können uns nicht vorstellen, mit dem Bischof weiter zusammenzuarbeiten."

Fotostrecke

8  Bilder
Umstrittene Bischofsresidenz: Limburger Millionenliste
Während Tebartz-van Elst auf einen Termin beim Papst wartet, treten in seinem Bistum immer mehr Enttäuschte aus der katholischen Kirche aus. Am Montag bildeten sich Schlangen im Amtsgericht Limburg, wie die "Frankfurter Neue Presse" berichtete. "Eine solche Welle haben wir noch nie erlebt", zitiert sie Sachgebietsleiter Rüdiger Eschhofen.

Die Kritik am Limburger Bischof trifft offenbar auch seine Amtsbrüder. "Die Stimmung gegenüber uns Bischöfen ist negativ", sagte der Fuldaer Bischof Heinz-Josef Algermissen. Auf seinem Flug nach Rom sei er vor kurzem von mehreren Menschen angesprochen worden: "Teilweise haben mir die Kommentare den Atem verschlagen, die Stimmung kippt auch manchmal ins Irrationale", sagte er der "Fuldaer Zeitung". Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hatte zum Fall Tebartz-van Elst gesagt, alle spürten, "wie bedrückend die Situation geworden ist".

Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller warf den Kontrollorganen im Bistum Limburg unterdessen vor, versagt zu haben. "Man staunt wirklich, dass ein solches Palais entsteht und keiner merkt, was hier an Summen verbaut wird", sagte Schüller im Bayerischen Rundfunk. Unter den Vorgängerbischöfen sei im Bistum Limburg immer eine seriöse und konservative Finanzpolitik betrieben worden, sagte Schüller, Referent des früheren Limburger Bischofs Franz Kamphaus. Dieses seriöse Image sei jetzt "mit einem Schlag komplett zerstört" worden.

ulz/dpa

insgesamt 98 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
onkendonk 15.10.2013
1. Und ich wünsche mir..
..den Weltfrieden ..einen Lottogewinn ..einen Fallschirm für jeden im FDP Präsidium Leider, leider, werden wir Beide nicht bekommen was wir uns wünschen!
gog-magog 15.10.2013
2.
Zitat von sysopDPADer Druck auf Franz-Peter Tebartz-van Elst wächst: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann wünscht sich den Rücktritt des Limburger Bischofs. Die katholische Jugend will mit dem Geistlichen nicht mehr arbeiten. Und ein Amtsbruder sagt, Tebartz-van Elst schade dem Image anderer Bischöfe. http://www.spiegel.de/panorama/kretschmann-wuenscht-sich-ruecktritt-des-bischofs-tebartz-van-elst-a-927904.html
Die Kontrollinstanzen haben versagt? Das geht ja wohl in Richtung Kardinal Meissner und den Vatikan unter Ratzinger. Andere Kontrollinstanzen hat ein Bischof in Deutschland nicht. Es gibt keine rechtmäßige Instanz, die einen Bischof wirksam kontrollieren könnte. Wenn Ratzinger hier versagt hat, dann sollte seine Haftpflicht greifen.
marcnu, 15.10.2013
3. Wieviel Geld geben denn die anderen Bischöfe aus?
Die Bücher aller Bistümer sollten mal geöffnet werden.
mathildesch. 15.10.2013
4. Weiß Kretschmann nicht
Weiß Kretschmann nicht, dass Merkel "die Affäre für erledigt erklärt" hat?
spmc-126521672352922 15.10.2013
5. Politiker sollen sich zurueckhalten.
Natuerlich ist die ganze Sache in Limburg absolut zu verurteilen. Aber unsere Politiker sollten sich am besten mit Kommentaren ueber den Bischof zurueckhalten, denn sie koennen es ja auch nicht mit Geld umgehen, kein Vorhaben wird im vorher geplanten Kostenrahmen abgewickelt. Siehe Berliner Flughafen, Stuttgart 21, Hamburger Elbphilharmonie etc.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.