Hetzportal: Priester gibt Textlieferungen an kreuz.net zu

Von

Hendrick Jolie dementierte lange, Texte an das Hetzportal kreuz.net geliefert zu haben, nun hat sich der katholische Priester dazu bekannt. Er kassierte einen Rüffel vom Bistum. Mehr hat er nicht zu befürchten: Bischof Lehmann dankte ihm für die Selbstkritik.

Der Skandal um die Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen war auch deshalb so groß, weil Kirchenvertreter es immer wieder verpassten, Transparenz herzustellen, eine aufklärerische Absicht glaubhaft zu machen, Verantwortliche nicht zu schützen, sondern zu nennen. Die Entwicklungen um das Hetzportal kreuz.net zeigen: Die Geschichte wiederholt sich.

Es wird zugegeben, was nicht mehr geleugnet werden kann. Aus sich selbst heraus für Aufklärung zu sorgen, dafür scheinen manche in der Kirche weiterhin nicht bereit zu sein.

Die Ermittlungen laufen zu den Hintermännern des Portals, die Staatsanwaltschaft Berlin ist dran, ebenso die Staatsanwaltschaft Wien. Insgesamt sechs Personen stehen im Verdacht, mit kreuz.net in Verbindung zu stehen, drei davon leben in Österreich.

"Entgegen früheren Darstellungen auch Texte geliefert"

Bei einem Priester gibt es nun keine Zweifel mehr: Hendrick Jolie hat zugegeben, für das Portal geschrieben zu haben und mit der Redaktion in Kontakt gewesen zu sein. Das hätte er auch schon Ende Oktober tun können, nachdem der SPIEGEL unter anderen ihn als Autor von kreuz.net nannte. Doch das Netzwerk katholischer Priester, in dessen Sprechergremium Jolie sitzt, erklärte, die Texte seien ohne Mitwissen des Priesters auf dem Portal veröffentlicht worden.

Dagegen sprach einiges. Doch Jolie erklärte am 15. November erneut: "Weder war noch bin ich ein ausgewiesener Autor von kreuz.net." Allerdings räumte er nun ein, "leichtfertig" mit dem Portal umgegangen zu sein. Er habe zu spät gegen die Veröffentlichung seiner Texte protestiert und sich im Kommentarbereich an Diskussionen beteiligt. Eben das, was längst nicht mehr zu leugnen war.

Das Bistum Mainz bestellte Jolie daraufhin zum Gespräch ein. Gegenüber dem Generalvikar, dem Justiziar des Bistums und dem Personaldezernenten erklärte Jolie nun, dass er "entgegen früheren Darstellungen auch Texte lieferte". Das gab das Bistum jetzt in einer Presseerklärung bekannt.

Jolie hat - soweit bisher bekannt - keine hetzerischen Texte verfasst, er beschäftigt sich aus erzkonservativer Sicht mit kirchenpolitischen Fragen. Dafür ist das Netzwerk bekannt: Es hält wenig von Reformen und viel von alter Liturgie, nennt Homosexualität auf seiner Internetseite "eine schwere Sünde und etwas in sich Schlechtes".

Doch auch wenn Jolie auf kreuz.net offenbar keine Hetzartikel schrieb, trägt sein Mitwirken an der Seite zu deren Erfolg bei, was auch das Bistum nun feststellt: Jolies Kontakt zum Portal habe "inakzeptable Verletzungen einer Reihe von Menschen mit sich gebracht", das sei "eines Priesters unwürdig". Jolie entschuldigte sich in einem Brief beim Mainzer Bischof Karl Lehmann für sein "unkluges und unüberlegtes Handeln". Der Bischof nahm die Entschuldigung an und dankte Jolie "für seine Bereitschaft zur selbstkritischen Umkehr".

Kirchenrechtliche oder arbeitsrechtliche Konsequenzen wurden keine gezogen, wie sie der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, gefordert hatte und viele erwartet hatten.

Kirchenmusiker dementiert Verbindungen zu kreuz.net

Für Jolie mag es das gewesen sein, die Ermittlungen indes gehen weiter. In einem 18-seitigen Dossier, das der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellte und das SPIEGEL ONLINE vorliegt, wird der Musikwissenschaftler und Kirchenmusiker Gabriel Steinschulte als einer der möglichen Drahtzieher von kreuz.net dargestellt. Auch ein weiteres Dokument, das den Ermittlern übergeben wurde, nennt ihn als möglichen Hintermann des Portals.

Gegenüber SPIEGEL ONLINE dementierte Steinschulte: Texte, die unter seinem Namen auf kreuz.net veröffentlicht wurden, entstammten einem Vortrag, den er im Jahr 2005 gehalten habe. Sie seien ohne sein Wissen oder Zutun auf kreuz.net veröffentlicht worden. Tatsächlich ist die Abschrift der Vorträge im Internet zu finden, tatsächlich weisen sie große Gemeinsamkeiten mit den kreuz.net-Artikeln auf. Der Kirchenmusiker verneinte jegliche Zusammenarbeit mit dem Portal und versicherte: Auch in Zukunft werde man von ihm nichts anderes hören.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS
alles zum Thema Katholische Kirche
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback