Luxusliner ignoriert Schiffbrüchige "Gott wird ihnen nicht vergeben"

Ein Fischerboot in Seenot trieb wochenlang im Pazifik, ein Kreuzfahrtschiff fuhr einfach vorbei - obwohl Passagiere offenbar die Besatzung alarmierten. "Wir dachten, sie kommen, um uns zu retten", sagt der einzige überlebende Schiffbrüchige. Die Reederei des Cruisers prüft den Fall.

AP

Rio Hato/Panama - Wenn es sich auf dem Pazifik so zugetragen hat, wie mehrere Augenzeugen und der Fischer Adrian Vásquez erzählen, dann ist es ein besonders grausamer Fall von Ignoranz. Ein Luxusliner soll drei Schiffbrüchige nicht aufgenommen haben, obwohl Passagiere die Besatzung auf den manövrierunfähigen Fischkutter aufmerksam gemacht haben wollen.

Zwei Menschen starben, Vásquez wurde gerettet. Trotz ihrer Signale sei das Kreuzfahrtschiff an ihnen vorbeigefahren, sagte der Fischer aus Panama. Zu diesem Zeitpunkt seien sie seit mehr als 16 Tagen auf dem Meer getrieben. Wenn er daran denke, sei er immer noch wütend. "Ich sagte, 'Gott wird ihnen nicht vergeben'", erinnert sich Vásquez an den tragischen Moment.

Er habe mit einem Pullover gewinkt, sein Freund mit der orangefarbenen Rettungsweste. "Wir waren glücklich, wir dachten, sie kommen, um uns zu retten."

Zur gleichen Zeit machten Passagiere an Bord der "Star Princess" offenbar die Besatzung auf die Notlage der Fischer aufmerksam. Ein Mann und eine Frau aus den USA, die Vögel beobachteten, entdeckten den manövrierunfähigen Kahn durch ihre Ferngläser.

Sie hätten einen Ladenangestellten sogar durch ein Fernglas sehen lassen, um auf die Situation aufmerksam zu machen, sagten Jeff Gilligan aus Portland und Judy Meredith aus der Stadt Bend in Oregon. Der Verkäufer habe ihr versichert, er habe die Information an die Crew weitergegeben, so Meredith. Sie habe auch noch eine E-Mail an die US-Küstenwache abgesetzt, der Weg zur Brücke sei ihnen versperrt geblieben. Das Schiff fuhr weiter.

"Es war sehr verstörend", sagte Gilligan. "Wir haben noch andere Leute gefragt: 'Was können wir tun?' Die Antwort war: 'Ihr habt getan, was ihr konntet.' Der Gedanke, dass vielleicht nicht alles getan wurde, ist sehr frustrierend."

Vásquez wurde nach 28 Tagen auf See gerettet. Seine Freunde waren längst tot. Ihre Leichen habe er über Bord geworfen, als sie in der Hitze zu faulen begonnen hätten, so der 18-Jährige.

Die Reederei Princess Cruises untersucht nun, ob es tatsächlich ihre Besatzung war, die das Fischerboot ignorierte. Vorläufige Untersuchungen hätten ergeben, dass die Nachricht von den Schiffbrüchigen nie den Kapitän oder den Ersten Offizier erreicht habe. Sonst hätten sie den Kurs geändert, erklärte das Unternehmen, wie dies schon mehr als 30-mal in den vergangenen zehn Jahren der Fall gewesen sei. Das Unternehmen drückte Vásquez und den Angehörigen der Verstorbenen sein Beileid aus.

hut/AP



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