Russischer Fernsehsender US-Moderatorin schmeißt vor laufenden Kameras hin

"Ich kann nicht für einen Sender arbeiten, der die Taten Putins beschönigt": Mit diesen Worten hat eine US-Moderatorin des russischen Nachrichtensenders Russia Today vor laufenden Kameras gekündigt. Hintergrund ist die Haltung Moskaus im Ukraine-Konflikt.

RT-Moderatorin Liz Wahl (Sreenshot): "Taten Putins beschönigt"

RT-Moderatorin Liz Wahl (Sreenshot): "Taten Putins beschönigt"


Moskau/Washington - Eine US-Moderatorin des Kreml-nahen TV-Senders RT (Russia Today) hat wegen Russlands Haltung im Ukraine-Konflikt vor laufenden Kameras ihren Job gekündigt. "Ich kann nicht für einen von der russischen Regierung finanzierten Sender arbeiten, der die Taten Putins beschönigt", sagte Liz Wahl mit Blick auf den Kurs des russischen Präsidenten Wladimir Putin in der Krim-Krise. "Ich bin stolz, eine Amerikanerin zu sein und glaube daran, die Wahrheit zu verbreiten." Daher werde sie ihren Job nach der Sendung aufgeben.

Wahl arbeitete von Washington aus für den Nachrichtensender, dessen Programm nach eigenen Angaben auf Englisch, Spanisch und Arabisch ausgestrahlt wird. RT besitzt demnach 22 Außenbüros, unter anderem in Washington, New York, London und Berlin.

Während ihrer Sendung sagte Wahl mit stockender Stimme, als Reporterin bei RT stehe sie vor ethischen und moralischen Problemen. "Meine Großeltern kamen als Flüchtlinge während der ungarischen Revolution hierher (in die USA - d. Red.), ironischerweise, um der sowjetischen Armee zu entkommen." Sie selbst habe großes Glück, in den Vereinigten Staaten aufgewachsen zu sein.

Am Montag hatte bereits eine andere US-Moderatorin des Senders mit ihrer scharfen Kritik an Moskaus Politik überrascht. "Was Russland gemacht hat, ist falsch", sagte Abby Martin in ihrer Sendung "Breaking the Set": "Militärinterventionen sind nie eine Lösung." Sie werde nicht herumsitzen und eine "militärische Aggression verteidigen". Sie könne gar nicht oft genug sagen, wie sehr sie die Einmischung eines Staates in die Angelegenheiten einer "souveränen Nation" ablehne, sagte Martin.

RT distanzierte sich von Martins Äußerungen; sie darf allerdings weiter für den Sender arbeiten. Wahls Kündigung vor laufenden Kameras bezeichnete RT in einer Stellungnahme als "Show" und "Werbegag in eigener Sache". Man wünsche ihr viel Glück auf dem eingeschlagenen Weg.

rls/AFP/Reuters

Mehr zum Thema


Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 102 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
vorschau 06.03.2014
1. In Washington
Vom sicheren Hort läßt sichs gemächlich raten. Tapfere kleine Amerikanerin.
japox 06.03.2014
2. Es ist ja auch alles so einfach,
Russland ist das Böse und alles ist schlecht. Oder etwa nicht?
universalinfidel 06.03.2014
3. So Mutig
Meinen tiefsten Respekt für diesen Mut und diese Konsequenz.
kabian 06.03.2014
4. Rückschritte der Evolution
Wo ich auch hinsehe, Propaganda auf allen Seiten.
Clem 06.03.2014
5.
Zitat von vorschauVom sicheren Hort läßt sichs gemächlich raten. Tapfere kleine Amerikanerin.
Immerhin schmeißt sie Ihren Job aus Gewissensgründen hin. Diese Größe haben auch in der "freieren Welt" nicht sehr viele. Ich empfinde Ihren Sarkasmus daher als fehl am Platz.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.