Krisengewässer vor Somalia Geiseln befreit, Piraten verlassen Luxusyacht

Eine Woche waren sie in der Gewalt somalischer Piraten - jetzt wurde die Besatzung der Luxusyacht "Le Ponant" befreit. Die schwerbewaffneten Seeräuber gingen von Bord, der Dreimaster ist auf dem Weg nach Dschibuti.

Von , Paris


Paris - Zumindest nach außen hatte Frankreich militärisch Muskeln gezeigt: Der Generalstab hatte Mitte der Woche noch den Hubschrauberträger "Jeanne d'Arc" - auf dem Weg von Madagaskar zur kenianischen Hafenstadt Mombasa - an den Golf von Aden umdirigiert.

Der Kreuzer, auf Heimatkurs nach einer Ausbildungsfahrt für Offiziersanwärter, wurde zur Verstärkung für die "Commandant-Bouan" in Marsch gesetzt. Die Fregatte war vor der Reede des Städtchens Garacad vor Anker gegangen, nachdem somalische Piraten am 4. April den französischen Luxussegler "Ponant" stürmten und seither die 30-köpfige Besatzung, darunter 22 Franzosen, sechs von ihnen Frauen, in ihrer Gewalt hielten.

Zusammen mit der Flugabwehr-Fregatte "Jean Bart" ließ Paris damit vor der Provinz Bari, im Süden der selbsternannten autonomen Region Puntland, eine beachtliche Marinestreitmacht zusammenziehen. Denn nur die "Jeanne", die an Bord über fünf Hubschrauber vom Typ Puma und Gazelle verfügt, war in der Lage, Interventionsgruppen der Nationalen Gendarmerie (GIGN) oder Einheiten des Kommandos für Sonderoperationen (COS) in die Nähe des gekaperten Seglers abzusetzen - die "Commandant-Bouan", eine hochbewaffnete Fregatte zur küstennahen U-Bootbekämpfung, verfügt aber weder über Helikopter noch Lazarettkapazität.

Die Mobilisierung dieser "schweren Mittel" bedeutete zwar nicht, dass Paris die Erstürmung der "Ponant" vorbereitete - als Drohgebärde könnte die Massierung der französischen Armada auf die Geiselnehmer durchaus gewirkt haben.

Mindestens genauso denkbar ist freilich, dass die Überzeugungskraft von üppigen Euro- oder Dollarzahlungen die Piraten zum Einlenken brachte.

In der Vergangenheit hatten Geiselnehmer am Golf von Aden für ihre Prisen - soweit bekannt - Beträge von bis zu einer halben Million Dollar eingestrichen. Und immerhin: Während im somalischen Dschibuti die GIGN-Kommandos und Kampfschwimmer der Marine zusammengezogen wurden, gab es nach einer ersten Kontaktaufnahme langwierige Verhandlungen zwischen Paris und den Mittelsmännern der Piraten.

Das sorgte zumindest an Bord der "Polant" für eine halbwegs entspannte Stimmung. Zuletzt war die Besatzung des gekaperten Luxusschiffes am gestrigen Donnerstag mit Wasser und Verpflegung versorgt worden - was den Eindruck erweckte, Paris spiele auf Zeit.

Ob die Freilassung per Kommandounternehmen oder per Scheck erfolgte, mochte auch Alain Joyandet, als Staatsekretär für Kooperation zuständig für die Beziehungen zu Afrika, nicht sagen; er nannte die Befreiungsaktion lediglich ein Unternehmen mit "hohem Risiko". Sein Vorgesetzter, Außenminister Bernard Kouchner, kündigte an, die befreiten Geiseln würden umgehend nach Frankreich repatriiert.

Mit den Details des Erfolgs will Präsident Nicolas Sarkozy selbst vor die Öffentlichkeit treten - für den politisch angeschlagenen Staatschef eine Gelegenheit, sich - fern von Reizthemen wie Teuerung, Beamtenentlassung und Schülerstreiks - als dynamischer Macher und mitfühlendes Oberhaupt von Frankreichs Bürgern zu profilieren.

Das Schiff werde voraussichtlich am Dienstag in Dschibuti erwartet, sagte Jean Louis Gaudaire von der Reederei CMA-CGM, der das Boot gehört, der Nachrichtenagentur AFP. Es sei unklar, ob die Besatzung die "Le Ponant" dorthinbringen werde. Es sei möglich, dass nur der Kapitän an Bord bleibe und französische Marinesoldaten die Aufgaben der Besatzung übernähmen.

mit Material von AFP



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