Krisenmanagement 60 tote Deutsche identifiziert - Fischer reist in Katastrophenregion

Die Zahl der identifizierten deutschen Todesopfer ist auf 60 gestiegen. Das gab der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Klaus Scharioth, heute nach einer Sitzung des Krisenstabs der Bundesregierung in Berlin bekannt.


US-Helikopterbesatzung, Überlebende in Banda Aceh: "Das schlimmste Desaster, mit dem die Vereinten Nationen je zu tun hatten"
AFP

US-Helikopterbesatzung, Überlebende in Banda Aceh: "Das schlimmste Desaster, mit dem die Vereinten Nationen je zu tun hatten"

Berlin - 46 Todesopfer seien in Thailand, 14 in Sri Lanka identifiziert worden. Die Zahl der als vermisst gemeldeten Deutschen steige weiter, sagte Scharioth. "Wir liegen jetzt sehr deutlich über tausend." Von Tag zu Tag wachse die Wahrscheinlichkeit, dass viele der Vermissten nicht zurückkehren. Die Zahl der registrierten deutschen Verletzten blieb konstant bei rund 300.

Bundesaußenminister Joschka Fischer wird Ende kommender Woche in die asiatische Katastrophenregion reisen, sagte Scharioth. Am genauen Reiseplan werde derzeit noch gearbeitet. Gegen Ende der Woche werde der Wiederaufbau in der Krisenregion immer mehr ins Zentrum der Hilfsbemühungen rücken, sagte Scharioth. In diesem Zusammenhang sei die Reise des Ministers zu sehen.

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Flutkatastrophe Südostasien: Zwischen Lethargie und Neubeginn

Zuvor war bekannt geworden, dass Uno-Generalsekretär Kofi Annan zur Geberkonferenz für die Überlebenden der Flutkatastrophe in Süd- und Südostasien nach Jakarta reist. In einem Interview des amerikanischen Fernsehsenders ABC nannte Annan die Katastrophe "das schlimmste Desaster, mit dem die Vereinten Nationen je zu tun hatten". Die Konferenz soll am Donnerstag in der indonesischen Hauptstadt stattfinden, sagte der Uno-Chef in dem Gespräch, das ABC im Laufe des Tages ausstrahlen wird.

Er lobte die Hilfsbereitschaft der internationalen Gemeinschaft "so großzügig wie nie zuvor oder zumindest lange nicht mehr". Die Welt habe mehr Geld für die Betroffenen am Indischen Ozean zur Verfügung gestellt als für alle anderen Krisen und Konflikte in 2004 zusammen. Nach seiner Einschätzung dürfte die Wiederherstellung und der Neuaufbau der betroffenen Länder zwischen fünf und zehn Jahren andauern.

Der Uno-Chef zeigte sich zuversichtlich, dass die Weltorganisation, die besonders während des Irak-Programms "Öl für Lebensmittel" in die Kritik geraten war, die Zweifel an ihrer Arbeit aus dem Weg räumen werde. Er hoffe, dass die Uno in Asien beweisen könne, was sie zu bewerkstelligen in der Lage ist, sagte Annan.

Die internationalen Hilfszahlungen und Zusagen an Finanzmitteln belaufen sich mittlerweile auf mehr als zwei Milliarden Dollar (etwa 1,5 Milliarden Euro). Allein Japan stockte seine Hilfe auf 500 Millionen Dollar auf und ist damit der größte Einzelgeber. "Wir werden Material für Unterkünfte für etwa ein Fünftel der betroffenen Bevölkerung bringen, das ist aber erst der Beginn unserer Hilfsoperation", erklärte Uno-Flüchtlingskommissar Ruud Lubbers.

Auch Powell reist ins Katastrophengebiet

Vor Annan war am Samstag bereits die Direktorin des Uno-Kinderhilfswerks Unicef, Carol Bellamy, in das Katastrophengebiet abgeflogen. US-Außenminister Colin Powell und Floridas Gouverneur Jeb Bush wollten am heute ebenfalls nach Süd- und Südostasien aufbrechen. Powell will sich einen Überblick verschaffen, welche internationale Hilfe zum langfristigen Wiederaufbau der Wirtschaft und Infrastruktur notwendig ist.

Die US-Regierung hatte vor der Reise ihre Soforthilfe auf 350 Millionen Dollar (258 Millionen Euro) verzehnfacht. Sowohl Powell als auch US-Präsident George W. Bush haben weitere langfristige Hilfe in Aussicht gestellt. Für die USA hat dabei nach den Worten von Powell die besonders hart getroffene indonesische Provinz Aceh an der Nordspitze der Insel Sumatra Priorität.

Der Uno-Beauftragte für humanitäre Einsätze, Jan Egeland, erklärte, trotz der großen Hilfsbereitschaft werde es in einigen Regionen noch Tage dauern, bis die Unterstützung die Betroffenen erreiche. Dies betreffe vor allem die indonesische Insel Sumatra, aber auch Sri Lanka und die Malediven. Für die Hilfslieferungen würden zahlreiche Hubschrauber, hunderte Schiffe, mehrere hundert Lastwagen und Transportflugzeuge gebraucht. Noch immer fehle fünf Millionen Menschen das Nötigste zum Überleben. Allein in Indonesien seien eine Million Opfer auf Lebensmittelhilfe angewiesen, dort bestehe zudem ein erhebliches Cholera-Risiko.



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