Krisenmanagement Deutschland schickt mehr Helfer

Deutschland verstärkt seine Hilfsmaßnahmen für die Opfer der Flutkatastrophe in Südasien. Das Versorgungsschiff "Berlin" ist auf dem Weg ins Katastrophengebiet. Das Schiff mit 45 Betten und Kapazität für 100 weitere Bedürftige wird in einigen Tagen eintreffen.


Deutscher THW-Mitarbeiter in Khao Lak: Auch die Bundeswehr schickt jetzt Helfer in die Region
DPA

Deutscher THW-Mitarbeiter in Khao Lak: Auch die Bundeswehr schickt jetzt Helfer in die Region

Berlin - Die Bundeswehr verstärkt ihre Hilfe für die Flutopfer in Asien. In der indonesischen Katastrophenprovinz Aceh werde eine Krankenstation errichtet, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums heute in Berlin. Das habe die Bundesregierung entschieden. Schnellstmöglich werde ein Erkundungskommando von acht Soldaten in die verwüstete Region entsandt. Für den Einsatz hielten sich 100 Soldaten bereit. In weniger als einer Woche soll das Lazarett einsatzbereit sein, sagte der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Klaus Scharioth. Zudem wird das Versorgungsschiff "Berlin" der Marine vom Golf von Oman ins Katastrophengebiet verlegt.

Die Zahl der vermissten Deutschen steigt den Angaben zufolge weiter. "Wir liegen deutlich über tausend", sagte Scharioth heute nach einer Sitzung des Krisenstabes. "Die Wahrscheinlichkeit, dass viele der Vermissten nicht zurückkehren werden, ist sehr hoch. Es gibt zu großem Optimismus keinen Anlass."

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Identifiziert sind bislang 34 deutsche Urlauber. Daran werde sich in den nächsten Tagen vermutlich nicht viel ändern, weil die DNS-Analysen und der Abgleich der Zahnstellung der Toten sehr aufwendig sei, sagte Scharioth. Er riet Angehörigen von Vermissten dringend davon ab, selbst in die Krisenregion zu reisen. "Sie können in der Region nichts bewirken." Straßensperren wegen der Bergung der Opfer und wegen der Seuchengefahr machten das Vorwärtskommen unmöglich.

Gut 6700 deutsche Touristen seien inzwischen aus der Krisenregion zurückgekehrt, sagte Scharioth. Die Evakuierung der Verletzten gehe planmäßig weiter. Insgesamt seien rund 300 deutsche Verletzte registriert.

Todesopfer nach Ländern*

Indonesien 98.489
Sri Lanka 30.680
Indien 15.782
Thailand 5291
Somalia 298
Birma 90
Malediven 82
Malaysia 74
Deutschland 60
Schweden 52
Großbritannien 41
USA 35
Japan 23
Schweiz 23
Frankreich 22
Italien 20
Norwegen 16
Australien 17
Finnland 15
Südkorea 11
Tansania 10
Österreich 10
Russland 10
Südafrika 10
Singapur 9
Hongkong 8
Dänemark 7
Niederlande 7
Belgien 6
Kanada 5
Polen 5
Israel 4
China 3
Taiwan 3
Bangladesch 2
Brasilien 2
Argentinien 2
Neuseeland 2
Mexiko 2
Kenia 1
Kroatien 1
Irland 1
Tschechien 1
Chile 1
Kolumbien 1
Türkei 1

*amtliche Angaben

Insgesamt sind bislang 125.000 Tote von offizieller Seite bestätigt. Die Hilfe für die Überlebenden wird zum Wettlauf mit der Zeit: Seuchen, Wassermangel und eine Hungersnot bedrohen die Menschen in den Krisengebieten. Auf Sri Lanka werden Wasser und Nahrung knapp. In Indonesien sind Zeitungsberichten zufolge möglicherweise bereits hunderte Menschen an Cholera erkrankt. Zerstörte Straßen, ein Mangel an Fahrzeugen und Fehler bei der Koordinierung behindern dort die Hilfsarbeiten.

"Transport, Kommunikation, alles ist zusammengebrochen", berichtete eine Sprecherin der Hilfsorganisation Oxfam heute aus dem besonders schwer getroffenen Norden der Insel Sumatra.

Angesichts der konstant hohen Vermisstenzahlen scheinen sich Befürchtungen, die Flutwelle könnte deutlich mehr als 150.000 Menschen den Tod gebracht haben, zu bewahrheiten. Allein die indonesische Regierung rechnet nun mit 100.000 Toten, offiziell bestätigt waren zunächst knapp 80.000 Opfer. In Sri Lanka wurden 28.475 Tote bestätigt. Die beiden Länder sind am schwersten von der Katastrophe betroffen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden insgesamt in den Krisenregionen bis zu fünf Millionen Menschen obdachlos.

Die Gefahr für die Überlebenden wächst: "Viele Kinder leiden bereits an extremen Durchfallerkrankungen und brauchen dringend Hilfe", sagte Brenda Langdorn, Programmdirektorin von Care International in Indonesien. Das Eindringen von Meerwasser in das Trinkwassersystem, das feucht-schwüle Klima der Regenzeit und die unzähligen ungeborgenen Leichen seien eine fatale Kombination. Das derzeit der Bevölkerung zur Verfügung stehende Wasser beinhalte bis zu 50 verschiedene Krankheitserreger.



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