Kritik an 400-PS-Sportwagen Maserati-Mann empört Obdachlosenhelfer

Seine Klientel hat oft nur das, was sie am Leib trägt. Harald Ehlert, Chef der gemeinnützigen Organisation "Treberhilfe Berlin", sitzt im Maserati. Er sollte ein Fahrtenbuch führen, nachdem der Dienstwagen geblitzt wurde. Der 47-Jährige klagt dagegen - und muss sich nun harsche Kritik gefallen lassen.

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Harald Ehlert: Als Chef der "Treberhilfe" lässt er sich im Maserati chauffieren
Tagesspiegel / Thilo Rückeis

Harald Ehlert: Als Chef der "Treberhilfe" lässt er sich im Maserati chauffieren


Hamburg - Harald Ehlert ist ein Mann der Tat. Vor rund zwei Wochen erst trommelte er im Rathaus Schöneberg 200 Vertreter gemeinnütziger Organisationen zusammen. Ziel der Aktion: Mehr Transparenz bei sozialen Einrichtungen, die nachweisen sollen, dass sie das ihnen zur Verfügung gestellte Geld sinnvoll ausgeben. Sein Mut, das Thema offen anzupacken, wurde als Pionierarbeit gelobt.

Ehlert, ein massiger Mann mit schwarzem Borsalino, Lederstiefeln und Vollbart, ist seit mehr als 20 Jahren Chef der gemeinnützigen Organisation "Treberhilfe Berlin", die Obdachlose unterstützt. Dass er in dieser Funktion im Maserati vorfährt oder sich von einem Chauffeur kutschieren lässt, ist in der Hauptstadt seit einem Jahr bekannt. Nun erfährt auch der Rest der Republik davon und wundert sich, warum der Chef einer Organisation, die sich für Arme einsetzt, einen 400-PS-starken Dienstwagen benötigt, der rund 100.000 Euro kostet.

Publik wurde das schillernde Gebaren erneut nur deshalb, weil Ehlert - der sich selbst als "Sozialkapitalist" bezeichnet - nun vor dem Verwaltungsgericht in Berlin klagt. Die Luxuskarosse war im Juni 2009 im Müritzkreis in Mecklenburg-Vorpommern am Ortsrand von Bütow-Dambeck geblitzt worden - der Tacho zeigte Tempo 96 in einem Bereich, in dem 70 erlaubt ist. Die Strafe für den Fahrer betrug 80 Euro Bußgeld und drei Punkte in der Flensburger Verkehrssünderkartei. Doch wer steuerte den Wagen?

Weil die Behörden den Fahrer nicht ermitteln konnten, sollte die als gemeinnützig eingetragene GmbH fortan ein Fahrtenbuch führen. Doch das lehnte Ehlert ab. Er habe vorgeschlagen, die drei Personen, die den Maserati führen - er und zwei Fahrer - zu nennen und per Lichtbild für künftige Fälle zu hinterlegen, sagte er SPIEGEL ONLINE. Weil darauf nicht reagiert worden sei, habe er schließlich gegen die Auflage des Fahrtenbuchs Einspruch eingelegt. Der Prozess soll am Mittwoch stattfinden.

Darf ein Obdachlosenhelfer einen Maserati fahren?

Dass dieser Schlamassel die bereits vor einem Jahr in Berlin geführte Diskussion um seinen Maserati Quattroporte erneut hochkochen würde, hat Ehlert nicht erwartet. "Für mich war das Thema durch, die offensive Debatte darüber, was Sozialarbeit ist, war ausführlich diskutiert worden."

Der 47-Jährige gibt zu, dass ihn die Anfeindungen nun ärgern und schiebt fast trotzig nach: "Ein bisschen provozieren wollte ich aber auch: Warum darf einer, der Hunderte Eigentumswohnungen besitzt, mit seinem Ferrari über den Ku'damm donnern, aber einer, der 10.000 Leute aus Hartz IV geholt hat, nicht?" Das sei nur ehrenrührig, wenn man sich an der Not der Menschen bereichere. Das tue er aber nicht. "Wir verdienen nicht an der Armut der Leute", sagt Ehlert bestimmt. "Der Schwache braucht Hilfe. Aber muss der, der Hilfe bringt, schwach daherkommen?"

Die "Treberhilfe Berlin" kümmert sich um Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben. Laut Ehlert ermöglicht die Organisation pro Jahr 3700 Bedürftigen "gute Perspektiven", holt sie aus der Armut mit Hilfe von knapp 30 Projekten wie Beratungsstellen, Wohneinrichtungen, Straßensozialarbeit. Außerdem gibt es ein Möbellager.

Zuletzt hat die "Treberhilfe" in Berlin für mehr als eine Million Euro die "Villa Lichtblick" errichtet, ein Haus für wohnungslose Frauen ab 18 Jahren, das 24 Stunden geöffnet ist. Ein besonderes Projekt, da obdachlose Frauen bekanntlich selten Schutz in den meist männerdominierten Wohnheimen suchen.

Wie teuer war die Luxuskarosse?

Ehlert hat inzwischen 280 Mitarbeiter unter sich. Im Jahr 2009 hatte die gemeinnützige GmbH eigenen Angaben zufolge einen Umsatz von rund 15 Millionen Euro, zehn Millionen Euro seien in den vergangenen drei Jahren investiert worden, sagt Ehlert. "Wir sind kein kleiner Verein mehr."

Und wer kein "kleiner Verein" mehr ist, könne sich auch ein repräsentatives Auto leisten. Es ginge schließlich auch darum, ernst genommen zu werden. "Sozialwirtschaft ist heute auch einfach Wirtschaft. Da ist auch die Außenwirkung einer Hilfsorganisation wichtig." Der Wagen sei als gemeinnütziges Vermögen anerkannt. "Wir haben ihn als repräsentatives Dienstfahrzeug angeschafft, als wir entschieden haben, Immobilien zu kaufen, um sie für Obdachlose zu sanieren", so Ehlert. Er sei stolz darauf, dass er einen Immobilienpool geschaffen habe, der 14 Millionen Euro stark sei.

Trotzdem - ein Geschmäckle der Causa Maserati bleibt.

Thomas Specht, Chef der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG) kann die Wahl des Gefährts nicht nachvollziehen: "Ich kenne keinen Wohlfahrtsverband, in dem ein solches Luxusauto gefahren wird. Man muss im Bereich der Armenhilfe nicht in Sack und Asche auftreten, die Verhältnismäßigkeit sollte jedoch gewahrt bleiben."

Der Bund der Steuerzahler hält einen Maserati als Dienstwagen für den Chef einer sozialen Einrichtung für mehr als "unangemessen", weil das verwendete Geld eben vom Steuerzahler komme. Ehlert schnaubt und sagt: "Jeder Mercedes eines Tiefbauunternehmers zwischen Flensburg und Bayreuth kommt vom Steuerzahler!"

Auch das Finanzamt habe bereits kritisch nachgefragt, ob das "gemeinnützig" sei. "Ist es", sagt Ehlert. "Wir haben überprüfen lassen, was vergleichbare Organisationen für Dienstwagen haben - und was wir uns leisten ist völlig angemessen."

Wie teuer war er denn, der Maserati? - "Wir haben eine sehr günstige Finanzierung bekommen. Er kostet uns durch einen Mietkaufvertrag so viel wie ein Audi A8." Die Alternative seien ein Audi A6 oder ein 7er BMW gewesen - "Doch der Maserati war günstiger!", ruft Ehlert triumphierend. Der gesamte Fuhrpark der "Treberhilfe" umfasse vier Lastwagen und zehn Pkw - darunter auch mehrere BMW.

Er lege wöchentlich rund tausend Kilometer im Auto zurück - meist auf der Rückbank. "Wenn ich selbst fahren würde, käme ich zu gar nichts", sagt Ehlert, der während des Gesprächs mit SPIEGEL ONLINE übrigens chauffiert wird - natürlich im Maserati.

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insgesamt 321 Beiträge
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Seite 1
denkmal! 18.02.2010
1. Hut ab!
Schade, dass nicht mehr Rolls Royce, Bentley, Maserati, Ferrari, Lamborghini, Porsche, Mercedes, BMW, Audifahrer so ein soziales Engagement an den Tag legen, wie Herr Ehlert! Hut ab, Herr Ehlert! Aber bitte trotzdem nicht zu schnell fahren! Und ab und zu ein paar Penner/innen mitnehmen! Das Geschütz hat ja vier Türen...
norrin radd 18.02.2010
2. Sozial?
Zitat von sysopSeine Klientel hat oft nur das, was sie am Leib trägt. Harald Ehlert, Chef der gemeinnützigen Organisation "Treberhilfe Berlin", sitzt im Maserati. Er sollte ein Fahrtenbuch führen, nachdem der Dienstwagen geblitzt wurde. Der 47-Jährige klagt dagegen - und muss sich nun harsche Kritik gefallen lassen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,678856,00.html
Ohne 1€Jobber und die staatlichen Zuschüsse, zu einem guten Teil auf Kosten von Vollzeitarbeitsplätzen (Tierheim usw.), wären solche "Karrieren" wohl nicht möglich. Fragt sich wer da wem hilft. Einfach nur asozial das Ganze. Der Maseratti ist da noch das Wenigste.
Tyxaro, 18.02.2010
3. Das Problem....
...an der Sache ist ja folgendes: am liebsten würd man einfach nix mehr spenden, aber damit schadet man den Leuten die mal garnix dafür können das solche arroganten Menschen so mit Geld umgehen. Nur wie soll man es am besten angehen, in anderen Firmen werden auch die Geschäftsführer mit Millionen-Honoraren abgespeist wo ein Mensch mal eben das Gehalt von 100 Mitarbeitern und mehr Leuten verschluckt. Wir müssen uns solangsam eingestehen das wir in einer echt beschissenen Welt leben, in der so einiges Schief läuft. Und wenn sich das nicht bald ändert, wird es warscheinlich ausmaße annehmen die wir alle nicht wollen, ich erinner mich da an so Namen wie RAF oder NSDAP. Und da das keiner will, sollten wir mal wieder realistisch an die Sache gehen. Keinsch Mensch ist es Wert als gehalt mal eben Millionen zu Kassieren.
olle kalle 18.02.2010
4. Warum gerade jetzt diese Aufregung?
Zitat von sysopSeine Klientel hat oft nur das, was sie am Leib trägt. Harald Ehlert, Chef der gemeinnützigen Organisation "Treberhilfe Berlin", sitzt im Maserati. Er sollte ein Fahrtenbuch führen, nachdem der Dienstwagen geblitzt wurde. Der 47-Jährige klagt dagegen - und muss sich nun harsche Kritik gefallen lassen. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,678856,00.html
Die Geschichte mit dem Maserati ist ja nicht neu. Bereits 2008 war dies bekannt: http://www.paperpress.org/print.php?sid=775 Nachdem nun seit Wochen, trotz Gerichtsbeschluss, über die Höhe von ALG II, diskutiert wird, sollen nun die Sozialkonzerne dran sein? Richtig! Gerade die berliner, ach so sozialen, Anbieter von ehem. staatlichen Aufgaben verdienen nicht schlecht mit der Armut. Allerdings: auf welche Kosten? Es geht nicht darum, dass Menschen für ihre Arbeit, die sehr wichtig ist, Geld verdienen. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt aber: Sozialpädagogen/innen verdienen mittlerweile so viel, wie Erzieher/innen, die nicht studiert, keine BaföG-Schulden angehäuft haben. Das ist der eigentliche Skandal! Und gerade solche "sozialen Kapitalisten" wie unser geschätzte Hr. Ehlert nutzen die mafiösen Strukturen des Berliner Filzes gekonnt. Ein paar Beispiele aus seiner Praxis: Bei Neuanstellung unterschreibt ein/e Pädagogin einen Arbeitsvertrag, bei dem vorgeschrieben ist, dass Weiterbildung Pflicht ist. So weit so gut. Diese findet in seiner Villa statt, Trainer sind allerdings keine externen Kräfte, sondern eigene Mitarbeiter/innen. Wenn innerhalb eines Jahres durch den/die Mitarbeiter/in gekündigt wird, muss diese/r die Kosten für die Fortbildung tragen. Man könnte dies auch Knebelvertrag nennen, sofern man dies möchte. Da die Bezahlung der Arbeit an Fallzahlen gebunden ist, ist es bei der Treberhilfe selbstverständlich, immer eine/n Klienten/in mehr als vorgeschrieben zu betreuen. In diesem Bereich ist es normal, dass Menschen die Betreuung abbrechen. Somit ist immer die geforderte Anzahl von Betreuten gegeben. Wenn in anderen Diskussionen ein Mindestlohn gefordert wird, ist dies richtig. Vielleicht lohnt sich aber auch mal ein Blick auf die Arbeitsbedingungen von denen, die tagtäglich den sozialen Frieden in Deutschland sichern. Nicht am Hindukusch - vor der eigenen Haustüre. Allerdings ist die Steuerverschwendung bei den Maßnahmen von Arbeitssuchenden noch höher. 10 Bewerbungstrainings hintereinander sind keine Seltenheit. Leider schafft dies keinen einzigen regulären Arbeitsplatz für die Betroffenen. Sondern für die Anbieter, mittelmäßiger bis schlechten Angeboten für Arbeitssuchende.
zulthak 18.02.2010
5. .
Ganz schön ekelig der Kerl, er sieht sich auch noch im Recht. Anstatt sich einen Passat zu holen und das gesparte Geld wieder den Armen zu kommen zu lassen (was so ein Auto alleine an Unterhalt kostet), nein natürlich nicht... Wenn ein reicher Privatmann so ein Auto fährt okay aber jemand von der Wohlfahrt sollte doch mehr Taktgefühl an den Tag legen.
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