Flugzeugabsturz in Kuba Ermittler finden Flugschreiber

Die Blackbox ist in gutem Zustand: Nach dem schweren Flugunglück in Kuba haben Ermittler einen der Flugschreiber gefunden. Den Behörden zufolge kamen bei dem Absturz 110 Menschen ums Leben.

DPA

Ermittler des Flugzeugabsturzes auf Kuba haben einen der Flugschreiber der Maschine gefunden. Die Blackbox sei in einem guten Zustand, sagte der Verkehrsminister des sozialistischen Karibikstaates, Adel Yzquierdo.

Yzquierdo erklärte im Staatsfernsehen, Experten arbeiteten intensiv an der Absturzstelle, um auch den zweiten Flugschreiber zu finden.

Das Passagierflugzeug mit mehr als 100 Menschen an Bord war am Freitagmittag am internationalen Flughafen José Martí von Havanna verunglückt. Retter konnten nur drei Schwerverletzte aus den Trümmern bergen. Zu den Ursachen des Absturzes gab es zunächst keine offiziellen Angaben.

Am Samstagabend bestätigten die Behörden, bei dem Unglück seien 110 Menschen ums Leben gekommen.

Der Gesundheitszustand von drei Überlebenden ist weiterhin kritisch. Die drei Frauen, die in das Krankenhaus Calixto García in Havanna gebracht worden waren, schwebten in Lebensgefahr, teilte der Leiter der Klinik, Carlos Alberto Martínez Blanco, mit. Ein Spezialteam kümmere sich um die Patientinnen.

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Kuba: "Hohe Zahl an Opfern"

Mehr als die Hälfte der Opfer stammte nach Angaben des kubanischen Online-Portals "Cubadebate" aus der Stadt Holguín im Osten der Insel, die das Ziel des Flugs war. Familienangehörige der Toten wurden am Samstag in Bussen von Holguín in die Hauptstadt Havanna gefahren. Dort sollten sie nach Angaben von "Cubadebate" die Opfer identifizieren.

Fünf der Passagiere waren offenbar nicht aus Kuba. Das argentinische Außenministerium bestätigte, dass zwei argentinische Staatsbürger bei dem Absturz ums Leben kamen. Die Fluggesellschaft teilte mit, dass sechs mexikanische Besatzungsmitglieder an Bord gewesen seien. Zu den weiteren Opfern gab es zunächst keine Details.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach den Kubanern nach dem Flugzeugunglück sein Beileid aus. "Mit großer Betroffenheit" habe er von der Katastrophe gelesen, schrieb Steinmeier dem Präsidenten der Republik Kuba, Miguel Díaz-Canel. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sendete ebenfalls ein Kondolenztelegramm. Die Nachricht vom Absturz habe sie "mit tiefer Trauer erfüllt". Auch Papst Franziskus kondolierte den Kubanern.

Zweitägige Staatstrauer

Die abgestürzte Maschine gehörte der mexikanischen Fluggesellschaft Damojh, sie wurde jedoch von der staatlichen kubanischen Gesellschaft Cubana gemietet und betrieben. Die Fluggesellschaft Damojh wurde 1990 in Mexiko gegründet, zur Flotte zählen laut mexikanischem Verkehrsministerium lediglich drei Flugzeuge.

Das Flugzeug war fast 39 Jahre alt, wie es auf der Internetseite "Planespotters.net" heißt. Während dieser Zeit gehörte es verschiedenen Fluggesellschaften, im Besitz von Damojh war es nach Angaben der Website seit 2017. Die Airline Cubana hatte die Maschine demnach erst seit Mai diesen Jahres betrieben.

Nach dem Flugzeugabsturz hat in Kuba eine zweitägige Staatstrauer begonnen. Die Flaggen wurden landesweit auf Halbmast gesetzt.

Die mexikanische Luftfahrtbehörde kündigte die Entsendung von Spezialisten an, die bei den Ermittlungen helfen sollten. Auch der Flugzeughersteller Boeing stellte zur Unterstützung der kubanischen Behörden ein Team von Technikern bereit.

Augenzeugen zufolge war die Maschine abgestürzt, als sie die erste Kurve flog. Der 21-jährige Yasniel Diaz sagte, der Pilot habe offenbar noch eine Notlandung machen wollen, dies aber nicht mehr geschafft. Die folgende Explosion habe "alles erschüttert", sagte Diaz.

wal/dpa/AFP



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