NSU-Terroristen "Küstenwache" zeigte echte Fahndungsfotos

Erst "Tatort", nun "Küstenwache": In der ZDF-Serie sind in einer gestellten Akte echte Fahndungsfotos aufgetaucht. In der Folge "Gegen die Zeit" sind Bilder der NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt zu sehen. Auch eine deutsche Moderatorin kommt zu einer fragwürdigen Ehre.

Die Originalversion: NSU-Terroristen Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos (von links)
DPA/ Ostthüringer Zeitung

Die Originalversion: NSU-Terroristen Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos (von links)


Hamburg - Erst vor kurzem wurde bekannt, dass in einer "Tatort"-Folge aus dem Jahr 2001 ein reales Fahndungsfoto in eine gestellte BKA-Akte montiert worden war: Das Bild von Uwe Mundlos, dem NSU-Terroristen. Die Aufregung war groß, die Produzentin des Films sagte, sie sei "fast vom Glauben abgefallen".

Am 10. März 2004 strahle das ZDF eine Folge der Serie "Küstenwache" aus, sie hieß "Gegen die Zeit". Auch in diesem Fall tauchen in einer Pseudo-Akte Fotos von real gesuchten Verbrechern auf: die NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Die Männer, die 2011 tot in einem Wohnwagen gefunden wurden; die gemeinsam mit Beate Zschäpe den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) gründeten, der mutmaßlich für zehn Morde verantwortlich ist.

"Wie diese Bilder in den Film gekommen sind, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen", sagt ZDF-Sprecher Peter Gruhne. Zumal die Requisiteurin bereits seit Ende 2003 nicht mehr für den Produzenten arbeite. Gruhne zufolge wurde die "Küstenwache"-Folge nicht von derselben Produktionsfirma produziert wie der "Tatort".

Der Fall war dem Sender schon seit längerem bekannt, die entsprechende Stelle befinde sich heute nicht mehr auf dem Sendeband, sagte Gruhne. "Sie wurde bereits vor einiger Zeit, nachdem es einen ersten entsprechenden Hinweis gab, entfernt."

Doch auf YouTube lässt sich die unbearbeitete Sequenz noch finden. Neben Böhnhardt und Mundlos taucht übrigens noch ein drittes Verdächtigen-Bild in der Akte auf. In diesem Fall ist allerdings nicht das Foto, sondern der Name das Entscheidende: "Barbara Schöneberger". Die Moderatorin war damals vor allem durch ihre Serie "Blondes Gift" bekannt.

Wie es zu dem Namen "Barbara" gekommen sei, wisse man ebenfalls nicht, sagte Gruhne. Der durchgängige Rollenname sei "Claudia Schöneberger" gewesen, auf dem Foto war demnach auch die Darstellerin abgebildet, eine Frau namens Claudia Mehnert.

siu/aar

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insgesamt 12 Beiträge
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Iggy Rock 14.09.2012
1. Fahndung im TV
Wenn die beiden zur Fahndung, immerhin wegen Bombenbastelei, was ja bereits auf Terrorismus hindeutet, ausgeschrieben waren, warum durfte sich die breite Öffentlichkeit deren Fotos fast ausschließlich in TV-Serien anschauen? Eine Fahndung durch Zeitungen, Aktenzeichen XY oder ähnlichem, hätte doch ziemlich schnell Ergebnisse geliefert. Schließlich versteckten sich Drei in keinem Kellerloch, fuhren sogar in den Ostsee-Urlaub, Nachbarn sahen sie auch.
inci2 14.09.2012
2.
Zitat von sysoppicture alliance / dpaErst der "Tatort", nun die "Küstenwache": In der ZDF-Serie sind in einer gestellten Akte echte Fahndungsfotos aufgetaucht. In der Folge "Gegen die Zeit" sind Bilder der NSU-Terroristen Mundlos und Böhnhardt zu sehen. Auch eine deutsche Moderatorin kommt in der Sequenz zu einer fragwürdigen Ehre. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,855931,00.html
also ich kann mich daran erinnern, daß in fast jeder krimiserie auch fotos von ehemaligen RAF-leuten gezeigt wurden. und auch das waren echte fahndungplakate. also nicht neues oder gar skandalöses.
Meteor03 15.09.2012
3. Den Behörden voraus
Zumindest war die Tatort-Requisite näher an der Realität dran, als es die ein oder andere Behörde damals war.
dr.koch 15.09.2012
4. So macht man das!
... kennt man doch aus Praktikantenzeiten: Eine 'Bayern'-Seite in der Powerpoint Präsenation vom Chef illustrieren? Schnell nach Bildern zu 'Weißwurst' und 'BMW' gegoogelt, Rechtsklick fertig. Ist ja privat, beschwert sich schon keiner... Wenn man dann nach zehn Jahren Praktikum (selber schuld) erstmal für das Fernsehen arbeitet, kommen halt Blutlachen in Form der Schweiz raus, oder fiktive Mörder, die real sind. Wie heißt es doch so schön: wer nicht unter den ersten sechs Treffern bei Google ist, hat verloren. Und die Verantwortlichen, die diese Texhniken so wie wir kennen, finden es wohl kaum noch 'unfassbar, wie so etwas geschehen konnte'. q.e.d.
niska 15.09.2012
5.
Zitat von inci2also ich kann mich daran erinnern, daß in fast jeder krimiserie auch fotos von ehemaligen RAF-leuten gezeigt wurden. und auch das waren echte fahndungplakate. also nicht neues oder gar skandalöses.
Das macht die Serien oder Filme sogar authentischer. Ich mag es auch nicht, wenn in deutschen Serien die Bierflaschen abgeklebt oder mit Phantasieetikett beklebt sind, oder statt dem BMW/VW/etc.-Emblem runde schwarze Folie auf dem Kühler prangt.
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