Kult-Foto aus Krakau: "Dieser Moment hat mich begeistert"

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Klarer Kontrast aus Schwarz und Weiß: "Ein Mann füttert Schwäne im Schnee" Zur Großansicht
Marcin Ryczek

Klarer Kontrast aus Schwarz und Weiß: "Ein Mann füttert Schwäne im Schnee"

Marcin Ryczek hat geschafft, wovon viele Fotografen träumen: Sein Bild mit dem Titel "Ein Mann füttert Schwäne im Schnee" sorgt weltweit für Aufmerksamkeit, seine Facebook-Seite gewann in kurzer Zeit 10.000 Fans. Im Interview spricht der 30-Jährige über den Moment, der alles veränderte.

Hamburg - Insidern in Krakau war Marcin Ryczek schon länger ein Begriff. Der 30-Jährige betreibt das Portal "Nieznany Kraków" (Unbekanntes Krakau), auf dem er Menschen und Orte rund um das historische Viertel Kazimerz vorstellt. Seit kurzem ist Ryczek auch über die Grenzen der 760.000-Einwohner-Stadt im Süden Polens hinaus bekannt - dank eines einzigen Fotos.

Das Bild zeigt einen Mann, der im Schnee am Ufer der Weichsel Schwäne füttert. Aufgenommen hat Ryczek es Ende Januar von der Grunwaldzki-Brücke aus. Anschließend postete der Fotograf und Grafikdesigner das Bild auf Facebook - von dort aus ging es um die Welt. Innerhalb von drei Wochen habe seine Seite 10.000 Fans gewonnen, sagt Ryczek.

SPIEGEL ONLINE: Herr Ryczek, haben Sie die Szene zufällig beobachtet?

Ryczek: Ja, ich komme häufiger an diesem Ort vorbei. An dem Tag, als ich das Foto schoss, ist mir zunächst dieser von der Natur gezeichnete, ungewöhnliche Kontrast aufgefallen. Geradlinig voneinander getrennt durch das Ufer. Das Motiv erinnerte mich an das Yin-Yang-Symbol - und ich habe begonnen, in Gedanken ein Konzept für das Bild zu entwerfen. Dann tauchten plötzlich weiße Schwäne auf dem schwarzen Hintergrund auf. Und zugleich die schwarze Gestalt auf der weißen Fläche. Dieser Moment hat mich begeistert, ich konnte ihn glücklicherweise festhalten.

SPIEGEL ONLINE: Warum kommt das Bild so gut an?

Ryczek: Die Kraft dieses Fotos liegt in dem Bildausschnitt, der tausendfache Interpretationen zulässt. Das belegen ja die unzähligen Kommentare und Diskussionen in den Portalen, auf denen es veröffentlicht wurde. Ich wollte zeigen, dass selbst ein banales Thema unkonventionell erfasst werden kann.

SPIEGEL ONLINE: Wo wurde das Foto bisher veröffentlicht?

Ryczek: Es findet sich auf nahezu allen wichtigen sozialen Netzwerken in den USA, China, Japan, Russland, Israel und vielen anderen Ländern. Auf der Seite reddit.com verzeichnete das Foto innerhalb von 24 Stunden knapp drei Millionen Aufrufe, sogar im polnischen Fernsehsender TV N24 wurde es gezeigt. Auch der Schauspieler Jared Leto und der Schriftsteller Jonathan Carroll haben sich öffentlich lobend über das Motiv geäußert.

SPIEGEL ONLINE: Sind Sie überrascht von dem Hype?

Ryczek: Obwohl ich sehr zufrieden mit dem Foto war, konnte ich das natürlich nicht vorhersehen. Daher freut mich die weltweite Aufmerksamkeit ungemein. Das Internet ist voller Fotos und es ist schwer, mit etwas Originellem aufzufallen. Mein Beispiel zeigt, dass die Ausdrucksstärke in der Einfachheit liegt.

SPIEGEL ONLINE: Was macht ein gutes Foto aus?

Ryczek: Voraussetzung für ein gutes Foto ist, dass man den Menschen, Orten und alltäglichen Situationen mit Sensibilität begegnet. Und für alles offen ist. So war es ja auch bei mir und meinem Bild.

SPIEGEL ONLINE: Was hat sich für Sie persönlich in den vergangenen Wochen verändert?

Ryczek: Die plötzliche Berühmtheit des Fotos hat gezeigt, dass es sich lohnt, seine ganze Kraft in die Dinge zu investieren, die uns wichtig sind. Das bestärkt mich darin, dass der Weg, den ich eingeschlagen habe, richtig war. Und die vielen positiven Reaktionen motivieren mich erst recht.

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insgesamt 68 Beiträge
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1. glückwunsch
boer640 05.03.2013
das macht einen fotografen aus, ein auge für die kleinen schönheiten im leben...
2. optional
flaschenöffner 05.03.2013
Was ist ein Kult-Foto? Dient es kultischen Zwecken? Liebe Redaktion: Bitte nicht dazu beitragen, dass derartige Modewörter, die in sich unlogisch sind, noch mehr um sich greifen.
3. Sehr gut
tuobob 05.03.2013
Das Bild und sein Erfolg beweist, dass es nicht immer das Supermodel im Studio und mit heftiger Beauty Retusche am Rechner sein muss.
4. Meine Nachbrain füttert jeden Tag die Hühner
Erich91 05.03.2013
Zitat von sysopMarcin RyczekMarcin Ryczek hat geschafft, wovon viele Fotografen träumen: Sein Bild mit dem Titel "Ein Mann füttert Schwäne im Schnee" sorgt weltweit für Aufmerksamkeit. Im Interview spricht der 30-Jährige über den Moment, der alles veränderte. http://www.spiegel.de/panorama/kult-foto-aus-krakau-mann-fuettert-schwaene-im-schnee-a-887023.html
ich glaub ich mach auch mal ein " Kultfoto " und danach überleg ich mir ob ich " Kultfotograf " werde.
5.
Zaunsfeld 05.03.2013
Zitat von Erich91ich glaub ich mach auch mal ein " Kultfoto " und danach überleg ich mir ob ich " Kultfotograf " werde.
Ja, mach doch, Erich. Der Fotograf hier hat's halt einfach gemacht. Und Du und ich, wir wissen genau, dass Du es bei deinem Nachbarn nicht machen wirst. Und deswegen wirst Du auch kein "Kult"fotograf werden.
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Zur Person
  • Agnieszka Milogrodzka
    Marcin Ryczek kommt aus Lublin und wohnt seit sechs Jahren in Krakau, wo er Fotografie und Grafikdesign studiert hat. Er arbeitet mit Krakauer Kulturinstitutionen als Fotograf und Grafiker zusammen. Der 30-Jährige reist häufig nach Syrien, Nepal, Laos, Indien, Kambodscha und Vietnam. Außerdem betreibt er das Portal "Nieznany Kraków" (Unbekanntes Krakau) - ein Online-Stadtführer, der weniger bekannte, aber dafür charmante Ecken von Krakau vorstellt, die in keinem Reiseführer auftauchen.