Kuss eines Sechsjährigen Schule lässt Vorwurf der "sexuellen Belästigung" fallen

Der Umgang einer US-Schule mit einem Sechsjährigen sorgte für große Aufregung: Weil er eine Mitschülerin geküsst hatte, suspendierte der Direktor ihn vom Unterricht. Wegen sexueller Belästigung. Nun lenkte der Schulinspektor ein.

Homepage der Schulbehörde: Kuss-Skandal in Cañon City

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Cañon City - Hunter, sechs Jahre jung, erzählte es so: Während des Unterrichts, er und seine Mitschüler waren gerade in einer Lesegruppe, habe er sich rübergebeugt zu einem Mädchen "und sie geküsst". Auf die Hand. Niedlich, nicht wahr?

Hier könnte die Geschichte eigentlich schon enden, doch da gab es noch das Personal der Lincoln School of Science and Technology von Cañon City, im US-Bundesstaat Colorado. Der kleine Hunter musste zum Direktor gehen und sein Verhalten rechtfertigen. Dann wurde er vom Unterricht ausgeschlossen. Wegen sexueller Belästigung.

Hunters Mutter tobte und kündigte an, mit allen Mitteln gegen den Eintrag in die Akte zu kämpfen. Mit Erfolg: In dieser Woche traf sich der Schulinspektor von Cañon City, Robin Gooldy, mit Hunters Eltern, berichtet CNN. Gooldy stufte die Bewertung des Kusses herunter: In der Akte steht nun nicht mehr "sexuelle Belästigung", sondern "Fehlverhalten".

Gooldy hatte zuvor erklärt, dass Schüler nicht einfach wegen eines unschuldigen Erstklässlerkusses als übergriffig bezeichnet würden. Dafür bedürfe es einer andauernden Kontaktaufnahme gegen den Willen eines anderen Kindes.

Das Ganze hatte offenbar eine Vorgeschichte: Hunter hatte das Mädchen schon einmal geküsst, nach Darstellung von deren Mutter mehrfach. Sie hielt die Reaktion der Schule für durchaus angebracht, schließlich habe sie ihre Tochter geschützt.

Hunter durfte nach zwei Tagen wieder zur Schule gehen. Zu Hause hat die Geschichte allerdings Nachwirkungen, wie seine Mutter berichtete: "Jetzt fängt mein Sohn erst an, mir Fragen zu stellen: 'Mami, was ist Sex?'"

bim



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