Dem 7news-Beitrag verlieh das seit Montag eine Reichweite, die die Sendung wohl noch nie erreicht hat: Gleich mehrere YouTube-Mitschnitte gehen um, die schon jetzt viele hundertausendmal aufgerufen wurden. In zahlreichen Kategorien sind die Filmchen zurzeit unter den meistgesehen, meistkommentierten, meistweiterempfohlenen, bestbewerteten Web-Videos vertreten. Am populärsten sind per Handkamera vom Fernseher abgefilmte Versionen, in denen direkt auf den arbeitsscheuen Banker und sein Objekt der Bewunderung gezoomt wird. Kein Wunder, denn man muss schon genau hinsehen, um den Banker zu erwischen, wie man hier im (weniger populären) Originalclip sieht. Der interessante Teil beginnt nach 1 Minute 6 Sekunden:
Der eigentliche Grund dafür, dass die Geschichte nun um die Welt geht, ist in den letzten Sekunden des Interviews zu finden: Da bemerkt der Fotomodel-Freund und Investmentbanker, der seine Aufmerksamkeit auf so peinliche Weise fehlinvestiert, dass hinter seinem Rücken etwas vorgeht. Er dreht sich um zur Kamera, ist für Sekundenbruchteile klar zu erkennen. Man sieht, wie in die Erkenntnis trifft, dass er da live und vor Publikum ertappt wurde. Er sieht nicht so aus, als wäre das eine freudige Überraschung.
Die Boss-Taste kann ihn nicht retten
Dabei war er doch so vorsichtig: Sekunden davor sieht man, wie er die aufgerufene Diashow kurz hinter einem Diagramm verschwinden lässt - wohl um zu vermeiden, dass ihn ein Kollege ertappt. Eine "Boss-Taste" nannte man das früher, eine Notfall-Tastenkombination, mit der man schnell Statistiken, Briefformulare oder Diagramme über das geöffnete Spielfenster, den Film oder die Diashow schob.
Jetzt sitzt der Ertappte ziemlich in der Patsche. Nachrichtenagenturen stürzten sich auf die Story, berichteten fälschlich, der Mann habe sich "Nacktbilder" angesehen. Das ist wohl mit ziemlicher Sicherheit falsch: Miranda Kerr, 27, posiert für Kaliber wie "Elle" und "Vogue", stakst mit Glitter-Flitter-Unterwäsche für Victoria's Secret über den Laufsteg, zeigt sich wohl oft spärlich verhüllt, aber nie wirklich unbekleidet. Sie fällt damit in die Kategorie "viel Haut, aber stubenrein": Solche Bilder hängt sich der Automechaniker in die Werkstatt, der Pubertierende an die Tür und der Investmentbanker auf den Desktop.
Der hat nun ein massives Problem, denn angeblich gab es nach der Sendung zahlreiche Proteste. Die interne Prüfung des Vorgangs läuft, die Macquarie Bank, war zu vernehmen, nimmt den Vorgang "sehr ernst" - ganz im Gegensatz zum Rest der Welt also. Denn der Bikini-Banker macht weltweit Schlagzeilen, von CNN bis BBC wird die Story - wie hier - genüsslich seziert und zelebriert: Es ist die News-Anekdote des Tages.
Hinter den Kulissen lachen sie wohl auch in Sydney über den schusseligen Lapsus. In einer Hinsicht aber versteht die Bank mit Sicherheit keinen Spaß: Für sie ist das ganze eine "nicht akzeptable Nutzung" der technischen Ressourcen. Ob das nun moralisch gemeint ist oder so, dass da wer seinen Spaß hatte, statt zu arbeiten?
pat
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