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Ländervergleich: Wo es für Frauen am gefährlichsten ist

Es ist ein Ranking der Schande: Eine internationale Studie nennt jene Orte, in denen das Leben für Frauen besonders riskant ist. Ganz oben stehen Länder wie Afghanistan - aber auch eine aufstrebende Schwellennation.

Gefährliche Länder für Frauen: Viel Arbeit, wenig Rechte Fotos
AP

Hamburg - Nirgendwo leben Frauen so gefährlich wie in Afghanistan - das ist das Ergebnis einer neuen globalen Studie. Gezielte Gewalt, schlechte medizinische Versorgung und große Armut sind demnach die größten Probleme für Frauen in dem Land. Hinzu komme, dass Frauen, die sich für Gleichberechtigung stark machten, "oft eingeschüchtert oder getötet werden", so Antonella Notari von der Hilfsorganisation Women Change Makers.

Doch nicht nur in Kriegsgebieten ist das Leben für Frauen gefährlich - auch in aufstrebenden Nationen wie Indien ist die Lage dramatisch, wie die Studie von TrustLaw, einer Stiftung des Medienkonzerns Thomson Reuters, zeigt. Befragt wurden dafür 213 Frauenrechtsexperten aus fünf Kontinenten. Sie sollten die Länder der Welt nach sechs unterschiedlichen Risiken für Frauen bewerten: Mängel in der medizinischen Versorgung, sexuelle Gewalt, generelle Gewalt, kulturelle oder religiöse Faktoren, fehlender Zugang zu wirtschaftlichen Ressourcen, Menschenhandel.

Nach Afghanistan gehören der Kongo, Pakistan, Indien und Somalia zu den für Frauen gefährlichsten Ländern der Welt - in der genannten Reihenfolge. Die Gründe für die immensen Probleme der Frauen in diesen Staaten sind der Studie zufolge zum Teil höchst unterschiedlich.

  • Afghanistan sei vor allem wegen der Kombination aus kultureller Unterdrückung und dem Krieg zwischen Taliban und Nato ein sehr gefährlicher Platz für Frauen, sagte Notari. In drei der sechs Risikokategorien bewerteten die Experten die Situation am Hindukusch so schlecht wie nirgendwo sonst: Gesundheit, Gewalt und fehlender Zugang zu wirtschaftlichen Ressourcen. Vor allem die hohe Müttersterblichkeit und die eingeschränkte medizinische Versorgung wurden genannt. Laut Unicef stirbt eine von elf afghanischen Frauen bei der Geburt eines Kindes.
  • Im Kongo ist sexuelle Gewalt das größte Problem - vor allem im Osten des Landes. Eine US-Studie habe gezeigt, dass in dem zentralafrikanischen Staat jedes Jahr mehr als 400.000 Frauen vergewaltigt werden, heißt es bei TrustLaw. Die Uno hatte den Kongo 2010 als "Vergewaltigungshauptstadt" der Welt bezeichnet. Statistiken aus dem Land hätten gezeigt, dass Vergewaltigung dort als Waffe eingesetzt wird, sagt Clementina Cantoni von der EU-Hilfsorganisation Echo. "Frauen werden als Soldaten rekrutiert und als Sexsklaven gehalten", so Cantoni.
  • Pakistan ist laut TrustLaw für Frauen vor allem wegen der kulturellen Unterdrückung gefährlich. Säureattacken, Zwangshochzeiten, Blutrache oder Strafen wie Steinigung gehören demnach zu den größten Problemen.
  • Indien, die aufstrebende Wirtschaftsmacht Asiens, steht vor allem wegen der hohen Zahl an Kindesmorden und wegen Menschenhandel am Pranger. Nach einer Schätzung der staatlichen Ermittlungsbehörde gab es 2009 rund drei Millionen Prostituierte in Indien, etwa 40 Prozent davon seien Minderjährige gewesen. Ein Großteil des Menschenhandels spielte sich demnach innerhalb des Subkontinents ab. "Das Vorgehen ist verbreitet, aber lukrativ. Deshalb wird es von Polizei und Regierung nicht verfolgt", sagt Christi Hegranes vom Global Press Institute, das Frauen in Entwicklungsländern zu Journalistinnen ausbildet. Laut Uno galten im vergangenen Jahrhundert wegen Kindes- und Fötusmorden bis zu 50 Millionen Mädchen in Indien als "vermisst". Arme Eltern in Indien wünschen sich häufig lieber Jungen, die früh arbeiten gehen können.
  • In Somalia zählen hohe Müttersterblichkeit, Vergewaltigungen und Genitalverstümmelungen laut den befragten Experten zu den größten Gefahren für Frauen. Dazu kommen der begrenzte Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung sowie wirtschaftliche Faktoren.

"Ich bin überrascht, dass Somalia nicht ganz oben auf der Liste gelandet ist, sondern nur auf Platz fünf", kommentierte die dortige Frauenministerin Maryan Qasim das Ergebnis der Studie. "Das gefährlichste, was einer Frau in Somalia passieren kann, ist schwanger zu werden", sagte Qasim. Ihre Überlebenschancen stünden dann fünfzig zu fünfzig, es gebe keinerlei Betreuung vor der Geburt. "Es gibt keine Krankenhäuser, keine Versorgung, gar nichts."

TrustLaw setzt sich weltweit gegen Korruption und für Frauenrechte ein und bietet rechtliche Unterstützung und Informationen. Nichtregierungsorganisationen, Regierungen und soziale Einrichtungen werden mit engagierten und erfahrenen Juristen zusammengebracht, die ehrenamtlich arbeiten. Mit TrustLaw Women wurde ein eigener Zweig für die Belange von Frauen weltweit geschaffen.

hut/Reuters

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insgesamt 348 Beiträge
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1. Sexueller Missbrauch an Frauen v.a. in Südafrika
2010sdafrika 15.06.2011
Die Lage von Frauen und Kindern in Südafrika ist desaströs. Ich bin verwundert, dass der Beitrag überhaupt nicht auf die Lage des schwachen Geschlechts in Südafrika eingeht: http://2010sdafrika.wordpress.com/2010/11/24/kindesmissbrauch-und-gewalt-an-frauen-ein-veranstaltungsbericht/.
2. Ach du liebe Zeit ....
unterländer 15.06.2011
Zitat von sysopEs ist ein Ranking der Schande: Eine internationale Studie nennt jene Orte, in denen das Leben für Frauen besonders riskant ist. Ganz oben stehen*Länder wie Afghanistan - aber auch eine aufstrebende Schwellennation. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,768517,00.html
Wieder einmal eine Studie, die kein Mensch braucht. Hätte irgendwer in Abrede gestellt, dass es gefährlich ist, in Somalia, dem Kongo oder eben Afghanistan zu leben? Und höchst interessant wäre es, die Gefahren für Leib oder Leben für die Gesamtbevölkerung aufzulisten. Ich wette um meinen Forenzugang, dass das Negativranking genau die gleiche Liste produzierte, wenn man anstatt lediglich der Frauen, die Gesamtbevölkerung betrachtet hätte.
3. buch
märzwiedermonat 15.06.2011
Habe vor vielen Jahren mal ein Buch gelesen, das hieß: Der Krieg gegen die Frauen. War in den Siebzigern Jahren geschrieben. Sehr interessant. Was die absolute Aussage des Buches am Ende war: Ein Krieg gegen die Frauen, ist immer ein Krieg gegen die Menschheit. Leider weiß ich den Namen der Autorin nicht mehr. Könnt Ihr aber googln, falls es Euch wichtig sein sollte.
4. Sinnlos femizentrische Weltsicht
crazyphil 15.06.2011
Zitat von sysopEs ist ein Ranking der Schande: Eine internationale Studie nennt jene Orte, in denen das Leben für Frauen besonders riskant ist. Ganz oben stehen*Länder wie Afghanistan - aber auch eine aufstrebende Schwellennation. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,768517,00.html
Wieso soll das eine "Schande" sein? Es gibt doch auch jede Menge Länder, in denen das Leben für Männer besonders riskant ist. Wahrscheinlich würde sich das eine oder andere im Artikel genannte Land auf dieser Hitliste auch wiederfinden. Aber daß Männer von Gewalt, Tod und Krankheit bedroht sind, spielt ja nur eine untergeordnete Rolle, oder wie darf man solche unsinnig femizentrischen "Artikel" verstehen? Das ist doch die eigentliche "Schande", daß Gewalt, Kriege und schlechte medizinische Versorgung nur dann Aufmerksamkeit verdient, wenn Frauen (auch) davon betroffen sind...
5. Hmmm...
kamillentee 15.06.2011
...die Lösung: Schickt den Papst in diese Länder, die sollen alle vernünftig und friedlich werden, laßt uns alle lieb haben ;) Wenn sich die "Hauptreligionen" unseres Planeten mal an ihre eigenen Vorgaben halten würden, müßten sie massenhaft Abgesandte und Helfer in diese Länder schicken, um denen den "Teufel auszutrreiben".
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Bevölkerung: 26,023 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staatsoberhaupt:
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Situation in Somalia
Somalia gehört zu den größten Krisengebieten weltweit. Seit 1991 gibt es keine funktionierende Regierung mehr, 2004 wurde eine international anerkannte Übergangsregierung eingesetzt, deren Machtbereich sich heute aber nur auf einen kleinen Teil der Hauptstadt Mogadischu erstreckt.

Die humanitäre Hilfe durch Lieferungen des Welternährungsprogramms erfolgt zu 90 Prozent auf dem Seeweg. Der Schutz durch die EU-Mission Atalanta ist daher für die Versorgung der somalischen Bevölkerung mit Lebensmitteln von zentraler Bedeutung. Die instabile Regierung ist fast täglich das Ziel von Anschlägen durch al-Qaida nahestehende Extremisten.

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Hauptstadt: Neu-Delhi

Staatsoberhaupt:
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Regierungschef: Narendra Modi

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Was ist der Welt-Frauentag?
Die Anfänge
Der erste internationale Frauentag fand am 19. März 1911 statt. In Berlin gab es 40 Veranstaltungen und 45.000 Teilnehmer. Ähnliche Veranstaltungen gab es in Österreich, der Schweiz, Dänemark und den USA. Insgesamt beteiligten sich Millionen Frauen, zentrale Forderungen betrafen das Wahlrecht, Mindestlöhne und die gleiche Bezahlung von gleichwertiger Arbeit. Beschlossen wurde der Tag auf Initiative der deutschen Feministin und Sozialistin Clara Zetkin bei der II. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen 1910. Zwei Jahre später kamen Schweden, Frankreich und die Niederlande dazu, 1913 Russland und die Tschechoslowakei. Später wurde der 8. März als weltweiter Termin festgelegt.
Der 8. März
Der Ursprung des Datums ist historisch nicht eindeutig belegt. Einigen Quellen zufolge geht das Datum auf eine Demonstration russischer Frauen am 8. März 1917 in St. Petersburg zurück; nach dem alten russischen Kalender war es allerdings der 23. Februar. Vier Tage später führte die Regierung nach dem Sturz des Zaren das Frauenwahlrecht ein. In Deutschland erstritten die Sozialdemokratinnen zusammen mit bürgerlichen Frauenstimmrechtsverbänden im November 1918 das Wahlrecht für Frauen.
Verbot und Befreiung
In der Zeit des nationalsozialistischen Regimes war der Frauentag offiziell verboten. In der Nachkriegszeit begingen ihn besonders die kommunistischen Staaten Europas als Tag der Befreiung der Frauen. Blumen oder andere kleine Geschenke für die Frauen waren an diesem Tag obligatorisch. In Westdeutschland war das Interesse am Frauentag, der anfangs im Zeichen von Friedensdemonstrationen stand, zunächst verschwindend gering. Erst in den späten sechziger Jahren wurde der 8. März von der jungen Frauengeneration wiederbelebt.
Wofür Frauen kämpf(t)en
Die Frauenbewegung kämpfte unter anderem für den straffreien Schwangerschaftsabbruch und die Einrichtung von Selbsthilfeprojekten. Die Grundforderungen sind seit den Anfängen erhalten geblieben: gleicher Lohn für gleiche Arbeit, gleiche Bildungs- und Ausbildungschancen, soziale Sicherung von Frauen, politische Gleichberechtigung und Frieden.


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