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Neue Flüchtlingstragödie vor Lampedusa: "Wie viele müssen sterben, bis gehandelt wird?"

REUTERS

Im Mittelmeer ist erneut ein Schiff mit Flüchtlingen aus Afrika gesunken, an Bord waren Hunderte Menschen, mindestens 34 starben. Die Regierungschefs von Malta und Italien fordern mehr Hilfe anderer EU-Länder.

Lampedusa - Die Toten des Flüchtlingsdramas vom 3. Oktober sind noch nicht alle geborgen - nun hat sich eine weitere Tragödie vor der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa ereignet. Dutzende Menschen starben, als ein Boot mit mehreren hundert Menschen an Bord sank. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete unter Berufung auf Rettungsteams, 34 Flüchtlinge seien tot geborgen worden, 22 davon allein von Zollkreuzern der italienischen Finanzpolizei.

Mehr als 200 Menschen wurden demnach gerettet. Eine offizielle Bestätigung der italienischen Behörden gibt es noch nicht. Italienische und maltesische Rettungskräfte waren vor Ort. Nach Angaben von Ansa und italienischen Zeitungen sind unter den Toten auch etwa zehn Kinder. Offiziell wurde dies noch nicht bestätigt.

Rund 200 Menschen wurden Medienberichten zufolge gerettet. Ein maltesisches Schiff nahm 150 Menschen auf, 56 weitere wurden von der Mannschaft eines italienischen Marineschiffs in Sicherheit gebracht. Die Einsatzkräfte berichteten nach Angaben der maltesischen Regierung, es seien Menschen mit und ohne Schwimmwesten ins Wasser gesprungen, nachdem das Schiff 60 Seemeilen vor Lampedusa gekentert war.

Nach Angaben der maltesischen Marine war das Schiff in stürmischer See umgekippt, als sich die Flüchtlinge an einem Ende des Bootes versammelten, um ein Militärflugzeug auf sich aufmerksam zu machen. In anderen Berichten hieß es, die Passagiere hätten versucht, ein maltesisches Patrouillenboot auf ihr Schiff aufmerksam zu machen. Per Satellitentelefon konnten die Flüchtlinge einen Notruf absetzen. Starke Winde hätten die nächtlichen Rettungsarbeiten erschwert, sagte ein Marinesprecher.

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Gesunkenes Flüchtlingsboot im Mittelmeer: Rettung aus dem Mittelmeer
"Wie viel mehr Menschen müssen sterben, bis gehandelt wird?", fragte der maltesische Regierungschef Joseph Muscat vor der Presse. "Malta und Italien arbeiten zusammen, und kommen sich in diesem Vorhaben ziemlich verlassen vor. Dies ist ein europäisches Problem." EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström teilte mit, sie habe mit "Trauer und Sorge" die Rettungsoperationen verfolgt.

In den vergangenen beiden Tagen mussten Handelsschiffe im Mittelmeer fünf Flüchtlingsboote mit zusammen mehr als 500 Migranten an Bord zu Hilfe kommen. Die Flüchtlinge wurden in sizilianische Hafenstädte gebracht, so nach Trapani und Porto Empedocle, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

In der vergangenen Woche war vor Lampedusa ein anderes Flüchtlingsschiff gesunken. Die Zahl der geborgenen Opfer stieg auf 339, nachdem Taucher am Freitag insgesamt 28 weitere Leichen in der Nähe des Wracks gefunden hatten. Im Schiff sind keine Leichen mehr. Laut Küstenwache geht die Suche außerhalb des Schiffes weiter. 155 Flüchtlinge waren nach dem Schiffbruch gerettet worden, insgesamt 545 waren nach den Angaben von Überlebenden an Bord des Bootes gewesen.

Seit dem Unglück in der vergangenen Woche wird in der EU heftig über die europäische Flüchtlingspolitik diskutiert. "Italien und Malta können mit diesem Problem nicht alleingelassen werden", sagte Muscat nach einem Telefonat mit dem italienischen Ministerpräsidenten Enrico Letta, der seinerseits von einer "dramatischen Bestätigung des Notstands" sprach. Beide Länder fordern mehr Unterstützung bei der Bewältigung des Flüchtlingsansturms, stehen aber auch in der Kritik wegen ihres Umgangs mit den Hilfesuchenden.

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ulz/AFP/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 82 Beiträge
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1. Bürokratie
Peter.Lublewski 12.10.2013
"Wie viele müssen sterben, bis gehandelt wird?" Handeln? HANDELN? Dazu müsste ja erstmal eine lahmarschige Bürokratie effizient werden - und das wird so leicht in keinem Land passieren.
2. Eine vielleicht dumme Frage
BettyB. 12.10.2013
Ist die Idee, in und zwischen den nordafrikanischen Häfen hochseetüchtige Schiffe anlegen zu lassen, die die zur Emigration geneigten Menschen aufnehmen und nach Europa schaffen? Wäre ja hilfreich, aber von vielen wohl doch nicht ernsthaft gewollt. Wie aber sonst das Kentern von ungeeigneten Booten bei Wind verhindern?
3. Die vielen Flüchtlinge
naturfreund 12.10.2013
aus Afrika sind eine Folge der europäischen und amerikanischen Politik. Wäre diese Politik sozialer gewesen, gäbe es nicht soviele Flüchtlinge. Aber Imperialismus und Raub der Bodenschätze führt halt zu dieser Entwicklung. Natürlich ist Europa nicht scharf auf die vielen Flüchtlinge, aber die Ursachen haben sie selbst erzeugt.
4.
XRay23 12.10.2013
Es ist ein europäisches Problem? Das letzte Boot wurde durch die Menschen an Bord zum kentern gebracht, das vorletzte wurde durch die Besatzung angezündet. Was kann Europa gegen sowas unternehmen? Geld nach Afrika schicken, damit die Leute nicht versuchen per Boot zu kommen? Den Schleppern größere Schiffe zur Verfügung stellen? Die Flüchtlinge per Flugzeug nach Italien fliegen? Sorry - mir erschliesst sich die Schuld nicht von der gesprochen wird...
5. hier ist wo ich alles stehen lasse
Heike111 12.10.2013
schon im Radio heute früh gehört. Egal was ich machen wollte, bleibt dann liegen, ich muss mich setzen dann. Kann sich einer vorstellen wie schrecklich ist, zu ertrinken? Ich sitze dann wirklich da und die Gedanken überschlagen sich im Kopf. Und während ich denke tropfen Tränen. Und alles bleibt dann für 10 Minuten liegen. Das ist schrecklich, so schrecklich dass ich weinen muss.
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